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Luftige „Zauberflöte“ in Rathen

Felsenbühne Luftige „Zauberflöte“ in Rathen

Die jüngste Premier auf der Felsenbühne Rathen präsentiert mit Mozart einen großen Namen. Dessen „Zauberflöte“ in zauberhafter Felskulisse versprach viel. Einiges konnte die Inszenierung auch halten. Doch zwischen Solisten und Elbland-Philharmonie passte es dabei nicht immer.

Zauberflöte draußen mit Kimberley Sandaval, Silke Richter, Manuel Günther und Stephanie Krone (v.l.).

Quelle: Hagen König

Rathen.  Für die jüngste Neuproduktion der Landesbühnen Sachsen, die am Wochenende auf der Freilichtbühne Rathen ihre Premiere hatte, sind Schirme unverzichtbar. Allerdings weder als Wetterwarnung noch als Regieanweisung, sondern schlicht als Bestandteil der Requisite. Überhaupt: Diese „Zauberflöte“, von Jan-Michael Horstmann explizit für das Naturtheater in der Sächsischen Schweiz inszeniert, ist Ausstellungstheater im besten Sinn. In Rathen ist Theater schlicht undenkbar ohne den Eindruck der Bergwelt, den Einsatz von Dekoration, die das Spektakel mehr oder minder betont, und sowieso nicht ohne die Mitwirkung von Pferden.

Für zusätzliche Impressionen sorgt hier eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern aus Sebnitz, die akrobatisch und tänzerisch eine ganze Menge Zutaten bot, von denen sich weder Wolfgang Amadeus Mozart noch sein Librettist Emanuel Schikaneder etwas hätten träumen lassen. Aber sie hätten gewiss ihre Freude daran gehabt. Auch über das erwartungsfroh zahlreich durch den Amselgrund strömende Publikum wären sie erfreut gewesen, gewiss auch hätten sie Spaß an den bezaubernden Vogelstimmen gehabt, die in das vor 225 Jahren in Wien uraufgeführte Musiktheater über mündige Menschen und menschliche Großmut immer mal wieder mit eingestimmt sind. All solcher Natürlichkeit war Amadé nicht abhold.

Kräftig genörgelt jedoch – und wir wissen, wie sehr Mozart das konnte, mit pikant trefflichen Worten! – hätten sie an Teilen der musikalischen Umsetzung. Nicht, dass der Salzburger Meister je als stocksteif gegolten und auf einen passablen Ulk etwa verzichtet hätte, doch auf die in den Noten verzeichneten Maße für Tempo und Tonhöhe hat er stets großen Wert gelegt.

Und da geriet zwischen der auf der Hinterbühne platzierten Elbland-Philharmonie und den zwangsläufig im Rücken des Dirigenten agierenden Solisten so einiges aus dem Ruder. Jan-Michael Horstmann, erneut in Personalunion seine Doppelbegabung als Regisseur und Musikchef unter Beweis stellend, war zwar redlich bemüht, die driftenden Tempi wieder in Takt zu setzen, doch mitunter presste sich einiges an Verschiedenheit in die Gehörgänge, was da so gleichzeitig gar nichts zu suchen hatte. Und auch die teils mangelnde Textverständlichkeit war nicht immer so sachdienlich, wie man es sich bei einem explizit als „deutsche Oper“ ausgewiesen Stück gewünscht hätte.

Dabei war der Bühnenhumor durchaus recht teutonisch. Angefangen mit den Schirmen, den vielfarbigen Kostümen (Ausstattung: Stefan Weil und Irina Steiner), den erst im Laufe des Abends wirkungsvolleren Turmelementen, deren pastöse Farbgebung ohne Scheinwerferlicht noch ziemlich blass gewirkt hatte. Eindrucksvoll und einen ersten Szenenapplaus wert war freilich das berghohe Kleid der Königin der Nacht, die ihre Glockentöne zunächst vom Felsen herab auf die Bühne aussandte. Durchaus lustig auch Begegnungen zwischen Pa-Pa-Pa-Papageno und Pa-Pa-Pa-Papagena. Grundlos albern hingegen der schwarz bedresste Monostatos als Spiderman-Abklatsch für Arme.

Hinreichend seriös immerhin die sehnliche Liebe zwischen Tamino und Pamina, die visuelle Duplizität der drei Damen und Knaben unter gewagter Behütung sowie die Gags mit Schlange und Pferden. Das alles wurde kräftig mit Applaus bedacht Die Herren im Tempel als verschlafene Bande wie aus dem Amateurtheater zu zeichnen, ist ein Ansatz, der aber kaum nachvollziehbar schien.

Viel Ablenkung also von der auf knapp zweieinhalb Stunden gestutzten Musik. Dennoch genug Entfaltungsmöglichkeit für Iris Stefanie Maier, die sich sehr auf ihre trefflichen Spitzentöne konzentrierte, die Wege dahin und wieder zurück mitunter leicht improvisierte. Als Prinzesschen Pamina erheischte Miriam Sabba viel Beifall für ihre Kulleraugen und den wandelbar eingesetzten Gesang, Manuel Günther als Tamino eroberte stimmsicher und spielstark nicht nur ihr Herz wie im Sturm. Sein Vogelfänger-Gefährte blieb von Kazuhisa Kurumada recht abstrakt, da hat Marie Hänsel als Papagena deutlich mehr zu bieten. Ganz erstaunlich wirkten Hagen Erkraths Sarastro und Andreas Petzoldts Monostatos, in großem Bogen an Mozart vorbei.

Ach ja, und die Schirme? Auch ohne Regenwetter unverzichtbar – einfallsreich ist diese „Zauberflöte“ allemal.

nächste Aufführungen: 17.6. (20 Uhr), 19.6. (16 Uhr)

www.landesbuehnen-sachsen.de

Von Michael Ernst

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