Volltextsuche über das Angebot:

14 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Madsen begeisterten im Schlachthof

Madsen begeisterten im Schlachthof

Nicht sonderlich lyrisch, nicht die ganz große Weisheit, mehr eine Phrase und wenn, dann überhaupt eine Binsenweisheit, die allerdings ganz gut beschreibt, wie einfach Madsen mit ihrem Publikum spielen können.

Voriger Artikel
Der "Felix Krull"-Stoff Thomas Manns als Einakter im Societaetstheater
Nächster Artikel
Lena Meyer-Landrut kommt nach Dresden: Vorverkauf startet am Donnerstag

Sebastian Madsen nicht nur mit Mikro, sondern auch äußerst weiblichen Sympathiebekundungen in der Hand.

Quelle: Patrick Johannsen

Die drei Geschwister Johannes, Sascha und Sebastian firmieren seit etwa acht Jahren unter ihrem Familiennamen Madsen und sind angetreten, um vom Wendland aus ihre Sicht auf die Musik breit zu tragen. Jeder, der diesen Landstrich geografisch zuordnen kann, hat kaum ausreichend Fantasie, um sich vorzustellen, mit welcher Musik diese Region wohl besonders um Aufmerksamkeit buhlt. Naheliegend wären möglicherweise Protestsongs der Kernenergiegegner, die sich immer wieder im Landkreis Lüchow-Dannenberg einfinden, um gegen das Einlagern von Brennelementen in Gorleben ihre Stimme zu erheben.

Gar nicht so falsch, Madsen stehen für Protestsongs 2.0 - mit durchaus modernen Stücken, die tatsächlich noch heute eine Art Kritik an dem Transport hochradioaktiver Abfälle ins Zwischenlager nach Gorleben sind. Eine Eigenheit, die sich Madsen bis heute bewahrt haben, beispielsweise mit dem Titel "Alarm im Paradies" auf der aktuellen Platte. Fast schon bedrohlich, gewaltig im Ausdruck und aufbrausend werden Töne angeschlagen, die genau zu den Gefühlen passen, die in Nachbarschaft des Atommülls aufkommen. Auf dieses Musikbett wird enthusiastisch getextet: "Paranoia überall, gleich kommt der nächste Knall ... wohin sollen wir noch fliehen, wenn es nichts mehr gibt" - ein schönes Beispiel dafür, was in der Musik auch abseits eingängiger Lovesongs alles möglich ist. Das Stück ist auch ein vortreffliches Aushängeschild für Madsen, deren Popularität in den Medien immer weiter wächst, die ihre Musik mittlerweile völlig selbstverständlich in Fernsehshows präsentieren und sich eine stetig wachsende Fangemeinde erspielt haben.

Nach Konzerten in kleineren Sälen wie dem Starclub in Dresden war am Samstag nun der Schlachthof rappelvoll und brütend warm, eine schweißtreibende Angelegenheit für die Musiker und das Publikum vor der Bühne. Immer wieder reagierten die Leute mit einer einfachen Choreographie auf die einzelnen Stücke, schwenkten Arme und Hüften oder formierten sich zu einem rotierenden Kreis. Der sogenannte Circle ist so etwas wie der Ausdruckstanz der Hardcorefans. Zu Füßen von Madsen passte diese Bewegungsabfolge sicherlich nicht auf den ersten Blick, verdeutlichte aber das Engagement des Quartetts, das gemeinsam mit ihrer Keyboarderin Lisa Nicklisch auf Tour ist. Die feminine Ergänzung stand zumindest einmal im Vordergrund, als sich Madsen anschickte, ihre neue Ballade zu intonieren, "So cool bist du nicht" - quasi das Kontrastprogramm zum Rest der Show.

In den anderthalb Stunden ihres regulären Programms schraubten Madsen beachtlich an der Geschwindig- keit, legten sich auf geradlinige Instrumentenanordnung fest und verdeutlichten, dass sie dem Newcomer- image entwachsen sind. Was bei die- ser immer noch jungen Band etwas fehlt, ist das nötige Charisma, mit dem man noch deutlicher auf Distanz ge- hen könnte zu ähnlich ambitionierten Deutschrockbands, die sich gern von ihrer wilden Seite zeigen. Um auch ohne Seitenanschlag und Verstärkern unter der Stimme unüberhörbare Achtungssignale zu setzen, bedarf es noch etwas mehr Erfahrung, aber der eingeschlagene Weg konnte über weite Strecken heute schon besser überzeugen, als das bei früheren Konzerten noch der Fall war, bis zum Schluss. Immerhin sollte da noch der Hit kommen, so war es zu erwarten und so sollte es sein: "Lass die Musik an"!

Die erfolgreich in den Charts posi- tionierte Single war der Rausschmei- ßer vor den Zugaben, ein Stück, das nicht zeigt, "Wo es beginnt", sondern wo es hingehen kann, wenn Madsen wieder nach Dresden kommen - die Fans warten schon.

Stephan Wiegand

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.10.2012

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr