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Malerei und Grafik von Inge Thiess-Böttner in der Dresdner Galerie Mitte

Malerei und Grafik von Inge Thiess-Böttner in der Dresdner Galerie Mitte

Seit ihrem Tod vor zehn Jahren hat sich in der Dresdner Kunstszene viel verändert. Dennoch ist das Schaffen der Dresdner Malerin und Grafikerin Inge Thiess-Böttner (1924-2001) nicht nur künstlerisch äußerst interessant und aktuell, wie ein Blick in die Kataloge und auf die jetzt in der Galerie Mitte gezeigte Ausstellung beweist.

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Inge Thiess-Böttner (1924-2001): "Ophelia", Pastell, 1978.Repro: Galerie

Sich nicht vereinnahmen zu lassen und der eigenen Spur zu folgen, sich treu zu bleiben, ist Inge Thiess-Böttners Vermächtnis und Mahnung an die nachfolgenden Generationen geblieben. "Man muss mit der Zeit gehen", ist ein anderer folgerichtiger Ratschlag, vor allem an junge Künstler, die noch auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten sind. Die Augen offen halten und kritisch zur eigenen Zeit stehen, ist immer ihr hoher Anspruch gewesen, den sie niemals aufgab. Viele heute gestandene Maler "gingen durch ihre Hände", die sich noch gern an sie erinnern und sie als Instanz für den wahrhaftigen Blick in der Kunst beanspruchen.

Nach dem Besuch der privaten Malschule von Weiland Simonson Castelli 1943/44 in Dresden musste Inge Thiess-Böttner 1945 ihr Studium an der Kunstakademie unterbrechen und wurde zur Fabrikarbeit dienstverpflichtet. Nach dem Krieg beräumte sie mit anderen als Trümmerfrau den Schutt an der Dresdner Kunstakademie und wurde Privatschülerin bei Ernst Hassebrauk, der in seinen barocken Farbräuschen eine tiefe Verbundenheit zum Elbhang und der Natur bekundete, die bei der Schülerin den Weg zur Farbe eröffnete. 1947 nahm sie ihr Studium an der HfGB in Leipzig wieder auf, studierte bei Prof. Max Schwimmer. Daraufhin, nach Dresden zurückgekehrt, legte sie ihr Diplom bei Prof. Wilhelm Lachnit ab, in dessen Kleiner Akademie sie Weltkunst kennenlernte.

In ihrem illegalen Kelleratelier Borsbergstraße 7 entwickelte sich eine eigene Kunstszene, wo junge suchende Menschen zusammenkamen und ihre ersten Arbeiten zeigen durften, sich austauschten und Einblicke in zeitgenössische Kunstströmungen erhielten. Ende der 70er Jahre fand die Malerin zur konstruktiven Kunst, die zum Teil auf ihre ersten Linolschnittversuche zurückging, die sie mit ihren Schülern unternahm. Über die Technik des Linolschnitts (als verlorene Form gedruckt und deswegen immer Unikat) und der Monotypie, die ohne große Technik und Aufwand auskamen, erkundete die Künstlerin die neuen Möglichkeiten der Farb- und Formauffassung, dem "konstruktiven Gerüst", seinen Spiegelungen und Farbkombinationen, ähnlich dem Kanon in der Musik. So entwickelte sich ihre Malerei aus Überlagerungen, Verschiebungen, Überblendungen und Wiederholungen, die sie selbst als "Musik für die Augen" bezeichnete.

In den 90er Jahren hatte sie eine Methode gefunden, mit Schablonen und einer sensibel gehandhabten Spritztechnik ihren geometrischen Vorstellungen Raum zu geben. Ihre Mischtechniken und Pastelle, die dem Kosmischen huldigen, schuf sie mit einer klaren Vorstellung von Raum und Farbe. Sie bildeten einen Höhepunkt in ihrem lyrisch gestimmten Konstruktivismus, in dem Konstruktives und Organisches zusammenwirken. Fein abgestufte Farbklänge und Klangräume entstanden, die in die Tiefen universaler Sternenwelt einzutauchen scheinen. Überarbeitete Farbseriegrafien bestimmten ihren letzten Lebensabschnitt, die oft der Linie den Vorzug geben und im farblichen Charakter sehr unterschiedlich aufgefasst sind.

Diesmal präsentiert Karin Weber Inge Thiess-Böttner auch von einer anderen Seite, mit ihren frühen gegenständlichen Arbeiten - Gouachen, Zeichnungen und Ölbilder, darunter Porträts und Bildnisse ("Ophelia", 1978), die Leute aus ihrem Umfeld zeigen; Kinder und Frauen, darunter auch zwei Katzenbilder (Kohle), nach Etha Richter, die ihre erste Lehrerin war. Eine großformatige Bleistiftzeichnung von Ernst Hassebrauk (40er Jahre) zeigt die junge Künstlerin in der Blüte ihrer Jahre und ergänzt auf liebenswürdige Weise die Schau.

Gleichsam Rhythmus und Farbe verherrlichend stellen sich die Encaustic-Bilder von Eveline Jahn im Kabinett dar, die auf besondere Art mit der Musik verbunden sind: Ihre mit dem elektrischen Maleisen hervorgezauberten Fantasien in mit Pigmenten angereichertem Wachs sprechen von einer Frau, die mit ihrer Kunst einen Ausweg aus einer Lebenskrise gefunden hat. Durch einen Bühnenunfall 1999 erlitt die ehemalige Opernsängerin einen Gehörschaden, der es ihr seitdem nicht erlaubt, ungestört Geräusche aufzunehmen. In ihren harmonisch-bewegten, fast explosiv sich ausdehnenden, stark leuchtenden Kompositionen schreibt sie Sinnliches und Geistiges gleichermaßen intensiv ein, nimmt den Gedanken an das Kosmische auf und fabuliert über ihre Begegnungen mit dem Leben, das sie in der sie umgebende Stille entdeckt.

Bis 14. Jan., Galerie Mitte, Striesener Str. 49, Tel. 0351/4590052, geöffnet Di.-Fr. 15-19 Uhr, Sa. 10-14 Uhr, geschlossen am 23./24. Dez. sowie am 30./31. Dez.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.12.2011

Heinz Weißflog

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