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Linie 08 special mit neuen Arbeiten von Hermann Heisig und Anna Till im Festspielhaus Hellerau

Linie 08 special mit neuen Arbeiten von Hermann Heisig und Anna Till im Festspielhaus Hellerau

Es mag jedem völlig anders dabei ergehen, doch auf besondere Weise sympathisch ist er nun mal, dieser Hermann Heisig. Der von allem etwas hat und damit kurios wie irritierend umzugehen versteht, ohne deshalb auch nur annähernd vollkommen zu sein.

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Szene aus Hermann Heisigs Performance STRTCH in Hellerau.

Quelle: Andre Wunstorf

Seine Besonderheit ist vielmehr eine ganz eigenwillige Bühnenpräsenz, bei der zum Erleben stets auch ein hinterfragender Kontext gehört, wo die Künste ineinandergreifen, die Idee im Spiel hin und her gewendet wird. Da kann man schon amüsiert sein, obwohl noch gar nichts passiert - und irgendwie passiert ja überhaupt eher selten etwas. Aber die Erwartung ist geweckt, die Neugier auf Folgendes. Und selbst noch beim Nachdenken darüber hat man seine Freude daran.

Hermann Heisig, gebürtig in Leipzig, lebt längst schon in Berlin und bringt daselbst seine Projekte heraus, mit denen er auch durch die Lande tourt. Er ist vielerorts gut bekannt und gewissermaßen auch Kult, wobei er in Dresden wohl erst in jüngerer Zeit Freunde hinzu gewonnen hat, speziell auch im Festspielhaus Hellerau. Mancher kennt ihn auch schon von der euro scene Leipzig her, wo er sich vor gut 17 Jahren mit einem kuriosen Auftritt beim Fünfminutensolo auf dem Runden Tisch von Alain Platel einen Publikumspreis eroberte. Seine Aufführungen haben, selbst dann noch, wenn er Wohlwollen und Neugier bewusst überstrapaziert, das gewisse Etwas, wo sich Geist und Witz voller Spiellust paaren. Und bei ihm als Quereinsteiger lässt es sich sogar akzeptieren, dass er sich für den Tänzerberuf quasi berufen fühlt.

Auch für die Performance STRTCH, eine Koproduktion mit Hellerau - Europäisches Zentrum der Künste Dresden und Sophiensaele Berlin, verbündet sich Heisig mit künstlerisch vielseitigen Gleichgesinnten wie Elpida Orfanidou und Tian Rotteveel, bekannt auch schon aus früheren Produktionen. Und sie alle gemeinsam loten beim Auftritt im längsseitig bespielten, mit Lametta ausgehangenem Nancy Spero Saal vom Festspielhaus (Bühne: Jaka Plesec) zur Komposition von Rotteveel mit Körper und Stimme aus, ob und wie sich diese Idee von Klang und Widerhall in einer spielerischen Variante trägt. Das erhebt keinen Anspruch auf Perfektion, ist mehr die Ahnung dessen, was es vielleicht auch sein könnte. Und immer wieder verebbt das Experiment in großer Ratlosigkeit, um schließlich mit einem Impuls, einer Hoffnung erneut zu starten.

Was ja für einige Zeit reizvoll ist, sich in der Form aber auch verliert und geniert. Wie es bei Heisig eben dazu gehört. Und da kann auch May Zarhy als Tanz-Bonus sowie Outside/Inside Eye nicht verhindern, dass sich das immer wieder aufflackernde Geschehen mit (zu) vielen Worten letztlich fast verflüchtigt. Und irgendwie scheint ihnen auch die Inspiration speziell der Körpersprache abhanden gekommen zu sein, wirkt das Spiel nach und nach kraftlos. Eine Idee ist eine Idee ist ein Idee-

Im zweiten Teil dieses Abends von Linie 08 special hat die junge Choreografin Anna Till im Dalcroze Saal vom Festspielhaus ebenfalls als Koproduktion mit dem Europäischen Zentrum ihre neue Arbeit "Flat Scream" vorgestellt. Quasi in der Hörgewohnheit von Flat Screen, doch mit deutlich verändertem Wortsinn. Die Choreografie entstand in Zusammenarbeit mit den drei Tänzerinnen Julek Kreutzer, Diethild Meier und Romy Schwarzer, und auch bei diesem Stück ist das Publikum längsseits platziert, bleibt bewusst nur wenig Raum für Bewegung.

Mit drei großen, hellen Rollos erstreckt sich die Bühnenausstattung von Romy Kießling komplett über die gegenüberliegende "Breitseite" des kleinen Saals, und die Einengung assoziiert deutlich auch das Thema der Arbeit. Bei der es darum geht, mit diversen, teils bekannten und auch gewitzten Metaphern einen eingeschränkten persönlichen Spielraum zu assoziieren, der in jeglicher Hinsicht verformend, hinderlich, im weitesten Sinne "flach" ist. Was ja direkt zu "Flat Scream" führt. Zumindest kann man darüber nachdenken. Während die Bühnengestaltung Möglichkeiten zum Durch- und Aufbruch bietet, bleibt die Körpersprache speziell im "Zwischenraum" deutlich zu beliebig. In einer Szene aber ist die Aufmerksamkeit besonders geweckt, wenn Romy Schwarzer, zweifelnd und mit Abstand beäugt von den beiden anderen, einen bewegten Erklärungsversuch zu Warum, Wieso und Weshalb startet. Das macht Sinn und Spaß, und wenn die Rollos letztlich hochgezogen, Eingrenzungen aufgehoben sind, öffnet sich eine Dimension des Machbaren. Was auch für die Idee und das Stück gilt - es könnte noch dichter, intensiver, zwingender sein.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 09.12.2014

Gabriele Gorgas

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