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Lyrikband von Erich Sobeslavsky

Literatur Lyrikband von Erich Sobeslavsky

Zwei Prosawerke hat er ebenso veröffentlicht wie zwei schmale Gedichtsammlungen. Nun liegt ein umfangreicher Lyrikband aus der Feder Erich Sobeslavskys vor, einem Vertreter der Weltkriegskindergeneration.

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Erich Sobeslavsky

Quelle: DNN

Dresden. „ …nachts aussteigen und durch die Dörfer gehen (doch ohne Mitleid)…“

Vielleicht ist es ein typisches Wortbild für diesen 1942 in Ostrava geborenen Dichter, dessen Gedichtstruktur von seiner Lebenshaltung geprägt ist. Circa 30 Jahre beschäftigte sich der promovierte Wissenschaftler mit theoretischer Physik im Zentralinstitut für Kernforschung Rossendorf und er weiß nur allzu gut, wie wichtig es ist, Denkansätze neu zu definieren. Und mittlerweile weiß es auch jeder Smartphone Süchtige, dass es Tasten gibt, deren Funktion frei wählbar sich mit ein paar Klicks verändern lässt. So in etwa verhält es sich mit den Versen des Erich Sobeslavsky. Die klaren Aussagen, die anders gewendet werden können, so dass ein neuer Blickfang entsteht: „ rosig roll’n die PKW, sonnabendvormittäglich auf Vordermann gebracht“. Die Gedichte haben einen erzählerischen Aspekt, durch Wortkombination in den Zeilen erhalten sie manchmal ein anderes Bezugssystem. Zugegeben, schwebender werden die Texte dadurch nicht, es gibt keine Rücksicht auf den Wohlfühlton, wohl aber das Festhalten präziser Vorgänge: Türen, die „selbsttätig zugeh’n / beziehungsweise automatisch / oder von selbst“. Manche der veröffentlichten Texte sind vor Jahrzehnten geschrieben, viele von Ihnen funktionieren noch immer. Hier vor allem der Text „Antwort an Ralf Winkler“ von 1981 mit politischer Brisanz zum Heutigen: „…kein Wunsch zu sprechen oder nur in dieser Meute, / demonstratives Scheiternlassen des Gesprächs / am Ausgang jenes Abends / /und keiner der die / Einwände hörte, genauer: niemand, der gekommen war und, / selbstverständlich, keine Antwort/… Wenn Sobeslavsky schreibt, dann meint er die Konkretisierung von Zeitintervallen. Das scheint kein Zufall zu sein. Er stellt sich damit in eine Reihe von Lyrikern, wie Jürgen Becker, Jürgen Theobaldy oder auch dem Finnen Pentti Saarikoski beispielsweise, die man als Weltkriegskindergeneration bezeichnen könnte. Latent dem Reim misstrauend, diesem Klingelspiel der Kriegspropaganda, lehnt sich diese Form der Gedichte mehr an das Erbe der Antike an, den Normen der gesprochenen Rede, die Epoche der „ silbernen Latinität“.

Einige Texte wurden schon veröffentlicht, andere sind älter, wie „ Notiz zu Dr. A.“, von 1974, Zeilen, die etwas fremd im Buch anmuten. Es gibt Verse jüngeren Datums, denen man anmerkt, dass Sobeslavsky sich im späteren Berufsleben mit Gesellschaftsforschung am Hannah-Arendt- Institut beschäftigt hat. Und es gibt die, natürlich römisch bezifferten, Tauscha Elegien im letzten Drittel des Bandes.

Tauscha, so steht es bei Wikipedia, ist ein Ort in Sachsen, der ab 2016 seine kommunale Selbständigkeit verloren hat. Es scheint der Rückzugsort des Dichters zu sein, Projektionsfläche der Gedanken. Hier entstanden vielleicht diese Gedichtbriefe an die Zeit, die „unbestimmt vergangene“. Schreibt von den Beziehungen der Gegenstände im Raum. Der Zyklus lebt von der Schärfe dieser Beobachtungen, den beschreibenden Vorgängen, die sich im Kopf zu bewegen beginnen. Bis in die Wirklichkeit Melancholie einsickert,…“leise über die Dächer gerufen an einem/ Abend wie diesem, in einem Haus zwischen den Gärten, / in einer kleinen Stadt / in den Wiesen.

Erich Sobeslavsky: „ Was aber ist es“, Projekte- Verlag Cornelius 2015, 155 Seiten, 15 Euro

Von Thomas Ernest

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