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Madsen mit neuen Album „Kompass“ in Dresdens Altem Schlachthof

Konzert Madsen mit neuen Album „Kompass“ in Dresdens Altem Schlachthof

Mit Treuepunkten zum Erfolg und trotzdem weiterentwickelt: Das schlägt den Bogen um das musikalische Phänomen Madsen, die mehr sind als funktionierende Gute-Laune-Band.

Volle Kraft voraus mit Madsen im Schlachthof.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Sie können feiern, sie haben ihren eigenen Stil und sie stehen bei den Fans hoch im Kurs. Madsen sind heute mehr als eine funktionierende Gute-Laune-Band. Aber sie sind auch das und Musiker mit einem eigenen Kopf. Gerade diese Mischung sicherte ihnen ein fasziniertes und feierwilliges Publikum im Alten Schlachthof. Dabei hat das Sextett sich step by step in die Herzen ihrer Fans gespielt. Noch vor einigen Jahren standen Madsen auf einer kleinen Indiebühne vor zwei-, dreihundert Leuten. Ihr Aushängeschild damals waren deutsche Texte, wenig musikalischer Firlefanz und ein unverkrampfter Umgang mit den Menschen zu ihren Füßen. Genau das war auch der Erfolgsgarant. Ausdauernd tourten Madsen kreuz und quer durch die Republik, ließen kaum eines der großen Festivals aus und lebten ihren Traum von Musik. Heute sind Madsen zwar erwachsen geworden, haben allerdings nichts von ihrer Spontaneität versenkt. Das zeigt einerseits, dass man auch mit diesen Treuepunkten zum Erfolg kommen und sich andererseits trotzdem entwickeln kann.

Ihr aktuelles Album „Kompass“,das die Frühjahrestour rechtfertigt, wird allen Kritikererwartungen gerecht. Die Band setzt genau auf die Attribute, mit denen die Musiker groß beziehungsweise erfolgreich geworden sind, aber trotzdem klingt die Band neu. Gerade live schlagen Madsen härtere Töne an. Die Band bewegt sich bemerkenswert kraftvoll hin zum ersten „Sirenen“- Refrain. Ja, das ist der richtige Ansatz, um etwas zu bewegen, und wenn es auch nicht die Welt ist, die aus den Fugen gerät. So taugt die Musik doch dazu, die Fans in Fahrt zu bringen. Und wer der Meinung ist, die Jugend von heute wäre komplett übersättigt mit musikalischem Einheitsbrei aus der Retorte, der bekommt über weite Strecken des Konzerts ein ganz anderes Bild vor Augen geführt. Teens und Twens, die sich nicht zu schade sind, jeden Text mitzusingen, ob unter dem Etikett „Kompass“ in Umlauf gebracht oder bereits zehn Jahre auf Tour mit dabei. Es spielt kaum eine Rolle, welches Stück angespielt wird, Madsen werden gefeiert. Und vielen geht es gerade um die Texte, wie beispielsweise „Vielleicht“: gar nicht mal so poetisch angelegt, aber oder gerade deshalb wird damit eine ganz offensichtliche Gefühlslage angesprochen. Zwischen Unsicherheit und Hoffnung, zwischen Ende und Neuanfang, zwischen Freiheit und engen Räumen. Und in gewisser Weise macht es genau in solchen Momenten tatsächlich Spaß, die Band zu beobachten, wie sie sich langsam von Strophe zu Strophe hangelt, wie sie von hunderten Stimmen getragen wird, ihren Rhythmus sucht und ziemlich treffend am Ende Musik und Text findet.

Es kommt in diesen Momenten auch gar nicht darauf an, dass der etwas ungeschliffenen Musik kein stimmliches Pendant aufgesetzt wird, sondern immer wieder lässt sich die Band auf die Stimme von Sebastian Madsen ein. Es unterläuft so auch nicht der Fehler, dass Sänger und Band auf der Jagd nach Erfolg in den Vordergrund drängen. Und selbst wenn die Musik heute etwas mehr an Fahrt aufnimmt, passen die Songideen gut zueinander. Einzig in dem Moment, in dem Lisa Nicklisch ihren Platz hinterm Keyboard verließ und nach vorn ins Rampenlicht trat, war die Symbiose von Wort und Musik für einen Moment gestört, denn ihre Stimme war technisch derartig ins Abseits geregelt, dass es kaum mehr möglich war, die Positionslichter des durchaus an Größe gewonnen Kahns zu erkennen. Ein ähnliches Phänomen trat auf, wenn der Sänger seinen Brüdern das Wort überließ, aber da war mehr die Geschwistershow gefragt als musikalischer Tiefgang, deshalb hält sich in dem Zusammenhang die Kritik in Grenzen.

Unterm Strich bleibt aber festzuhalten, Madsen haben sich angeschickt, einen neuen Achtungserfolg zu platzieren. Ihre Fans nahmen den „Kompass“ gern zur Hand, lauschten andächtig dem schrillen Ton der „Sirenen“ und warteten geduldig, wenn es hieß: „Ich trink nur eben aus“. Madsen wissen, wie es sich anhört, wenn sie nach „Perfektion“ suchen und gestehen müssen „Mein Herz bleibt hier“. Sie haben die Farbe gewechselt, ihr Schülerbandimage ist nahezu übertüncht – aber ihre Nähe zu den Fans ist geblieben.

Von Stephan Wiegand

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