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Lyrisch: Paul Armfields Tennyson-Vertonungen

Lyrisch: Paul Armfields Tennyson-Vertonungen

Einerseits: Ein gutes Paul Armfield-Konzert. Andererseits: Nicht der erwartete Paul-Armfield-Alfred-Lord-Tennyson-Abend, sondern eben "nur" - s.o. Das ist schade.

Absolut schade - und man fragt sich, warum der Engländer in der Dreikönigskirche die genialen Lyrik-Vertonungen nicht en suite im ersten Block des Abends vorstellte und eigene Titel im zweiten. Es wäre viel intensiver gewesen.

Zunächst ging es mit dem großen Dichter los: Armfield betonte die Gemeinsamkeiten mit Tennyson über die Jahrhunderte hinweg durch den Wohnort auf der Isle of White und begann dann a cappella mit "The Sailor Boy", sang weitab vom Mikro in das Kirchenschiff hinein, nutzte die Akustik perfekt für seinen voluminösen Bass.

Weiter mit "The Voyage" zu zwei akustischen Gitarren, diejenige JC Grimshaws mit einzelnen, hohen Tönen. Wir erleben die Seefahrt des jungen "Sailor Boy", heftig, voller Mythen und auch Opium-(Alb-)Träume. "We knew the merry world is round and we might sail forever more." Eindringlich. Und noch ein dritter Tennyson ist uns vergönnt: Im "Sweet and Low / Cradle Song" bringt die junge Frau des Seemanns zu Armfields Gitarre und Grimshaws Mandoline ihr Baby ins Bett, versichert dem Kind - und sich selbst - schwermütig und zärtlich, dass der Vater zurückkehren wird. Phantastisch.

Phantastisch ist natürlich auch "Missing the Last Boat Home", keine Frage. Aber den Konzert-Dauerbrenner einfach im Anschluss an die Lyrik-Stücke? Beim folgenden "Dance of the Young Lovers" ist man dann schon genug heraus aus der Tennyson-Stimmung.

Anders sieht es aus mit den drei Songs aus einem Zuschauer-Projekt, die allesamt gut gespielt und mit fein bis derbem britischem Humor gespickt sind, aber nicht das, was man an solch einem Abend erwartet. Zum Glück geht es mit "The Poet's Song" wieder zu Lord Alfred zurück. Daniel Zein am E-Piano ist dazugekommen, und das Trio zelebriert das langsame, ruhige Erzählen über den Dichter, der der Natur seine Werke vorträgt. Das Gänsehaut erzeugende "The Charge of the Light Brigade", Tennysons berühmtestes Gedicht über eine verheerende Schlacht, beschließt das erste Set und mit Armfields eindringlichem Gesang.

Danach gibt's einen schönen, am gleichen Morgen erst fertiggestellten Song - "This photograph is my proof" -, die Erinnerung an eine Jugendliebe, ein gutes und gut gemachtes Stück gegen britische Faschisten, die versuchen, Folk für ihre Zwecke zu missbrauchen, sowie zwei Songs von JC Grimshaw. Der ist nun ein hervorragender Instrumentalist, aber im Vergleich zu Armfield kein großer Sänger - vor allem aber sind seine Stücke textlich so flach, dass sie in diesem Programm einfach fehl am Platze sind.

Der Kontrast ist danach geradezu körperlich spürbar: Zwar fehlt beim schlicht-schönen "The Splendour Falls on Castle Walls" live das Glockenspiel und die Echo-Aufnahme von Armfields Stimme, dennoch erlebt man auch in dieser Version perfekte Lyrik perfekt umgesetzt. Und auch die folgenden Armfield-Stücke passen in Sachen Intensität dazu, ein Highlight das herzzerreißende "Sloe Gin". Das friedlich-schöne "Crossing the Bar" beschließt den Tennyson-Zyklus und den regulären Teil des Abends. Natürlich lässt Armfield sich nicht lumpen und kehrt noch für drei Zugaben zurück, deren erste, ein absolut entschleunigtes, als Gedicht vorgetragenes "Love is a Loosing Game" am eindrucksvollsten ist. Und hat uns insofern wieder einmal reich beschenkt. Aber... Beate Baum

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.11.2011

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