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Malerei, Collagen, Grafik und Keramik von Sabine Gumnitz in der Dresdner Galerie Mitte

Malerei, Collagen, Grafik und Keramik von Sabine Gumnitz in der Dresdner Galerie Mitte

In einer sehr gefühlvollen und vitalen Ausstellung der Galerie Mitte zeigt die Dresdner Malerin Sabine Gumnitz (geb. 1952 in Dresden) neue Arbeiten. Verblüffend ist die thematische und handwerkliche Vielseitigkeit der Künstlerin, die mit rund 70 Arbeiten einen Querschnitt ihres gegenwärtigen Schaffens präsentiert, ob als Acrylbild, Algrafie, Radierung, Kupferstich, Aquarell, Collage und bemalte Keramik.

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Sabine Gumnitz. Saxophonspieler. 2011. Acryl auf Leinwand. Repro: Heinz Weißflog

Das feinfühlige Herangehen an alltägliche Themen, die innere Teilnahme an der existentiellen Not anderer, verrät eine empfindsame Künstlerin mit einem feinen hintergründigen Humor. So schmückt die Einladungskarte zur Ausstellung, eine der vielen skurrilen Collagen, ein fein geschminkter trauriger Clown mit einer lustig abstehenden schwarzen Locke: eine Hommage auf die jüngst zu früh verstorbene Malerin Christiane Just.

Sabine Gumnitz liebt als Bildgrund für ihre mit Kreide überzeichneten Collagen farbige, meist ornamentierte Papiere, Einschlagbögen und Origamipapiere. Manchmal auch Glitzer aus Gemischtwarenhandlungen, vergilbte Blätter aus Herbstlaub sowie trockene Blüten von Blumen, die sie in ihren Collagen mit besonderer Einfallsreichheit verarbeitet. So flüchtig wie das Material auch ist, es gewinnt unter ihren Händen an Lebendigkeit und Seele, wie etwas Organisches. Ihr Vorsatz, das Zerstörerische von ihrem jeweiligen Kunstwerk fern zu halten, trägt "ungewohnte Früchte": Wenn es auch ferne Räume und Traumgestalten sind, die ihre "Fantasie" beflügeln, so vermeidet sie jene erzwungene Süßlichkeit dekorativer Wohnzimmerkultur, wie sie heute vielerorts üblich ist. Getragen von dem Gedanken, in ihrer Kunst "gut zu sein", erreicht sie eine ungewohnte Leichtigkeit, zu der sich immer ein Schmunzeln gesellt. Gut sein aber bedeutet für sie nicht, ihre Kompositionen in akkurater Schönheit zu bauen. Hier dominiert das Gefühl. Die Abweichungen von der visuellen Normierung bewirken jene besondere Ausstrahlung, wie sie der "Saxophonspieler" hat: Die Schönheit und Reinheit der Farben übermittelt etwas vom Klang einer ungespielten Musik, inmitten von Sternen, die sich nicht gleichen, deren Zacken immer ein wenig anders geklebt sind, in denen Leben steckt. Ein feines Ungleichgewicht macht die Anziehungskraft dieser Bilder aus, die schön sind, weil sie keine vollkommene Symmetrie haben.

Sabine Gumnitz absolvierte eine Lehre an der Porzellanmanufaktur Meißen. Dort hatte sie sich auf das indische Dekor spezialisiert und alle Methoden des Ornaments und der Flächenaufteilung gelernt, die ihr heute zugute kommen. Im Porträt schulte sie sich nach einer umfangreichen Ausbildung an der HfBK Dresden (bei den Professoren Jockusch, Kettner und Bondzin) schließlich selbst. Ihre Arbeit besteht in einer ornamentalen Strukturierung der Flächen, ohne Gefälligkeit. Dabei webt sie in ihre Fantasien Köpfe und Figuren von Gauklern, Marionetten, Harlekinen, Musikanten, Zauberern und Tänzern, von allerlei fahrendem Volk und Alltagszigeunern, deren bildliche Bewegtheit wie von einer temperamentvollen Klezmermusik erfüllt ist ("Hebräische Melodie"). Frivol dagegen "Eva und Adele" aus einer transsexuellen Welt, die ihre eigene Humorik bei gewagten Berührungen in sich tragen.

Ihre religiösen Themen überraschen durch den Zauber der weiblichen Gesichter, wie in der Kreidezeichnung "Die Heilige Dorothea" (eine der 14 Nothelferinnen), die auf dem anmutigem Kopf eine goldene Krone trägt. Ein Knabe überbringt ihr dankbar eine Schale mit süßen Früchten, ganz wie es die Ikonografie berichtet. In kleinen Tafelbildern von expressiver Ausstrahlung gestaltet sie Fantasie-Porträts, denen sie Namen von Freunden und Bekannten gibt.

In ihren zahlreichen kleinformatigen Collagen verarbeitet sie verschieden farbige Papiere und zeichnet hinein. Manche von ihnen ist von einer chinoisen Schriftleiste umrandet (dabei zahlten sich die von ihr oft besuchten Lehrgänge in Kalligrafie aus). Abstraktes, kubische Schnittformen und Florales gehen mit Figürlichem Hand in Hand, immer in einer besonderen Weise der Verzierung. Ihre Kalenderblätter erzählen von den Wünschen der Frauen in einer seltsamen figürlichen Allegorie. Drei Arbeiten fallen besonders auf: "Turkish Eye" (Tusche, 2005), "Tanzende Türkin" (Mischtechnik, 2005) und "Bauchtänzerin mit Schwert" (Acryl, 2010) tragen wie auch die anderen vom Orient beeinflussten Bilder eine Hauch Exotik in sich, vielfarbig und erotisch gestimmt.

Bis 16. Juni. Galerie Mitte, Striesener Straße 49. Tel 0351/459 00 52. Die-Fr 15-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr.

www.galerie-mitte.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.06.2012

Heinz Weißflog

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