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Männlich, 40, im Beziehungsdialog: Premiere im Societaetstheater Dresden

Männlich, 40, im Beziehungsdialog: Premiere im Societaetstheater Dresden

"Männergespräche haben einen schlechten Ruf. Zu wortarm, zu themenarm, zu gedankenarm, zu gefühlsarm. Alles arm." Sätze, die ein wenig platt daherkommen, aber vielleicht auch ein Körnchen Wahrheit beinhalten.

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Philipp Otto (l.) und Tom Mikulla.

Quelle: Detlef Ulbrich

So in etwa lässt sich auch das Buch beschreiben, aus dem diese Sätze stammen, "Sprechende Männer" von Jochen-Martin Gutsch und Maxim Leo. Ein Zwiegespräch zwischen zwei Männern, die um die 40 Jahre alt sind, im Ostberliner Stadtteil Karlshorst aufwuchsen und denselben Beruf ergriffen haben: Journalist bei der Berliner Zeitung. Regisseur Thomas Stecher und die Schauspieler Philipp Otto und Tom Mikulla haben den Stoff im Societaetstheater auf die Bühne gebracht.

"Das längste Männergespräch der Welt. Total offen, intim, ehrlich. Ohne Tabus." So wünscht sich der Verlagsmann im Buch das Ergebnis des Dialogs. Gutsch und Leo haben dafür strenge Regeln formuliert. Zwei Monate haben sie sich nur per E-Mail unterhalten, damit jeder Gedanke aufgeschrieben wird. Alles sollte veröffentlicht und jede einmal gestellte Frage beantwortet werden. Dieser Versuchsaufbau lässt sich auf der Bühne nur schwer umsetzen. Deshalb bewegen sich Philipp Otto und Tom Mikulla auf Bürostühlen durch eine von Tom Böhm gestaltete, sehr maskuline Barszenerie: Gleich vier Türen gehen vom Bühnenraum ab, und sie alle sind mit dem Piktogramm für eine Herrentoilette gekennzeichnet.

Thomas Stecher verlegt das lange Männergespräch vom Computerbildschirm also an die Theke. Das ist so stimmig, wie es klischeebeladen ist: Männer machen den ganzen Tag den Mund nicht auf, aber feierabends auf dem Barhocker angekommen, klagen sie sich gegenseitig ihr Leid. Es geht dabei um die Midlife-Crisis, um beider Vaterbild und ihr Männlichsein, aber vor allem natürlich um Frauen - was sonst? Im Buch wie auf der Bühne wird das zum Spiel der Gegensätze. Der eine, gespielt von Tom Mikulla, ist Familienvater, seit 17 Jahren mit seiner Traumfrau Catherine verheiratet. Der andere, dargestellt von Philipp Otto, ist ein überzeugter Single, dessen letzte Beziehung vor zehn Jahren in die Brüche ging. Obwohl, Single möchte er gar nicht genannt werden, schließlich schwingen da "80 Prozent Verzweiflung" mit.

Es treffen männliche Archetypen des Beziehungslebens aufeinander, die für sich genommen wenig überraschen können. Natürlich gibt der Single-Mann den Ungezwungenen, der sein Loblied auf die Unwägbarkeiten des Lebens und seine persönliche Freiheit singt. Er lebt in der typisch karg eingerichteten Männerwohnung und wenn er es wollte, könnte er all sein Hab und Gut in zwei Stunden verschiffen, meint er. Nichts hält mich, soll das heißen. "Mein festgezurrtes Leben gibt mir Sicherheit", lautet der Gegenentwurf des Familienvaters. Von der Suche nach dem Sinn des Lebens sei er befreit. Auch eine Art Freiheit.

Erst die Neugier, mit der sich beide Männer "in der Mitte ihres Lebens" begegnen, bringt Würze in das Spiel. Wie datet man im Internet, fragt der Ehemann und giert nach schmutzigen Details. Die der Alleinlebende nicht so leicht herausposaunen will und stattdessen fragt, wie es sich mit dem Wissen leben lässt, bis an sein Lebensende nur mit einer Frau schlafen zu dürfen. Eine Frage übrigens, bei der beide Männer auf gleiche Weise das Gesicht verziehen. "Monogamie ist Angstbild, die Kehrseite der Liebe", holt der Single mit dem Holzhammer aus. Auch das ist Denkschablone, die aber an den Rändern ausfasert: Nichts habe ihm so sehr weh getan wie die letzte Freundin, die ihn betrogen habe. Das lässt tiefer blicken als vieles an diesem Dialog, der doch eigentlich vielmehr ein geschicktes Arrangement vieler kleiner Monologe ist. Man muss allerdings sehr gründlich nach diesen Gucklöchern in die Abgründe männlichen Empfindens suchen, wenn man das überhaupt will.

Denn eigentlich schürft das Stück nicht allzu tief, ist dabei aber ziemlich unterhaltsam. Wer zusieht, kann auch ohne großes Nachdenken an der Oberfläche mitschwimmen und hat trotzdem seinen Spaß. Das hat vor allem mit den witzigen Wendungen und der geschliffenen Sprache zu tun, in der die beiden E-Mail-Schreiber sich ausgetauscht haben. Die Schauspieler Otto und Mikulla tun mit ihrem lässigen Spiel das ihrige dazu. Man sieht ihnen gerne zu, wie sich äußern - bekommt, und das ergibt sich offenbar aus dem Text, allerdings immer nur die Ergebnisse ihrer Sinnsuche präsentiert. An sich zweifeln oder grübeln sieht man sie nicht. Auch daraus speist sich der heitere Ton des Stücks, der der Inszenierung viele Lacher aus dem Publikum und einen langen, wohlmeinenden Applaus beschert.

Aufführungen: 8. März und 6. April, Societaetstheater, Karten 14, erm. 10 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.03.2013

Uwe Hofmann

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