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"Madame empfiehlt sich": Catherine Deneuve ist am Freitag in Dresden, ihr neuer Film bald im Kino

"Madame empfiehlt sich": Catherine Deneuve ist am Freitag in Dresden, ihr neuer Film bald im Kino

Wenn eine Frau das europäische Kino verkörpert, dann sie: Catherine Deneuve. Filmklassiker wie "Ekel" (1965), "Belle de Jour" (1967), "Die letzte Metro" (1980), "Indochine" (1992) oder "8 Frauen" (2002) hat sie gedreht.

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Catherine Deneuve spielt in "Madame empfiehlt sich" eine Restaurantbesitzerin, die nur mal eben zum Rauchen rausgeht und dann nie wieder zurückkehrt. Am 13. Februar läuft der Film in den Kinos an.

Quelle: PR

70 Jahre ist die Französin mittlerweile alt, kinomüde ist sie keinesfalls: Am 13. Februar läuft ihr neuer Film "Madame empfiehlt sich" an. Und an diesem Freitag kommt sie zum Semperopernball nach Dresden. Stefan Stosch sprach mit ihr über ihren neuen Film.

Frage: Madame Deneuve, in Ihrem neuen Film "Madame empfiehlt sich" spielen Sie eine bretonische Restaurantbesitzerin, die mal eben raus zum Rauchen geht und dann nicht mehr zurückkehrt. Jetzt haben Sie schon wieder eine Zigarette in der Hand. Rauchen Sie immer und überall?

Catherine Deneuve: Nein, hier im Hotel nur in meinem Zimmer, sonst darf ich das nicht. Aber damit komme ich schon klar. Übrigens habe in dem Film auch gar nicht so viel geraucht, immer nur ein paar Züge.

Sie sind in einem Alter, in dem Sie mit sogenannten "Lifetime Achievements" rechnen müssen. Gerade haben Sie den Europäischen Filmpreis fürs Lebenswerk erhalten. Eine große Ehre?

Das ist keine besonders schöne Bezeichnung: Nichts ist erreicht, ich bin noch am Leben - passt also beides nicht so gut. Aber, klar, es ist eine Würdigung dessen, was man über so lange Zeit getan hat. So ein Preis klingt immer ein bisschen gefährlich, aber ich werde gewiss auch künftig Filme drehen.

Keine Lust, in Rente zu gehen?

Nicht mehr zu arbeiten: Das kann ich mir vorstellen. Keine Filme mehr zu drehen: nein. Vor der Kamera zu stehen ist Teil meines Lebens. Filmen ist doch keine Arbeit.

Welcher Schauspieler-Traum hat sich für Sie nicht erfüllt in Ihrer langen Karriere?

Ich hatte als junge Darstellerin gar keine Träume. Bevor ich mit Jacques Demy 1964 "Die Regenschirme von Cherbourg" drehte, war ich mir nicht einmal sicher, ob ich Schauspielerin bin. Und dann war da 1967 noch der Unfalltod meiner Schwester Françoise, der mich schwer getroffen hat.

Wieso war Demy so wichtig?

Ich hatte wenig Erfahrung. Und dann kam plötzlich vieles zusammen: Es war ein Musical, alles war unglaublich. Er hat mir gezeigt, wie ein Regisseur mit Schauspielern arbeiten kann. Mir war damals klar, dass nicht jeder Film wie dieser sein würde. Aber von da an hatte ich einen anderen Zugang zum Kino.

Welcher Filmemacher haben Ihr Leben noch verändert - Luis Buñuel vielleicht?

Die Zusammenarbeit bei "Belle de Jour" war toll. Buñuel war anarchisch, subversiv, voller Humor. Aber er hat mein Leben nicht verändert.

Ein Werk, das aus Ihrer Filmografie heraussticht, ist das "Musical "Dancer in the Dark": Wie sind Sie an Skandal-Regisseur von Trier plus Björk geraten?

Lars von Trier und ich wollten schon zuvor ein Projekt umsetzen, aus dem dann nichts wurde. Dann kam das Musical mit Björk. Die Sache war von Beginn an kompliziert und wurde immer komplizierter.

Wieso?

Björk wollte gar nicht wirklich als Schauspielerin dabei sein, nur als Sängerin. Sie hatte ein Jahr an Songs und Musik gearbeitet. Von Trier sagte kurzerhand, dann würde er das Projekt abblasen. Die Rolle war für Björk mit viel Leid und Schmerz verbunden. Sie war es gewohnt, alles zu kontrollieren. Und das funktioniert im Film nicht.

Warum, glauben Sie, wollen alle Schauspielerinnen mit Lars von Trier arbeiten, wenn das so anstrengend ist - siehe aktuell Charlotte Gainsbourg in "Nymphomaniac"?

Menschen sind Masochisten. Und von Triers Filme sind interessanter als viele andere. Da ist es vielleicht besser, mit von Trier zu leiden als mit anderen.

Warum sind Sie nie nach Hollywood gegangen?

Um ehrlich zu sein: Es gab nie besonders interessante Angebote.

Wie lebt es sich heute als Kinostar in Frankreich?

Die Leute bleiben nicht stehen und starren mich an - oder nur selten. Ich muss mich nicht in meinem Apartment verstecken. Ich gebe auf der Straße das ein oder andere Autogramm, und das ist es. Das ist nun wirklich erträglich.

Was fasziniert Sie nach all den Erfolgen noch am Kino? Es ist bestimmt kein Vergnügen, den ganzen Nachmittag mit Journalisten zusammenzuhocken.

Da stimme ich Ihnen zu.

Sehen Sie.

Diesen Teil der Arbeit schätze ich tatsächlich nicht besonders. Ich will Filme machen. Das ist keine Arbeit, alles andere ist Arbeit.

Wie weit kann eine Schauspielerin im Kinogeschäft Ihre Karriere selbst steuern?

Manche Schauspielerinnen versuchen, die Dinge voranzutreiben, kaufen Rechte von Drehbüchern und Romanen. Ich habe meine Agentur und orientiere mich zuerst am Skript. Ich laufe nicht auf einen Regisseur zu und sage ihm, mit Ihnen möchte ich mal arbeiten. So einfach ist das nicht.

Gehen Sie ins Kino?

Gerne! Ich schaue mir alles an, egal ob amerikanische oder koreanische Filme. Meistens allerdings Autorenfilme. Die Liebesgeschichte "Blau ist eine warme Farbe" habe ich kürzlich gesehen, ein wirklich kraftvoller Film. Unter den jüngeren Darstellerinnen mag ich Jennifer Lawrence, wenn auch nicht unbedingt "Die Hungerspiele", das ist nicht meine Art von Kino.

Schauen Sie sich Ihr eigenen Filme an?

Ich habe sie alle auf DVD, aber ich habe nicht die Zeit dazu.

Was halten Sie vom heutigen Schönheitsideal?

Der Jugendkult grassiert, besonders in den USA: Schauspielerinnen und Models werden immer jünger. Aber natürlich kann eine Frau auch noch mit 45 oder 50 schön sein.

Was ist Ihr Geheimnis für Schönheit?

Ich habe keines. Ich habe nur immer gut auf mich aufgepasst, das muss man in meinem Beruf. Ich kann nicht einfach losziehen mit meinen Freunden, sondern muss auf mein Äußeres achten. Das ist in all den Jahren zum Reflex geworden.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.02.2014

Stefan Stosch

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