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Literarische Vatersuche: Dany Laferrière kommt nach Dresden

Literarische Vatersuche: Dany Laferrière kommt nach Dresden

Mit dem 1953 auf Haiti geborenen und heute in Kanada lebenden Schriftsteller Dany Laferrière kommt ein Widerspruch nach Dresden: In der frankofonen Welt ist er längst eine viel gerühmte Größe, aber hierzulande kaum bekannt.

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Dany Laferrière liest am Sonntag in der Villa Augustin.

Quelle: dpa

Auf Einladung des Instituts für Romanistik an der TU Dresden wird der Autor am Sonntag im Literaturhaus Villa Augustin seinen aktuellen Roman "Das Rätsel der Rückkehr" vorstellen, für den er im vergangenen Sommer in Berlin den Internationalen Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt erhielt.

Doch auch nach dieser Ehrung blieb Laferrières verdienter Durchbruch auf dem europäischen Buchmarkt bislang aus. Lediglich die französischen Nachbarn haben das große Talent bereits für sich entdeckt und den Literaten in diesem Jahr zum Mitglied der Académie Française erhoben.

Dabei lohnt eine Beschäftigung mit diesem Künstler und seinem sehr persönlich verfassten Buch durchaus. Dany Laferrière beschreibt darin die Rückkehr ins Land seiner Herkunft. In einem poetischen Monolog, der von einem heftigen Rhythmus aus Lyrik, Prosa und essayistischen Reflexionen geprägt ist, begibt sich der Autor auf die Spuren seines verstorbenen Vaters und vermittelt dem Leser Einblicke in die bittere Armut Haitis. Für diese literarisch gelungene Identitätssuche erhielt Laferrière den mit 25 000 Euro dotierten Literaturpreis, weitere 10 000 Euro bekam Beate Thill für ihre einfühlsame Übersetzung des französischsprachigen Originals.

Mit Dany Laferrière bewarben sich mehr als 150 Autorinnen und Autoren aus 64 Ländern um die begehrte Ehrung. Laudator Hans Christoph Buch würdigte vor allem "die überbordende Vitalität", die das gesamte Werk des Frankokanadiers durchziehe. Dany Laferrière sei "ein Meister frivoler, melancholischer oder einfach nur witziger Buchtitel, mit denen er die Neugier der Leser weckt und Kritiker an der Nase herumführt", wie Buch als Kenner der Karibik und der literarischen Szene betonte.

"Das Rätsel der Rückkehr" sei dem Schriftsteller-Kollegen zufolge Laferrières "reifstes und reichstes Buch, die Summe seines Werks". Darin vollzieht der Ich-Autor eine Reise aus dem eisigen Kanada via New York zurück nach Port-au-Prince und kommt dabei nicht nur seinem Vater, sondern auch den eigenen Spuren näher. Dieser innere Monolog beziehe die Leser unangestrengt mit ein "wie ein Saxophon-Solo von John Coltrane oder ein Selbstgespräch am Piano von Thelonious Monk"; ein jazziger Vergleich, der auch die hochkarätig besetzte Jury sofort überzeugt habe. Denn Laferrière sei es mit diesem Ton gelungen, "ohne falsches Pathos" vom Armenhaus Amerikas zu berichten, dessen Würde und Schönheit er in seinem Roman preist.

Die enorme Vitalität der Bücher von Dany Laferrière stammt laut Schriftsteller und Journalist Hans Christoph Buch aus dem Geist der Rebellion, der Ästhetik des Widerstands, die Haitis Kultur und Geschichte bis heute prägt.

Sonntag, 17 Uhr, Literaturhaus Villa Augustin: Lesung und Diskussion mit Dany Laferrière, Moderation Torsten König Dany Laferrière: "Das Rätsel der Rückkehr" Wunderhorn Verlag, 300 S., 24,80 Euro, ISBN 978-3-88423-426-6

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 28.11.2014

Michael Ernst

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