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Lineaturen in Graphit und Stroh - Doppelausstellung mit Karl-Heinz Adler und Olaf Holzapfel in Dresden

Lineaturen in Graphit und Stroh - Doppelausstellung mit Karl-Heinz Adler und Olaf Holzapfel in Dresden

Was die aktuelle Ausstellung in der Galerie Lehmann besonders macht, ist die Aufhebung von Ressentiments. In einer Doppelausstellung präsentieren sich hier der gesetzte Dresdner Konkrete Karl-Heinz Adler mit dem hippen, 2012 als "Made in Germany"-Künstler nobilitierten, Olaf Holzapfel.

Die gemeinsame Ausstellung trägt dazu bei, nicht mehr nur die Opposition zwischen älterer und jüngerer Künstlergeneration zu beschwören. Sie bietet neben einer diskursiven Präsentation einen Beitrag zur Befriedung von Vorbehalten zwischen einem alten klassischen und einem neuen medienübergreifenden Kunstbegriff, aber vielleicht auch gegenüber einer so verstandenen Dichotomie zwischen Ost- und Westkunst. Aus der Begegnung können wir alle lernen. Schon, dass der heute 45 Jahre alte Holzapfel als Prototyp der jungen Generation gilt, muss sich entlarven und kann das Pauschale und die Voreingenommenheit und Einseitigkeit der Diskussion zeigen. Holzapfel ist klüger. Sein Verdienst als treibender Part für das Zustandekommen des Dialoges des jüngeren mit dem alten Künstler ist es, die Debatte zur Kunst selbst zurück zu führen. Auch wenn er auf den ersten Blick so gut dabei gar nicht weg kommt, wenn Objekt neben Objekt hängt.

Die Ausstellung zeigt die Auseinandersetzung mit Linearität und seriellen Strukturen, bei Adler in altbewährter konzentrierter Weise anhand von Lineaturen in Graphit, die in jedem Blatt der 60er und 80er Jahre beziehungsweise den Hartfaserplatten aus den frühen 90er Jahren das Bildprogramm und Interesse der additiven Erzeugung von Bildräumlichkeit zeigen. Holzapfels Lineaturen in Stroh, alle von 2013/14, stellen ähnliche Auseinandersetzungen mit Raumdarstellung durch aneinander und gegeneinander gesetzte Liniennetze dar. Wissen muss man aber, dass sich Holzapfels Arbeiten in ihrer Rezeption von einem autonomen Bildbegriff allein her nicht vermitteln, sich sein Werk nicht in der rein bildnerischen Auseinandersetzung im zweidimensionalen oder auch dreidimensionalen Raum erschöpft. Holzapfels künstlerisches Interesse setzt umfassender und generalistischer an. Ihm geht es - das wissen wir besonders auch vor dem Hintergrund seiner Präsentation im Leonhardi-Museum im letzten Jahr - um einen breiteren Kunstbegriff vor der Reflexion seiner Bildmedien. Für Holzapfel schließt das die Analyse auch von traditionellen Handwerkstechniken und -materialien ein. Daraus ergibt sich ihm aktuell die konzeptuelle Konsequenz des Materials Stroh, die er derzeit durchspielt, wie Adler jahrzehntelang seine zeichnerischen Strichkonfigurationen, und die ihn vor zwei Jahren zum Beispiel zu Fachwerkskonstruktionen und Heubildern führte.

Die Konzentration Holzapfels ist eine andere als die von Adler und darin zeigt sich dann wohl doch ein generativer Unterschied. Man hat die Ausstellungskonzeption und zunehmend Kunstpräsentationen heute prinzipiell als themenbezogen zu verstehen. Mit dem Anspruch von Diskursivität und Unabgeschlossenheit geht es nicht um eine einfache Ähnlichkeit der Arbeiten beider Künstler. Das, was Holzapfel zum Dialog treibt, ist in der Konzentration auf die Formdiskussion und verfahrenstechnische Fragen vor einem systemtheoretischen Hintergrund motiviert. Adler hilft ihm hier, den strukturellen Aspekt seines künstlerischen Ansatzes zu erklären. Mit Hilfe der Medienreflexion erkennt Holzapfel, dass der Ältere dem Jüngeren durchaus was lehren kann. In Folge kann Adler als der Prototyp des heute selten gewordenen Mentors oder Nestors wirken - von denen es eigentlich im sonoren Dresden mit seiner Akademie der Künste viele geben könnte (allerdings ist auch im weiteren Umfeld die Mentorenschaft von David Hockney für Matthias Weischer eine vereinzelte Ausnahmeerscheinung, die vor allem durch das ambitionierte Rolex-Förderprogramm initiiert wurde). Im Falle Holzapfel-Adler ging nicht der Ältere auf den Jüngeren zu, um ihn unter seine Fittiche zu nehmen. Sollte sich hier doch der Bruch der Zeit als nicht unerheblich erweisen, indem eher der Jüngere aus dem komplexeren Ansatz heraus den Älteren in seinen bildnerischen Potenzialen und fachlichen Qualitäten in ihrer Medienrelevanz erkennt?

Zeigen kann sich aber, dass der Wettstreit der Generationen - wenn er nicht sowieso ein Gleichgewicht ist - unentschieden endet, indem Einzelergebnis neben Kontextinteresse steht und beides sich ergänzen kann. Was bleibt, ist das Angebot und die Aufforderung zu Dialog und Mentorenschaft. Und so möchte man den Künstlern beiderseits zurufen, begebt euch in solche fachlichen Begegnungen im Sinne der lebendigen Auseinandersetzung und wartet nicht erst darauf, gefragt zu sein! Denn wahrscheinlich macht der Wille auch zum Außenblick das künstlerische Denken und Handeln aus.

bis 31. Juli, Galerie Gebr. Lehmann, Görlitzer Str. 16, geöffnet Di-Fr 10-18, Sa 11-14 Uhr

www.galerie-gebr-lehmann.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.07.2014

Lydia Hempel

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