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Malerei, Zeichnungen und Grafik aus fast 80 Jahren von Priscilla Ann Siebert in der Galerie Drei

Malerei, Zeichnungen und Grafik aus fast 80 Jahren von Priscilla Ann Siebert in der Galerie Drei

Immer am Fortgang der Welt, dem Schicksal der Menschheit und ihren sozialen Fragen interessiert und mit ihrer Kunst an ihm engagiert teilnehmend, steht die Nestorin der Dresdner Kunst Priscilla Ann Siebert im 97. Lebensjahr. Quo vadis Welt? Wohin gehen wir? Das ist die Frage, die sie bis heute brennend beschäftigt.

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Priscilla Ann Siebert. Bojen in Yarmouth 1934. 1985/91. Öl auf Leinwand

Quelle: Repro: Liane Hoder

In ihren beiden jüngsten Ölbildern von 2013/14 (!) setzt sie sich auf gewohnt surreale Weise mit Umweltthemen auseinander: Ein bleicher Tierschädel auf nackter, verwüsteter Erde, wo aus einem Rohr vergeblich Wasser fließt einerseits und ein sich sonnender Akt auf einem Eiland, umgeben vom reinen Meer mit Hund, Fischen und einem Oktopus. Zwei gegensätzliche Visionen, die den Idealismus der Malerin und ihre ungebrochene Kraft demonstrieren. Um nichts sorgt sie sich mehr in ihrem hohen Alter als um das Leben und die Zukunft der jungen Generation und um eine intakte Umwelt.

Diese und einige andere Bilder in ihrer neuen Ausstellung in der Galerie Drei, darunter frühere Arbeiten zum Spanienkrieg (2 Plakate von 1937), zum Vietnamkrieg (1984) und dem Bäumesterben im Erzgebirge (1988), sind einige ihrer sogenannten "Problembilder", die Karin Weber, Kuratorin der Ausstellung, geschickt dazwischen gehängt hat und die zwischen Dur und Moll vieles über das bewegte Leben der Künstlerin aussagen.

Priscilla Ann Thornycroft wurde 1917 in Golders Green im Norden von London in eine linksliberale, bürgerliche Familie geboren. Mit sechs Jahren beschloss sie Künstlerin zu werden. Ihr Großvater war ein bedeutender Bildhauer, in dessen Atelier sie die ersten künstlerischen Entdeckungen machte. Ihr Lehrer und Förderer Ines Meo an der Internatsschule Bedales in Hampshire unterstützte ihre Bewerbung zum Studium an der Slade in London, wo sie von 1935 bis 1937 Malerei und Grafik studierte. Der Krieg mit seinen Bombardements von London erschütterte sie zutiefst. Sie verarbeitete das Trauma in zahlreichen Bildern, auch viele Jahre danach. 1948 kam sie, inzwischen mit dem deutschen Widerstandskämpfer Hans Siebert verheiratet, nach Deutschland (Berlin-Pankow), 1952 nach Dresden, wo sie zunächst zahlreiche Kinderbücher illustrierte (z.B. "Das Bilderbuch vom Frosch", 1951, "Das Häschen und der Brunnen", 1958, u.a.), die in zwei Vitrinen zu betrachten sind.

Neben den beiden Kriegen (die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg und eine Autofahrt mit dem Vater hielt sie 2010 und 2011 in den Ölbildern "Auf dem Zweisitzer", "Kommt runter" fest) entstanden immer wieder Stillleben, Nature Mortes, Meerstücke und Strandbilder mit Fischerbooten (Amitié nach "St.-Marie-de-la-mer" 1937 - 49 Jahre nachdem van Gogh dort war). Eindrucksvoll ist das Bild "Bojen von Yarmouth" (1985/91 nach einer Skizze von 1934 gemalt), ihre zahlreichen Katzenbilder (besonders von ihrer Lieblingskatze Mogli) und Bilder, die den sorbischen Brauch des Osterreitens mit imposanten, prachtvoll geschmückten Reitpferden darstellen, von denen fünf im Sorbischen Nationalmuseum Bautzen zu sehen sind. Im Jahr 2007 malte sie das Ölbild "Blaue Fabrik", das durch seine eigenwillige Farbigkeit und fast konstruktive Klarheit brilliert und durch seine nüchterne und dennoch liebevolle Auffassung in die Reihe der besten zeitgenössischen Neustadtbilder gehört.

Bemerkenswert ist die fortwähren- de Auseinandersetzung der Künstlerin mit ihrer eigenen Biografie und dem immer wieder gerade im Alter auf- kommenden Bedürfnis sich zu erinnern. Da waren viele Brüche, durch die historischen und individuellen Umstände verursacht, aber auch die eigene Geradlinigkeit im Menschlichen sowie in der Kunst, die bis auf wenige Abstecher keine großen stilistischen Veränderungen nach sich zogen. Ihr eigener Realismus, gemischt mit einer tüchtigen Prise englischen Humor und einer eigenwilligen Orientierung am Surrealismus macht durch seine einfache, schnörkellose, fast spröde Bildsprache auf sich aufmerksam, die durchaus als eine eigene Stimme die Dresdner Malerei bereichert hat.

Bis 22. Februar, Galerie Drei, Prießnitzstraße 43, Di.-Fr. 14-18 Uhr, Sa. 11-15 Uhr, Kontakt: 0351/8 02 67 10.

www.sezession89.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.02.2014

Heinz Weißflog

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