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Liedermacherin Cäthe zu Gast in der Scheune in Dresden

Liedermacherin Cäthe zu Gast in der Scheune in Dresden

Geboren wurde sie vor 31 Jahren als Catharina Sieland in dem kleinen Städtchen Staßfurt im Süden der Magdeburger Börde. Doch einen Namen gemacht hat sie sich als Cäthe - eine junge und selbstbewusste Künstlerin, die in ihren mutigen und ehrlichen Liedern kein Blatt vor den Mund nimmt.

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Die 31 Jahre alte Liedermacherin veröffentlichte in diesem Jahr ihr zweites Album.

Quelle: Oliver Reetz

Vor rund zwei Jahren überraschte die seit 2005 in Hamburg lebende Liedermacherin mit einem erfrischenden Album namens "Ich muss gar nichts". Mit diesem ungezwungenen und burschikosen Werk sortierte sie sich im Spannungsfeld furchtloser Rockröhren wie Inga Rumpf, Lisa Dalbello oder Nina Hagen ein. Das neue Album heißt nun "Verschollenes Tier" und richtet den Blick mehr nach innen, ohne dass Cäthe ihre impulsive und offenherzige Kraft einbüßen würde. Das macht ihre Musik noch facettenreicher und vielschichtiger, wovon man sich jetzt selbst überzeugen kann: Morgen kommt die sympathische Sängerin mit ihrer Band nach Dresden und gastiert ab 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr) in der Scheune.

Frage: Ihr neues Album heißt "Verschollenes Tier" - wofür steht der Titel?

Catharina Sieland: "Verschollenes Tier" steht für all dasjenige, was es in dir zu entdecken gilt. Kindern ist es dabei völlig egal, ob sie Menschen, Vögel, Katzen oder Drachen sind. Wenn es Augen hat, ist es ebenbürtig.

Ist damit auch ein unterbewusstes Ich gemeint?

Meine Musik verbindet alle Ichs in mir und dafür bin ich wirklich dankbar. Musik lässt mich vergessen, wer ich gerade noch sein wollte. Sie wirft mich auf mich selbst zurück und auf die Emotionen, die in mir arbeiten und ihre Runden drehen.

Das Cover-Foto des neuen Albums zeigt Sie als kleines Mädchen beim Radfahren. Wie prägend waren diese Erfahrungen?

Fahrradfahren ist eine der ersten wichtigen Aufgaben im Leben für mich gewesen. Auf dem Cover ist der Versuch missglückt, obwohl ich glaube, dass ich zu diesem Zeitpunkt bereits fahren konnte. Es war eine Momentaufnahme, die ich vor einem Jahr in meinem Fotoalbum wieder gefunden habe und ich wusste sofort: Dieses Foto soll das Cover für die nächste Platte sein.

Und wie entstehen Ihre Lieder?

Die Lieder entstehen immer im Austausch mit anderen, auch wenn ich sie meistens alleine schreibe. Das Zwischenmenschliche ist meine Basis. Ich baue ein Haus, reiße es nieder und ziehe es wieder auf. So bleibe ich kreativ und produziere meine Stücke am Rechner. Meistens ist die Gitarre zuerst da, auch die Drums sind sehr entscheidend, wohin sich eine Idee entwickelt. Erst wenn ich das Gefühl habe, ein Lied mit einer inhaltlichen Aussage und emotionalen Haltung zu haben, die ich mir selbst glauben kann, gebe ich es her.

Das Album beginnt mit dem aufwühlenden Song "Hoch oben nah dem Sturm". Haben Sie die letzten beiden Jahre selbst als so stürmisch empfunden?

Das Lied beinhaltet die Aussage, zueinander zu stehen. Was häufig als stürmisch empfunden wird, ist das Loslassen von einer Vorstellung, die uns innerlich steif werden lässt. Für den einen ist es besser, in Ruhe gelassen zu werden, für den anderen ist es enorm entscheidend, gepackt und in einen Sturm gestellt zu werden. Die meisten Menschen wollen keinen Stress und gar nicht so genau wissen, wer sie sind. Ich dagegen möchte nicht in Ruhe gelassen werden, ich brauche regen Austausch, auch wenn es anstrengend ist.

Was waren die aufregendsten Ereignisse in dieser Zeit?

Seit "Ich muss gar nichts" erschienen ist, bin ich an vielen Erfahrungen gewachsen. Die Menschen in meiner Band spielen eine sehr wichtige Rolle in meinem Leben. Wir sind Freunde, Kreative, Anker und Flügel und wir können sehr viel miteinander teilen. Das ist mir unfassbar wichtig! Wir sind sehr unterschiedlich und es war ein Wink des Schicksals, dass wir so zueinander gefunden haben. Aber die aufregendsten Erlebnisse in dieser Zeit waren die stillen Tage.

Und haben Sie auch schlechte Erfahrungen gesammelt?

Es gibt natürlich auch Leute, die respektlos sind, die etwas auf mich projizieren, was nicht stimmt und es so stehen lassen wollen. Manchmal lege ich dann Einspruch ein, wenn es mir richtig gegen den Strich geht und mein nahes Umfeld betrifft. Ansonsten lasse ich es sein, etwas anzufangen, was kein Ende finden würde.

Ist das Musikbusiness tatsächlich so ein hartes und unnachgiebiges Geschäft, wie oft behauptet wird?

Das Business ist ein Saustall. Jeder starrt und giert. Es macht einfach keinen Sinn und hat auch keinen - außer Macht, Macht, Macht... Ich würde mich nicht darauf einlassen, wenn ich nicht ein bisschen darauf angewiesen wäre, damit zurechtzukommen. Ich wünsche mir sehr, dass sich das in den nächsten Jahren ändert und mehr Visionäre eine Haltung zeigen und sich durchsetzen werden. Ohne Sportsgeist geht es nicht, wenn du nicht zur Marionette anderer werden willst.

Wie schützen Sie Ihre Kunst vor zu großen Einflussnahmen?

Da ich bei allem mitrede, passiert es selten, dass ich eine kalte Dusche abkriege. Ich habe auch einen guten Draht zu allen, die Entscheidungen treffen. Ich lerne jeden Tag dazu und habe große Lust noch sehr viel zu lernen.

iCäthe ist mit ihrem neuen Album "Verschollenes Tier" morgen 20 Uhr zu Gast in der Scheune

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 26.11.2013

Thorsten Hengst

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