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Märchenreigen als Opernspaß im HfBK-Labortheater

Froschkönig trifft Gemüsearistokrat Märchenreigen als Opernspaß im HfBK-Labortheater

Es ist tatsächlich ein bisschen wie im Märchenbuch: Prinzessinnen, Gnome, geheimnisvolle Wichte, Zwerge, ein Froschkönig und ein flotter Prinz huschen über die Bühne im Labortheater der Dresdner Hochschule für Bildende Künste (HfBK).

Dresden. Es ist tatsächlich ein bisschen wie im Märchenbuch: Prinzessinnen, Gnome, geheimnisvolle Wichte, Zwerge, ein Froschkönig und ein flotter Prinz huschen über die Bühne im Labortheater der Dresdner Hochschule für Bildende Künste (HfBK). Kaum ist eine Geschichte verklungen, beginnt auch schon die nächste. Studenten des Fachbereichs Schulmusik der Hochschule für Musik (HfM) erzählen hier eine kurzweilige Stunde lang die Märchen "Die Königsbraut - Das Hausgesinde - Der Froschkönig" in Form von drei Kurzopern.

Entstanden ist die Kooperationsarbeit mit der HfBK, nachdem die Schulmusiker im vergangenen Jahr schon Boris Blachers Kammeroper "Die Flut" im engen Foyer des Kraftwerks Mitte in Szene setzten. Sie sicherten sich damit nicht nur die erste Musiktheateraufführung am künftigen Kulturknotenpunkt der Stadt, sondern bewiesen zudem ein sicheres Gespür für Stoff und Inszenierung. In diesem Jahr nun ist das Projekt deutlich größer, aufwendiger, noch bunter geraten: Es gibt ein Orchester, einen Chor (Leitung: Maximilian Nicolai und Samira Nasser) und ein aufwändiges Bühnen- und Kostümbild (Antonia Kamp und Klara Lyssy). In Eigenregie haben die Studenten die drei Märchen - "Froschkönig" und "Hausgesinde" stammen aus den Sammlungen der Gebrüder Grimm, "Die Königsbraut ist ein Kunstmärchen aus der Feder E.T.A. Hoffmanns - in bühnentaugliche Libretti verpackt, Kompositionen dazu geschrieben und deuten sogar eine latente Verbindung der drei Stoffe an: Schließlich geht es in Märchen immer auch um Macht, sei sie nun magischer, mystischer oder weltlicher Natur.

Die Aufführung lebt von der Unbefangenheit, der sprudelnden Spielfreude des jungen Ensembles aus etwa 15 Sängern. Auch ohne szenische Ausbildung würzen sie "ihr" Stück mit pfiffiger Präsenz und singen souverän, vor allem aber gut verständlich. Da ist nichts künstlich oder unausgewogen, keine Idee wird überstrapaziert. Susanne Hardt und Maximilian Nicolai geben ihren Kompositionen teils einen volksliedhaften Ton, ihre Musik illustriert, treibt im richtigen Moment die Handlung voran und beschreibt so farbig wie die Buchstaben im Märchenbuch. Das Bühnenbild aus einem ausladenden weißen Stufenpodest mit ebenso weißen Wänden lässt sich dank Videoprojektion scheinbar von magischer Märchenhand in verschiedene Umgebungen - vom Schloss bis hin zu Gruselwald und Froschgrotte - verwandeln. Clever.

Für die Regie zeichnen Benjamin Hecht und Clemens Weichard verantwortlich, als Dramaturg hat sie zudem Christoph Grusenick unterstützt. Ihre Inszenierung setzt nicht auf die bloße Aufführung und Mischung bekannter und weniger bekannter Märchenstoffe, sondern spielt mit typischen Attributen, überzeichnet und parodiert - rückt die Geschichten somit auch in ein neues Licht: Die Prinzessin aus dem "Froschkönig" etwa ist nicht nur verwöhnt, sondern ein überdrehtes Mädchenungeheuer (Sinah Seim Olesch), das dem Frosch (Marie Flämig) das Fürchten lehrt. Das riesige Wichtelaufgebot, das die Geschichte am Rande kommentiert, ist witzig, ein bunter Höhepunkt des Abends. Zuvor führt "Die Königsbraut" sachte in die Welt der Illusion und den mystischen Wald des bösen Gemüsekönigs Daucus Carota (Christiane Thamm) ein, der das schöne Ännchen (Viola Michalski) freien will. Nur "Das Hausgesinde" ist eigentlich kein Märchen, sondern eher ein Frage-Antwort-Spiel, ähnlich dem, das wir als "Ich packe meinen Koffer-", kennen. Als eine Art Intermezzo steht es zwischen den anderen beiden Märchen. In Reimen statt Musik zeigt es den nervösen Ausdruck eines irritierten Ichs, einer Frau und ihres Schattens. Annina Battaglia und Britta Göbbel gelingt es dabei wunderbar, auch mit Sprache Spannung aufzubauen. Die Musik driftet kurz ins groovende Jazzmetier ab. Ein Zeichen dafür, dass Begriffe verschwimmen, sich Bedeutsamkeiten verselbstständigen, die Märchen allmählich ein Eigenleben entwickeln - und schon liegt der Student Amandus (Alexander Bischoff) aus Hoffmanns "Königsbraut" zu Füßen der verrückten Prinzessin aus Grimms "Froschkönig". So schließt sich der Kreis und auch das opernhafte Märchenbuch im Labortheater.

Nicole Czerwinka

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