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Malerei, Zeichnung und Druckgrafik von Angela Hampel in der Dresdner Galerie Mitte

Ausstellung Malerei, Zeichnung und Druckgrafik von Angela Hampel in der Dresdner Galerie Mitte

Angela Hampel zählt zu den bekanntesten Dresdner Künstlerinnen der Gegenwart. Für ihre jüngste Ausstellung in der Galerie Mitte hat sie sich dem Herzen als vielfältigem Symbol gewidmet – und auch den Herzensangelegenheiten.

Dresden. Mit dieser Ausstellung zieht die Dresdner Malerin/Grafikerin Angela Hampel Bilanz in „Herzenssachen“. Seit 1984 beschäftigt sie das Thema in ihrer Malerei und Grafik. Ein Blick in die jetzige Ausstellung der Galerie Mitte zeigt durchmischt und ohne Datierung, dass sich die Künstlerin in ihrer Thematik und in deren formalen Bewältigung treu geblieben ist. Die vielen über das Thema „Herz“ formulierten Sinnsprüche, geflügelten Worte, Werbeslogans und eine uralte Symbolik feiern in Hampels Ausstellung ihre Wiederkehr und Neubestimmung, indem die Künstlerin formal und auch inhaltlich das Thema immer wieder verfremdet. Das Herz wird zum Symbol, zum Liebes- und Zankapfel zwischen den Menschen, aber auch zum intimen und verborgenen Zeichen der Zuneigung und Aufopferung der Liebenden. So mag, angesichts von Angela Hampels Bildern, nur bedingungslose Liebe das bewirken, worum die Menschheit seit Jahrtausenden ringt: Eine bessere, humane Welt, die in vielen Visionen und Utopien auch in der Kunst entworfen wird.

Angela Hampel hat sich einen vorderen Platz in der Dresdner Künstlerschaft erarbeitet und ist für viele Dresdner Kunstfreunde ein Beispiel für eine tapfere Stimme im Kanon hiesiger Kunstausübung. In ihrem Werk verbindet sich eigenes Ringen und Schicksal mit dem Ganzen, den starken Strömungen des Zeitgeistes, dem sie zu widerstehen sich immer wieder anschickt. Deshalb kommt ihre Kunst auch nicht leicht und gefällig daher, ist aber auch nicht vergrübelt und verkompliziert, sondern eher direkt und unverstellt, beinahe brüsk.

Dieser angriffslustige Zug dem Biederen und Banalen gegenüber durchzieht auch die jetzige Ausstellung. Wer lädt schon so viel Sorge und Empathie um den Menschen in seine Kunst? Und horcht behutsam nach der Stimme von „Kassandra“, von der auch ein Stück in ihrem Herzen wohnt? Kunst machen heißt auch immer noch, Mitverantwortung zu tragen für das Ganze, dem gierigen Ego souveräne Weltweite und tolerante Menschenliebe entgegenzusetzen.

Angela Hampel verlangt sich das Äußerste ab, wie immer in ihrem Leben auch in der Kunst. Eine Serie von Tuschezeichnungen, Algrafien und Mischtechniken thematisiert das begierige Ringen um das eigene Leben, für welches das Herz hier steht, von Mund zu Mund lustvoll getragen und gehalten, aber auch zerrissen. Manche nehmen es behutsamer und scheinen zu unterliegen. Das Ringen zwischen Mann und Frau, das sich ganz am anderen verliert, ist die ewige Tragik zwischen den Liebenden. Die Gier, den anderen (mit Haut und Haar) zu besitzen, stellt sich bei Hampel in zahlreichen Bildern dar. Sie erzählt aber auch von Dichterinnen, die in ihrer Liebe konsequent, aber in ihrem Begehren unterlegen waren, wie in Hampels Serie zu Bettina von Arnim, die bereits in einer Ausstellung in Berlin zu sehen war (eine Mischtechnik mit dem Text aus einem Briefwechsel) oder in einer auf das Bild geschriebenen Gedichtzeile von Ingeborg Bachmann (eine Algrafie, in der Ausstellung als sopra porte).

Die früheste Arbeit von Angela Hampel ist „Dein ist mein ganzes Herz“ (eine stark farbige Mischtechnik, 1986), ein Schlüsselbild für ihre ganz den Herz-Mythen verpflichteten Gegenwartsgleichnisse. Geheimnisvolle Liebesspiele und Fantasien. Von ihr spannt sich die Bandbreite der Bildfindungen in der Ausstellung bis zur jüngst vollendeten Serie „Minotaurus“ mit der überarbeiteten Mischtechnik „Tränendes Herz“ sowie „Hasenherz“ (2016) zwei kraftvolle, aber auch nachdenkliche Hommagen an die körperliche Liebe und ihren Preis. Wildheit und ungestüme Liebe begegnen hier auch dem zärtlichen Werben und der Geborgenheit in der schützenden Umarmung des Geliebten. Hier wird ein altes Feuer entfacht, das durchaus in der kunstgeschichtlichen Nachfolge lodert und sich eigene Wege sucht und zur unverkennbaren Handschrift der Künstlerin gehört.

Zwei Arbeiten ließen mich auch ob ihres Titels aufhorchen und nachdenken: Die Tusche/Acrylbilder „Am seidenen Faden“: Ein Paar, das aus bocksbeinigem Satyr und einer Frau besteht, die sich aneinander klammern. In ihnen wird das Abgründige der körperlichen Liebe und das Verfallen an den Geliebten dargestellt. Sokrates paradoxer Ausspruch fiel mir angesichts der Unwägbarkeiten des Lebens und der durchlebten Leidenschaften des Einzelnen ein. Aber gleichzeitig auch moralische Mitverantwortung für das große Ganze: „An mir hängt die ganze Welt und ich am seidenen Faden“.

bis 5. März. Galerie Mitte, Striesener Sraße 49. Tel. 0351/ 459 00 52.
Die-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr.

Am 4. Februar, 19.30 Uhr, Lesung mit Kerstin Hensel aus ihrem Erzählband „Das Licht von Zauche“.

www.galerie-mitte.de

Die Kreative Werkstatt (Bürgerstraße 50) zeigt bis 21. Februar die Hampel-Ausstellung „Von Herz bis Schmerz“.

Von Heinz Weißflog

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