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Limp Bizkit liefern in der Jungen Garde Argumente für die Jugendlichkeit

Limp Bizkit liefern in der Jungen Garde Argumente für die Jugendlichkeit

Sie sind erfolgreich, wenig kompromissbereit, glänzen mit schriller Maskerade und sind Trendsetter für mittlerweile zwei Generationen. Sie stehen für einen rebellischen Sound, koppeln die Gitarren mit ihren Monitorboxen und verzerren alle Klangbilder so lange, bis sie ins aggressive Raster passen.

Mit dieser fordernden Mischung vereinten sie bereits in den 90ern Nischenfans und den Popkonsumenten. Heute hat sich am Publikum kaum etwas geändert. Jeder, der beim Nu Metal-Frontalangriff nicht gleich aus dem Sessel kippt, lässt sich einen ihrer in Deutschland seltenen Auftritte nicht entgehen und wird nicht enttäuscht. Hinter Limp Bizkit vereinigt sich eine Band, die auffällt, die aufspielt und die aufgeht, sobald sie die Bühne betritt.

In "My Generation" läuft es immer noch rund, betont Fred Durst, der charismatische Sänger, gern und meint damit eine exzessive Party, nach Möglichkeit mit hundert Mädchen auf einer Bühne, mit einem Soundslang, der bis in die letzten Reihen provoziert. In der Garde wurde der Traum für die Damen wahr und die Herren konnten die Hände fordernd nach oben strecken, mit dem Oberkörper wippen oder komplett die Fassung verlieren und wild um sich schlagen, denn vor ihnen wurde ein Exempel statuiert - in Sachen Crossover. Limp Bizkit bedienen sich für ihren Stil bei Metalbands wie Metallica, greifen in das Portfolio von Nirvana oder Pearl Jam, packen auf sägende Gitarren Rap und mischen das Ganze noch immer in einen wunderbar schmutzigen 90er-Sound ab. Kaum einen stört, dass die Veröffentlichungen der letzten Jahren inhaltlich nicht überraschen, Limp Bizkit bleiben stattdessen auffallend konsequent, auch eine Eigenschaft, die in schnelllebigen Zeiten für Aufsehen sorgt und signalisiert, dass die Amerikaner nach ihrer Gründung rasch dort ankamen, wo sie musikalisch hinwollten.

Es galt, den Beasty Boys, den Red Hot Chili Peppers oder Mr. Bungle den Rang abzulaufen, ein Ziel, das vielleicht nie aufgehen konnte, aber mittlerweile gehören sie fest etabliert in den Nu Metal-Freundeskreis, wenn auch beständiger und deutlich populärer als diejenigen, mit denen sie einst um die Vorherrschaft bei den Plattenfirmen rangen. Das Lim Biz hat sich durchgesetzt. Die Mixtur aus etwas vulgär dahinrappendem Fred Durst, der sich auch auf der 2012er Tour gern stilecht in den Schritt fasste und in Jogginghosen vor sein Publikum trat, Stromgitarrenattitüden und Drumbeats hat sich den Platz erobert, von dem Kritiker ausgehen mussten.

Immerhin ist das erfolgsverwöhnte Zusammenspiel eine gute Erklärung, weshalb dieser Aufzug durchaus salonfähig wurde und Posererotik angesagt ist. Den passenden Soundtrack für den 3er aus den Bayrischen Motorenwerken kann sich jeder runterladen, unter dem Stichwort Limp Bizkit spuckt die Suchmaschine aus, was das Herz begehrt - seit 2011 auch "Golden Cobra", offen zelebrierte Onanie auf Statussymbole und Bitches, die sich längst nicht jeder leisten kann, an deren Stelle treten dann halt andere Lustprojekte: Pyrotechnik beispielsweise, kurz entfacht, rot aufgeflackert und ein Signal, in welchem Umfeld man sich gern sieht. Auch wenn in der Garde mit angezogener Handbremse über die Bühne gerollt wurde, in den hinteren Reihen eine Verständigung gut möglich war und Herren um die Vierzig laut über alte Zeiten nachdenken konnten, tat das dem Vergnügen kaum Abbruch, die Menschen in der näheren Umgebung wurden vielleicht nicht allzu viel belästigt und die Liegestuhlfraktion, die mit Grill und Bierchen im Park saß, hatte auch noch ihre Freude an Gassenhauern wie "Rollin'" oder "The Truth".

Die Garde durchzog eine Welle der Begeisterung, spätestens nach drei, vier Eröffnungstakten explodierten die männlichen Fans und reagierten damit adäquat auf die Verbalergüsse, den treibenden Sound und den vorgeturnten Habitus. Die Mädchen vernahmen dafür die Lyrics als Poesie, folgten tatsächlich den Lockrufen auf die Bühne und drängten sich eng an die Band. So kam jeder zu seinem Vergnügen, die einen hatten die weibliche Begleitung zum Glück, die anderen die Musik. Wer die Show als aufregenden Nu Metal-Erguss feiern konnte, hatte sicherlich eine Menge Spaß - Provokation als Antwort auf ungestellte Fragen. Stephan Wiegand

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 18.06.2012

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