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Liebe, Schmerz, Freude und Qual beim "Lied in Dresden"

Liebe, Schmerz, Freude und Qual beim "Lied in Dresden"

Sie waren eins im Geiste, in ihrem romantischen Lebensgefühl voller Seelenschmerz und unerfüllten Sehnsüchten - Heinrich Heine und Robert Schumann. Die im "Liederjahr" 1840 entstandene Dichterliebe op.

48 ist eines der ersten und wunderbarsten Zeugnisse davon. Aber auch viel später, in einem seiner letzten Zyklen, op. 127 und 142, griff Schumann noch einmal auf das "Lyrische Intermezzo", geschrieben 1822/23, aus Heines "Buch der Lieder" zurück. Wenn man zu den Gedichten greift (und das sollte man im Ergebnis dieses Abends wieder einmal ausführlicher tun), erschrickt man oft über deren Sarkasmus, über die Bitterkeit darin, staunt aber auch über die kaum zu erwartenden sehr heutigen Bezüge.

Bei Schumanns Auswahl aus den insgesamt 65 Gedichten und seinen feinsinnigen Vertonungen erscheint da vieles abgemildert, sanfter. Und so war es eine sehr schöne Entscheidung des Veranstalters "Das Lied in Dresden", nicht nur die "Dichterliebe" zur Aufführung zu bringen, sondern sie in den Kontext zu den Gedichten zu stellen und dies in der Originalreihenfolge. Da erschienen der so oft gehörte Liedzyklus (an ihm kommt wohl kein Liedsänger vorbei) ebenso wie die späten Schumann-Lieder in völlig neuem Licht.

Dazu kam noch, dass auch die interpretatorischen Voraussetzungen vom Feinsten waren. Der junge (er ist noch keine 30 Jahre alt), aus der Schweiz stammende und in Braunschweig engagierte Tenor Matthias Stier brachte das rechte Verständnis sowohl für Schumann als auch für Heine mit. Er verstand es, klug und treffsicher zu charakterisieren, die Miniaturen jeweils mit der angemessenen Stimmung zu erhellen. Seine kernige und strahlkräftige Stimme, die in allen Lagen prachtvoll trug und keine Hürden kannte, war das beste Fundament, das man sich denken konnte.

Ausdrucksmäßig zeigte sich Matthias Stier äußerst flexibel und einfallsreich - nichts zu viel, nichts zu wenig. Dass er dabei den gestalterischen Spagat zwischen der "Dichterliebe" und den Schöpfungen aus Schumanns Reifezeit so mühelos schaffte, spricht besonders für ihn. Beispielhaft seien das Liedpaar "Wenn ich in deine Augen seh" (mit schwärmerischer Innigkeit) und "Dein Angesicht" op. 127 Nr. 2 (mit gebrochenem Ausdruck), die geheimnisvolle Aura von "Aus alten Märchen winkt es" oder die fein ausbalancierte Ironie von "Ein Jüngling liebt ein Mädchen" genannt. Schnörkellos kam "Ich hab im Traum geweinet" daher. An Matthias Stiers Seite wirkte mit Semjon Skigin ein bewährter Pianist. Er spornte an und setzte eigene Akzente, zuverlässig und konturenscharf - immer wieder aber auch recht dominant und laut.

Dritter im Bunde war der Dresdner Schauspieler Friedrich-Wilhelm Junge, der mit seiner geschliffenen Sprachkultur und einem intimen Heine-Verständnis dem ganzen Unternehmen seinen sehr persönlichen Stempel aufdrückte. Wenn er etwa die unmittelbare, emotionale Dichte, die Matthias Stier dem Lied "Ich grolle nicht" angedeihen ließ, in seiner Rezitation von "Ja, du bist elend" gleichsam aufnahm und vertiefte bzw. den ganzen gefühlsmäßigen Facettenreichtum der Heine-Gedichte ausbreitete, ihre Abgründe, aber auch ihre heiter ironischen Seiten - so waren das Erlebnisse, die zutiefst berührten und im Gedächtnis bleiben werden. Ein wunderbarer Abend!

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 13.11.2012

M. Hanns

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