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Lyrisch: Ute Selbig als Agathe im neuen "Freischütz"

Lyrisch: Ute Selbig als Agathe im neuen "Freischütz"

Es sollte ihre Premiere sein. Für die Aufführung am 19. Mai war die Dresdner Sängerin Ute Selbig, langjähriges Ensemblemitglied der Sächsischen Staatsoper, als Agathe angekündigt.

Dann kam alles anders. Die für die Premiere und weitere fünf Vorstellungen eingekaufte Sängerin Sara Jakubiak erschien nicht zur Vorstellung am 11. Mai. Sie hatte einen Termin verwechselt, und so "rettete" Ute Selbig diese Vorstellung, wie man hörte, mit Bravour.

Nach einer solchen, ungewöhnlichen Generalprobe jetzt ihre "richtige" Premiere. Ute Selbig verzauberte das Publikum mit schönster Gesangskunst, sie überzeugte mit charaktervollem, angemessenem Spiel und setzte Maßstäbe in der Art, wie man Dialoge nicht zu Unterbrechungen des musikalischen Flusses werden lässt. Ob in der ersten großen Arie, "Wie nahte mir der Schlummer...leise, leise, fromme Weise!" oder später in der Kavatine "Und ob die Wolke sie verhülle", hier war jeweils lyrischer Gesang zu vernehmen, wie man ihn aus besten Dresdner Traditionen kennt. Und auch die dramatischeren Passagen, im Jubelton der Vorfreude zum Finale der ersten Arie, bleiben im Maß des melodischen Gesanges.

Die Sängerin ist bestens vertraut mit den akustischen Bedingungen der Semperoper, sie kann Passagen im feinsten Piano zum Klingen bringen, sie kann auch im stärkeren Ausbruch der Emotionen hörbar machen, dass dies Facetten ihrer generellen lyrischen Grundierung der Partie sind. Da kommt eben zusammen, was zusammengehört, Strauss'scher Silberklang, die bei Mozart gewonnene Souveränität und nicht zuletzt auch Erfahrungen als Eva in Wagners "Meistersingern", womit Ute Selbig in der kurzen Aufführungsserie der letzten Inszenierung gesangliche Maßstäbe setzte.

Zu einer solchen Gesangskunst kommt die besondere Art eines Dirigenten wie Peter Schneider am Pult der Sächsischen Staatskapelle. Er entdeckt mit den Musikern gewissermaßen an diesem Abend die Facetten der Behutsamkeit, Spannung erwächst für ihn aus der Klarheit. Den Sängerinnen und Sängern und dem Chor der Sächsischen Staatsoper ist er ein jederzeit sicherer Anwalt. Den wunderbaren Instrumentalsolisten Michael Neuhaus, Bratsche, und Friedwart Christian Dittmann, Violoncello, gibt er Raum und Maß.

In dieser siebten Aufführung nach der Premiere überzeugen zudem Bernd Zettisch als Erbförster Kuno, Michael Eder als nicht ganz so satanischer Verführer Kaspar und Tilmann Rönnebeck als Eremit. Sebastian Wartig, der zur Premiere als Bauer Kilian einen starken Eindruck hinterließ, kann jetzt als Fürst Ottokar nicht in gleichem Maße überzeugen. Dafür, so wie er ebenfalls aus dem Jungen Ensemble der Semperoper, lässt Pavol Kubán jetzt als Kilian aufhorchen.

Die Staatsoper Dresden widmete diese Aufführung in Dankbarkeit der am Tag zuvor nach langer Krankheit im Alter von 63 Jahren verstorbenen Chefsouffleuse Gabriele Auenmüller. Sie hatte noch am 1. Mai zum Premierenerfolg beigetragen.

Weitere Aufführungen mit Ute Selbig: 26., 31.5. sowie Januar 2016

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2015

Boris Gruhl

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