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Malerei und Grafik von Carsten Gille und Matthias Schroller in der Galerie Refugium Medingen

Spaziergang: Ziellosigkeit als Prinzip Malerei und Grafik von Carsten Gille und Matthias Schroller in der Galerie Refugium Medingen

Beide Künstler, Carsten Gille und Matthias Schroller, kamen bei den Vorbereitungen der Ausstellung in der Galerie Refugium Medingen überein, dem Besucher aus ihrem Bestand Kunst anzubieten, die absichtslos ist und nichts verlangt, als zu schauen und sich dem Anblick hinzugeben.

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Carsten Gille. Der Besucher, 2014, Öl auf Leinwand.

Quelle: Refugium

Dresden. Beide Künstler, Carsten Gille und Matthias Schroller, kamen bei den Vorbereitungen der Ausstellung in der Galerie Refugium Medingen überein, dem Besucher aus ihrem Bestand Kunst anzubieten, die absichtslos ist und nichts verlangt, als zu schauen und sich dem Anblick hinzugeben, die aber im gleichen Sinne auch absichtslos entstanden ist. Der Ausstellungstitel "Spaziergang" spielt auf die gleichnamige berühmte Erzählung des Schweizer Dichters Robert Walser an, die er 1917 schrieb.

Der Protagonist Walsers (ein armer Poet) begibt sich eines Morgens auf einen Spaziergang durch die Stadt und zieht scheinbar ziellos durch deren Gassen, um ganz nebenbei sich und die Welt auf neue Art zu entdecken. Germanisten nennen diese Art, Welt zu erleben und zu beschreiben, das "Prinzip der Ziellosigkeit". Carsten Gille schuf eine Reihe von Grafiken zu Walsers "Der Spaziergang", vier schmallinige, umrisshafte Federzeichnungen zum Thema.

Man kann sich schwer vornehmen, was man malen und schreiben will. Carsten Gille und Matthias Schroller sind sich auch darin einig, eine Ausstellung geschaffen zu haben, die dem gestressten Großstädter Anregung und Entspannung bietet und das mit Bildern, die sich nicht aufdrängen oder gar den Blick des Besuchers erzwingen wollen.

Carsten Gille (aus Frauenstein/Erzgebirge) schuf Bilder mit großer poetischer Ausstrahlung. Er hält in ihnen die Balance zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Wasser ist sein bevorzugtes Element. Weites Meer und Fluss verführten ihn zu stark mythischen Bildern, und eines seiner beliebtesten allegorischen Themen wie die "Stille" tritt immer wieder auf. Beeindruckt durch die offene Natur in Seeblicken und Waldeinsamkeit, entstanden schnörkellose, zeichenhafte Ölbilder und Grafiken.

Oft ist es die Literatur (Gille liebt zum Beispiel Autoren wie Kafka, Kubin, R. Walser), auf die er sich in seinen Werken bezieht und mit deren Hilfe er durch das Einbeziehen von Figuren Geschichten erzählt. In seinen Bildern stößt man immer wieder auf das Tiefenerlebnis der Natur im heimischen Frauenstein, aber auch auf die von Reisen (Estland, Frankreich, Italien) mitgebrachten Erinnerungen.

In seinem Frauensteiner Refugium (Hofefelder Sommergalerie) trifft sich die halbe Welt. Als begabter Maler leistet Carsten Gille Beachtliches; meist finden sich in seiner Malerei Bildelemente, wie Schemen von Haus und Baum sowie die menschliche Figur in einem leicht aufgelösten Kubismus und in stoischem, lapidar-schlichtem Miteinander. Diese Art zu malen ist selten. Gille baut die Dinge um sich herum eher frei und ungebunden nach einem geheimen poetischen Rezept und löst sich oft von einer genauen Topografie.

Seine Fantasie entwickelt neue Räume, die lyrisch aufgeladen werden, wie bei "reiner Malerei", in der es vor allem um die Phänome Farbe und Form geht. Blau und Grün sind in jüngster Zeit Hauptfarben, die in unzähligen Nuancen und oft mit Grau und Weiß gemischt werden. Das Personal seiner Bilder tritt oft an den Rand des Geschehens als dem Betrachter den Rücken zuwendender Beobachter, in sich versunken und zugleich mit der Natur eng verbunden ("Undine").

Der Dresdner Maler und Grafiker Matthias Schroller bevorzugt für seine eigenwilligen Bilder Details und Architekturausschnitte wie Mauern, Fenster und Türen und setzt sie zu abstrakten, konstruktivistisch anmutenden Ölbildern und meisterlichen Holzschnitten um. Außen und Innen interessieren ihn dabei gleichermaßen: Einmal der Blick in den Raum als auch aus ihm heraus, der Trennschnitt zwischen offenem und geschlossenem Raum, manchmal durch ein geöffnetes Fenster oder eine angelehnte Tür verbunden.

Schroller ordnet seine Bildwelt in strengen Formen, die die Architektur mit ihren erdigen Farben bietet und nutzt sie für eine individuelle Aussage mit durchaus philosophischem Hintergrund, wie der stoisch-lapidaren Umsetzung der alltäglichen Formenwelt auf die Ebene der Kunst. Er gibt den oft von den Blicken "abgenutzten" Dingen eine neue Bedeutung.

Bis 31. Januar. Galerie Refugium, Hauptstraße 3, Medingen. Besichtigung nach Vereinbarung, gerne auch am Wochenende: Tel. 03505 75 36 31. www.galerie-refugium.de

von Heinz Weißflog

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