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Literaturpreis Hommage à la France in Dresden vergeben

Literaturpreis Hommage à la France in Dresden vergeben

Wer Stefan Zweigs "Die Welt von gestern" gelesen hat oder seinen Briefwechsel mit Romain Rolland, der weiß, wie schwierig sich der einst selbstverständliche Austausch zwischen Deutschland und Frankreich ab 1914 gestaltet hat.

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Pascale Hugues

Quelle: Dagmar Morath

Die beiden intellektuell eng verbundenen Freunde fanden sich zu Weltkriegszeiten in verfeindeten Lagern - und empfanden es beide als das, was es war: absolut absurd.

So ging es im vergangenen Jahrhundert vielen Menschen, doch nicht alle haben die politische Schizophrenie so genial kommentiert wie Zweig und Rolland. Selbst nach dem Zweiten Weltkrieg hat es noch viele Jahre gebraucht, um die Idiotie der vermeintlichen Erbfeindschaft aufzuklären und den Völkern den Gedanken an ein europäisches Miteinander nahezubringen.

Wie tief sich dieser politische Irrsinn bis in den Alltag hineingefressen hat, schildert die französische Autorin Pascale Hugues in ihrem 2008 erschienenen Roman "Marthe und Mathilde". Für dieses Buch - eine Familiengeschichte aus dem Elsass - ist sie am Sonntag mit dem erstmals verliehenen Literaturpreis Hommage à la France geehrt worden.

Man sollte meinen, deutsch-französische Auszeichnungen gibt es heute in Hülle und Fülle, doch weit gefehlt - dies ist der erste binationale Literaturpreis. Er ist dem Engagement der Stiftung Brigitte Schubert-Oustry zu verdanken, die damit den kulturellen Austausch zwischen beiden Ländern fördern will. Benannt ist diese Initiative nach der in Dresden geborenen Autorin Brigitte Schubert-Oustry, die seit vielen Jahrzehnten auch in Paris zu Hause ist und für ihre Lyrik unter anderem mit dem Nikolaus-Lenau-Preis bedacht worden ist.

Unermüdlich hat sich Brigitte Schubert-Oustry darum bemüht, Stiftungsrat und eine erlesene Jury zu bilden, die aus mehreren Dutzend Vorschlägen letztlich einstimmig für "Marthe und Mathilde" plädierte. Wie sehr mit dieser Entscheidung eine außerordentlich gute Wahl getroffen wurde, bewies nicht zuletzt der Dresdner Literaturwissenschaftler Torsten König in seiner Laudatio auf Pascale Hugues. Sie habe die Binsenweisheit, das Leben sei ein Roman, beim Wort genommen und anhand von Lebensausschnitten ihrer Familie ein wichtiges Kapitel europäischer Geschichte dargestellt. Denn Marthe und Mathilde waren die Großmütter von Pascale Hugues, sie mussten binnen weniger Jahrzehnte mehrfach Sprache und Staatsangehörigkeit wechseln, während das Elsass mal deutsches, mal französisches Gebiet war. Eine politische Verschiebemasse auf dem Rücken der Bevölkerung. Marthe und Mathilde sind beide 1902 geboren, die eine im Elsass, die andere in Deutschland, sie waren enge Freundinnen und blieben das auch über alle Kriegswirren hinweg. Sie wurden durch ihre Kinder zu einer Familie und erzählten ihrer Enkelin erst im hohen Alter aus diesem wechselvollen Leben. Beide sind fast 100 Jahre alt geworden, starben kurz nacheinander 2001 und haben die Buchveröffentlichung nicht mehr erlebt. Aber ein Stück der mit diesem Literaturpreis verbundenen Ehre gebührt sicher auch ihnen.

Pascale Hugues, die 1959 in Strasbourg geboren wurde und heute als mit einem Deutschen verheiratete Journalistin in Berlin lebt, freute sich lebhaft über die im Kulturrathaus verliehene Hommage à la France und erinnerte sich an frühere Besuche in Dresden. Als Korrespondentin der Tageszeitung Libération hatte sie in den Wendejahren 1989/90 häufig aus Dresden berichtet, aber auch mit ihrem Familienroman war sie schon hier und las erstmals im Buchhaus Loschwitz daraus.

Mit der von einem überwiegend zweisprachigen Publikum gut besuchten Preisverleihung hat sich in gewisser Weise ein Kreis geschlossen, aber einer mit Ausblick: Denn neben "Marthe und Mathilde" lagen inzwischen schon weitere Bücher von Pascale Hugues auf dem Verkaufstisch. Das jüngste, "Ruhige Straße in guter Wohnlage", beschreibt ihr Leben im Berlin von heute. Ihrem Thema, Zeitgeschichte abzubilden, bleibt sie offenbar treu.

Der von Brigitte Schubert-Oustry gestiftete Preis soll künftig jährlich für ein deutschsprachiges Buch verliehen werden, das sich mit Frankreich befasst. Trotz der zweifellos richtigen Entscheidung für "Marthe und Mathilde" sollen die der Jury in diesem Jahr vorgelegten Bücher aber nicht umsonst gelesen worden sein, sondern in einer kleinen Lesereihe dem interessierten Publikum nahegebracht werden.

iPascale Hugues: Marthe und Mathilde - Eine Familie zwischen Frankreich und Deutschland, Rowohlt Taschenbuch, 288 S., 9,99 Euro, ISBN 978-3-499-62415-5

www.hommage-a-la-france.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.11.2013

Michael Ernst

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