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Liebesgrüße von der Ostküste: HipHop-Treffen in der Dresdner Scheune

Liebesgrüße von der Ostküste: HipHop-Treffen in der Dresdner Scheune

Sobald sich eine neue Kultur etabliert, steht damit zeitgleich deren Ende in Frage: Welche Band überlebt wie lange, welche Stilrichtung hat eine gewisse Halbwertszeit? Was sich in den letzten Jahren immer wieder gezeigt hat, ist die Tatsache, dass manche Ideen derart faszinierend sind, dass auch Einfälle modifiziert werden können, sich Sound verbessern lässt und auch die Inhalte ändern.

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Jeru The Damaja, der schwarze Kaiser, wie er sich selbst gern nennt. Immer ein gutes Barometer, wenn es darum geht, den Sprechgesang zu definieren.

Quelle: Stephan Wiegand

Immer dann, wenn eine neue Subkultur das zulässt, dann sind die Chancen gut, dass der erste Trend einige Generationen überlebt. Heute ist es gut 40 Jahre her, dass die ersten Platten wieder zurückgedreht, die Nadeln in den Rillen bewegt oder zwei Titel miteinander kombiniert wurden. Das Ganze passierte nicht irgendwo auf der Welt, sondern in New York. Es war die Geburtsstunde des HipHop mit analogen Sounds, Klangfetzen und schnellen Wortspielereien, die ein bis dahin kaum gekanntes Lebensgefühl beschrieben und Einblicke gaben in ein Milieu, das für den Rest der Welt völlig uninteressant war. Plötzlich interessierte man sich für das Leben in der Bronx, die ersten DJs verschafften sich eine gewisse Ehre, und meist farbige Künstler wurden zum Sprachrohr ihrer Community. Auch wenn der HipHop sich in den letzten Jahren immer weiter verändert hat, es Höhen und Tiefen gab, geglückte Interpretationen und manchmal ein komplettes Versagen inklusive einer kollektiven Geschmacksverirrung der Fans, so hat doch die Grundidee überlebt - eine Musik, die gesellschaftskritisch ist, die faszinierend eingängig nicht ablenkt und generationsübergreifend verstanden wird.

Auch hierzulande profitieren einige Bands von dieser beeindruckenden Kultur, finden sich die Spuren der Sprayer in allen Großstädten, arbeiten die DJs immer noch nach ähnlichen Grundmustern, die Kommunikation funktioniert mit einem eigenen Slang, und die Körpersprache findet Ausdruck beim Breakdance. Weil sich längst nicht jeder mit der Berliner HipHop-Szene identifiziert und den tiefen Griff in den Schritt nicht sonderlich cool findet, weil sich abseits der Hermannstraße in der Hauptstadt kaum ein HipHopper für musikalisches Junkfood interessiert, geschweige denn die verkaufsfördernden Allüren ernst nimmt, blickt die Szene noch immer gern ins Mutterland des HipHop in die Staaten und dort an die Ostküste. Um die Distanz zu verkürzen, traten drei Interpreten in der Scheune auf die Bühne, die gerade für den neuen HipHop alter Schule stehen. The Doppelgangaz, Jeru The Damaja und R.A. The Rugged Man gehören vielleicht nicht zu den größten Exportschlagern, aber sie verbindet eines: sie sind authentisch und werden vom Rest der Szene akzeptiert und lassen Kooperationen zu. Und so lebte mit der Krasscore-Party ein schönes Stück HipHop-Geschichte auf, vielfältig, schön improvisiert und dicht am Publikum.

Die Entdeckung des Abends war sicherlich Jeru The Damaja, der schwarze Kaiser, wie er sich selbst gern nennt. Er ist noch immer ein gutes Barometer, wenn es darum geht, den Sprechgesang zu definieren, ist schlitzohrig genug, um jenseits der 40 das junge Publikum zu begeistern, und hat den nötigen Witz, damit Sozialkritik nicht mit einem erhobenen Zeigefinger daherkommt. Seine Songs wie beispielsweise "Da Bitchez" sind randvoll mit geballter Ironie, er ist einer der Wortführer für ein selbstbestimmtes Leben, und genauso hört sich seine in Ton gegossene Message auch an. Mit seiner aktuellen EP "The Hammer" ist er deutlich melodischer geworden, und seine Publikumsnähe ist es, die ihn am besten beschreibt.

Ihm gegenüber kam der zweite Headliner des Abend etwas farblos daher. Selbst wenn seine Biografie garniert ist mit beeindruckenden Kooperationen, da tauchen Namen wie Notorious B.I.G. oder Wu-Tang Clan auf, war es nicht ganz so präsent, was R.A. The Rugged Man zu sagen hatte. Stilistisch sicher fein, engagiert und gut vorgetragen, doch nicht ganz auf den Punkt fit. Von einem Künstler, der gern provoziert, die Szene spaltet und für Skandale sorgt, hatten die Gäste sicherlich mehr erwartet.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.12.2013

Stephan Wiegand

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