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Liebesbriefe: die britische Band Metronomy morgen im Alten Schlachthof

Liebesbriefe: die britische Band Metronomy morgen im Alten Schlachthof

Die Menschen in Klubs hätten oft so leere Gesichter, dass man nicht sagen könne, ob sie Musik mögen. Sie gehörten der "MP3-Generation" an, die eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne habe.

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Die britische Band Metronomy gastiert mit ihrem vierten Album "Love Letters" im Alten Schlachthof.

Quelle: Phil Sharp

Solche Sachen sagt Joseph Mount, Kopf der britischen Band Metronomy. Er muss damit rechnen, dass auch seine Hörer und Hörerinnen nicht mehr als drei Minuten dabei bleiben, was sich schon mal in einem komplett kurzstückigen Album widerspiegelt. Ist das Resignation oder kluge Anpassung? Mount jedenfalls macht weiter Musik und erzählt auch auf dem aktuellen Album seine sehr eigenen Geschichten, die heftig zwischen digitaler Gelassenheit und analoger Leidenschaft pulsieren. Die Spannung entlädt sich praktisch nie.

Einige Songs auf dem vierten Studioalbum "Love Letters" (2014, Warner/Because Music) beginnen mit diesem hölzernen Computerbeat. Doch schon nach wenigen Sekunden füllen sie sich, meistens mit analogen Synthie-Orgeln, die die Songs öfter mal zurück in die Vergangenheit ziehen, ohne wirklich so zu klingen. Joseph Mount singt dazu mit zerbrechlicher Stimme, singt seine Liebesbriefe, an eine Liebe, die meistens schon weg ist oder kurz davor steht zu gehen. Mount spielt auch das Keyboard und die Gitarre, die kaum mehr als durchklimpert. Ergänzt wird dieser Sound durch Oscar Cash (Keyboard, Saxophon), Gbenga Adelekan (Bass) und Anna Prior (Schlagzeug), die vermutlich vor allem live ihren Platz einnehmen werden, den sie auf der Platte vorsichtig vorzeichnen.

Melancholisch ist die Stimmung, auch wenn es sich dazu ganz gut hüpfen lässt. Widersprüche miteinander in Mehrklang. In "Love Letters" zum Beispiel, dem Song zum Album, geht es erst ganz minimalistisch und Saxofon-getragen zu und plötzlich bricht es aus - in ziemlich groovigen Soul, in eine Art Motown Records-Sound, wie er heute klingen könnte. Die erste Single "I'm Aquarius" dagegen setzt auf kühle Claps, auf endlose Wiederholung und macht "schoop du du aah" dazu. So geht das ein paar Mal, das mit der musikalischen Verwirrung, bis hin zu Neunziger Jahre-Gitarrensolos, die hinten herum durch den Opener "The Upsetter" drängen, ohne, dass er dabei auseinanderfällt. Der Misch-Minimalismus hält alles ganz gut zusammen und zwingt das Analoge an das Digitale. Zum Kuscheln. Das hat sich über die Jahre und die Platten entwickelt. Schon 1999 gegründet, spielen sich Mount und ein paar Schulfreunde als Metronomy in den 2000ern bis vor die Klaxons, einer Vorzeigeband in Sachen Nu Rave. Denn auch sie ballern auf ihrem Debüt "Pip Paine" (2006, Holiphonic) ihre Sounds noch einigermaßen tanzwütig heraus, aber schon damals in so viele Richtungen, dass jedes weitere Album eigentlich nur spannender werden konnte. Mit ihrem 2011er "The English Riviera" schaffen sie dann sowas wie den Durchbruch, in einen musikliebhabenden Kreis jedenfalls. Spätestens da ist klar, Metronomy mögen poppiges Taktgefühl lieber als wummernde Beats. Sie wollen Ausdruck in den Gesichtern beim Tanzen. "Love Letters" ist noch einmal eine Weiterentwicklung, hin zum entschlackten Neubau mit Erinnerungen an Warp Records-Konstrukteure wie Autechre, LFO oder Aphex Twin, ohne dabei auf schwelgerische Musical- oder zaghafte Menuett-Anleihen zu verzichten. Metronomy brechen entschleunigt in Richtung Vergangenheit auf, in eine Vergangenheit, die irgendwo in der Zukunft liegt.

Metronomy spielen morgen, 20 Uhr im Alten Schlachthof. Support ist Teleman. Tickets ab 26,50 Euro gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.12.2014

Juliane Hanka

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