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Linol, Fotografie, Film, Installation: Die vier Preisträger des Marion Ermer-Preises zeigen ihre Werke im Oktogon

Linol, Fotografie, Film, Installation: Die vier Preisträger des Marion Ermer-Preises zeigen ihre Werke im Oktogon

Zum sechsten Mal bietet derzeit das Oktogon der Hochschule für Bildende Künste Dresden (HfBK) dem Marion Ermer Preis "Asyl". Die anderen Jahre - die Auszeichnung wurde jetzt zum elften Mal vergeben - kooperierte die Stiftung mit der Bauhaus Universität Weimar und der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst.

Von letzterer kommen auch drei der Preisträger der mit je 5000 Euro dotierten Ehrung: Loretta Fahrenholz, Emanuel Mathias und Jens Schubert. Die vierte ist die "Dresdnerin" Claudia Schötz. Die Geehrten konnten sich bei der prominent besetzten Jury - ihr gehörten Axel Lapp (Kurator der Ausstellung, Berlin), Dirk Luckow (Deichtorhallen Hamburg), Beatrix Ruf (Kunsthalle Zürich), Sabine Maria Schmidt (Museum Folkwang Essen) und Christian Sery (Rektor der HfBK) an - unter 216 Bewerbern durchsetzen.

Den zentralen Ausstellungsraum direkt unter der "Zitronenpresse" hat Jens Schubert (geb. 1983 in Schwarzenberg/Erzgebirge, 2009-2011 Meisterschüler bei Annette Schröder) mit Beschlag belegt. Er präsentiert sich stark farbig und sein Formenrepertoire - Ornamente, abstrakte und organische Elemente, Stilisierungen sowie Abbildungen historischer und zeitgenössischer Vorlagen - pendelt zwischen vertraut und fremd, mitunter fast exotisch. Seine eigenwilligen Arrangements erinnern manchmal entfernt an japanische zeitgenössische Malerei. Gleichwohl ist es etwas anderes: Jens Schuberts Bilder sind kunstvolle Linolschnitte, die ihr Erscheinungsbild zahlreichen Druckschritten verdanken. Hin und wieder benutzt er den Linolschnitt auch für eine Bodeninstallation - wie ebenfalls im Oktogon zu sehen. Eine alte Technik wird durch Schubert so in neuer Art und mit viel Phantasie "aufgemöbelt" (Im Jahr 2000 hatte schon Karola Smy den Linolschnitt für sich entdeckt).

Die beiden anderen "Leipziger" sind der Fotografie und dem Film verbunden. Loretta Fahrenholz (geb. 1981 in Starnberg, 2007-2010 Meisterschülerin bei Astrid Klein) widmet sich dem Spannungsfeld zwischen fiktivem Realismus und dokumentarischem Kammerspiel. Inhaltlich geht es ihr um die Bedingungen der Produktion und Rezeption von Kunst und Kultur. Das Video "Que Bárbara" verarbeitet wohl Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr, als sie in New York am Whitney Independent Study Program teilnahm. Sie hatte dort eine Künstlerin kurz vor einer ihrer Ausstellungen beobachtet, folgte ihr bei letzten Besorgungen, inszenierte Gespräche über Alltägliches wie Künstlerisches. Wie Fahrenholz dies an den Betrachter bringt, reizt zum Hinsehen und Dabeibleiben, arbeitet sie doch mit unterschiedlichen filmischen Ebenen und Einblendungen, ja Montagen. Interesse weckt auch ihre Schwarz-Weiß-Fotoserie "Europa", die zwei Kinder in einer Art Rollenspiel zeigt.

Emanuel Mathias (geb. 1981 in Halle/Saale, unter anderem 2009-2011 Meisterschülerstudium bei Christopher Muller und Tina Bara), jüngst im Genuss eines DAAD-Stipendiums in Istanbul, widmet sich im weiteren Sinne ebenfalls einer Inszenierung - der in einer "Rolle", einer Erwerbsrolle. Sie gilt Istanbuls Taxifahrerinnen und dem Film "Soför Nebahat" von 1960, in dessen Zentrum eine junge Frau stand, die sich in dieser Männerdomäne durchkämpfte. Die Filmfigur und die sie verkörpernde Schauspielerin sind bis heute Identifikationsmuster für Frauen, die ihre Selbstständigkeit behaupten wollen - ganz besonders natürlich für die aktuellen Taxifahrerinnen. Mathias gewann drei von ihnen, das historische Vorbild nachzuspielen, und befragte sie zugleich zu ihrem Rollenbild und ihrer fiktiven Vorgängerin. Das ist neben der gelungenen Gestaltung gerade auch unter dem Aspekt, mehr über die Türkei zu erfahren, interessant.

Die vierte Arbeit von Claudia Schötz (geb. 1979 in Altdöbern, seit 2009 Meisterschülerin bei Christian Sery) ist eine "work-in-progress"-Rauminstallation. Nahezu ohne Geräusch - es wird nicht gesprochen, das Handwerkszeug ist abgedämpft, der Raum mit Teppich und Tüchern ausgelegt - vollzieht sich an den Wochenenden die Errichtung einer begehbaren Raumskulptur, über die man erst nach Fertigstellung wirklich etwas sagen kann. Anderes, von Schötz bereits Ausgeführtes hat allerdings die Jury überzeugt, darunter die Arbeit "Invalid", in die die Verlesung der Namen von 400 seit 1993 verschwundenen Frauen aus der vom Drogenkrieg zerfressenen mexikanischen Stadt Ciudad Juarez über Lautsprecher inbegriffen war.

Für die vier Geehrten könnte diese Schau (dazu gehört auch ein Katalog) ein wichtiger Schritt zum Erfolg werden - so wie es für Tim Eitel (2003), Jan Brokof (2005), Andreas Hildebrandt und Tilman Hornig (2007) der Fall war. Ausgereicht wird die Ehrung von der in Jena ansässigen, 1992 gegründeten Marion Ermer Stiftung für Kunst und Kultur in Sachsen und Thüringen, der ersten privaten Kulturstiftung in den neuen Bundesländern. Die Auszeichnung richtet sich an Bewerber bis 35 Jahre, die ihren Erst- und Zweitwohnsitz in den neuen Bundesländern (außer Berlin) haben und hier auch studieren.

Ausstellung im Oktogon bis 5. Februar, Di-So 11-18 Uhr, 26. Januar, 16.30 Uhr: Führung mit dem Kurator Axel Lapp

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 03.01.2012

Lisa Werner-Art

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