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Märchen-Klassiker im Theater Wechselbad in Dresden

Märchen-Klassiker im Theater Wechselbad in Dresden

Ein Theaterabend für die ganze Familie, das ist der Anspruch. Die Zutaten sind der bekannte Märchenstoff, gewoben aus Arroganz, königlichen Erziehungsfehlern, Selbstüberschätzung, Mut und Liebe.

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Der in einen Bären verwandelte Prinz kämpft um die Liebe der arroganten Prinzessin Tausendschön.

Quelle: Robert Jentzsch

Das letztere am Ende siegen muss, das ist klar. Der Weg, den Regisseur Olaf Becker bis zum Finale wählt, entscheidet über das Gelingen der Reise. Wird es ein kurzweiliger Abend, der die Augen der Kinder zum Leuchten bringt, die Erwachsenen lachen lässt, oder bleiben die Überraschungen aus? Olaf Becker und seine Crew griffen mehrfach tief in die Trickkiste und wandelten sicher abseits aller Holzwege, das ist das Resümee nach der Premiere des Märchenklassikers "Das singende, klingende Bäumchen".

Auf zwei Ebenen wurde im Wechselbad der Kontakt zum Publikum gesucht. Einmal, indem der Hofmarschall, gespielt von Hans-Georg Pachmann, auf der Bühne in seiner fest definierten Rolle agierte und andererseits die Rolle des Erzählers, Plauderers, Animateurs übernahm und als Conférencier auftrat. Im vollen Kostüm mit Hut war er im Märchen unterwegs, ohne der Mittler zwischen Traum und Wirklichkeit. Also Hut auf, Hut ab - und der elegante Sprung war vollzogen. In der einen Welt glänzte der gebürtige Thüringer mit frechen Sprüchen: "Na, noch mal beim Friseur gewesen? Sie auch, leider nicht dran gekommen, oder? Und hier, den guten Anzug rausgeholt? Ja, so einen hatte mein Vater auch." Auf der Bühne war er der ernsthafte Mime, der den freienden Prinzen in Empfang nahm, als er auf die Bühne geritten kam, auf einem Pferd. Ein schöner Hingucker, das Kostüm für zwei ist vortrefflich gelungen und hat nichts zu tun mit einer tierischen Theaterkonstruktion, sondern passt gut in die Vorlagen der Evolution.

Der Hofmarschall vermittelt auch zwischen Prinz und Prinzessin, zwischen Publikum und Schauspielern. Kein leichtes Unterfangen, immer daran zu denken, in welcher Ebene der Akteur gerade auftaucht, aber einer der schönsten Einfälle, um einen zweiten Handlungsstrang aufzumachen, ohne das Märchengerüst zu gefährden. Selbst eine gewisse Form der Interaktion mit dem Publikum war über eine Schachtel Pralinen möglich, aus der sich der Hofmarschall immer wieder bediente, um den Sprung zu signalisieren. Was den Rest des Märchens angeht, blieb die Theaterfassung dicht an der Filmvorlage.

Vielen dürfte der DEFA-Märchenfilm von Francesco Stefani noch ganz gut in Erinnerung sein, auch wenn dieser bereit aus dem Jahre 1957 stammt, so zählt er doch immer noch zu einem der beliebtesten Werke. Nicht unbegründet, denn im Film geht es für heutige Verhältnisse gut minimalistisch zu, ist die Zahl der Protagonisten übersichtlich, das Bühnenbild nicht zu ausufernd und sind die Dialoge gut ausgearbeitet. Gleiches gilt für die Bühnenfassung, kaum Schnickschnack, einige auffällige Details wie beispielsweise eine geglückte Vorhangmalerei, das bereits erwähnte Pferd oder die Krone des Königs, die ihm eine gewisse Größe schenkte, ohne zu erdrücken - ansonsten liegt das Augenmerk auf der Märchenaussage: Vertrau der Liebe, sie siegt über die Mächte des Bösen. Selbst wenn der Herrscher des Bösen, der Zwerg und Intrigant, sich der Liebe in den Weg stellt, er hat keine Chance, das Glück ist auf der Seite der Glücklichen. Bei allen Parallelen ist das Theaterstück doch keine Kopie, auch wenn der Fisch, den die Prinzessin aus dem Eis hackt, irgendwie schon mal da war und das Kostüm der Wache dem Filmfundus hätte entnommen sein können - auf der Bühne kommt Musik ins Spiel.

Die Kompositionen stammen aus der Feder von Andreas Goldmann und sollen dem Märchen einen modernen Anstrich geben. Die verarbeiteten Songs ruhen auf elektronischen Einfällen und sind recht vielschichtig konstruiert, bisweilen vergleichbar mit dem, was Reinhard Lakomy dem Traumzauberbaum einst ins Holz schnitzte, aber dann doch wieder nicht ganz so pointiert. Was aber viel wichtiger ist, die Lieder haben ihre Bedeutung, sie heben den Inhalt auf eine emotionale Ebene und lockern auf. So entsteht tatsächlich ein Theaterabend für die ganze Familie, an dessen Ende gut mitgeklatscht werden kann. Aus der verzogenen Prinzessin Tausendschön ist eine einfühlsame junge Frau geworden, der Prinz hat den bösen Zauber überlebt, der Zwerg tanzt in der Mitte der Gesellschaft, nicht verdammt, sondern einsichtig, und das Bäumchen singt und klingt - Happy End im Märchenland.

"Das singende, klingende Bäumchen" im Theater Wechselbad am 4.12. (19.30 Uhr) sowie am 5. und 6.12. (20 Uhr) Weitere Termine unter www.theater-wechselbad.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.11.2013

Stephan Wiegand

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