Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Google+
Lichtkunstinstallation "Restzeichen" des Dresdner Künstlers Paul Elsner am Kraftwerk Mitte

Lichtkunstinstallation "Restzeichen" des Dresdner Künstlers Paul Elsner am Kraftwerk Mitte

Nach einem spätherbstlich-sonnigen Tag legt sich die Dämmerung über die Stadt. Auf der Freifläche am Wettiner Platz hat sich eine Menschentraube versammelt, die gespannt auf das ehemalige Reaktanzenhaus am Eingang des Kraftwerks Mitte blickt.

Die klare Geometrie des Gebäudes krönt seit ein paar Tagen eine Gerüstkonstruktion, an der ein Anzeigesystem aus insgesamt 75 trapezförmigen Zeichen befestigt ist. Auf einmal flimmern grün leuchtende LED-Segmente in undefinierbarer Bildstruktur über das 9 mal 5 Meter große Display.

Auf diesen Moment hat der Installationskünstler Paul Elsner zwei Jahre lang hingearbeitet. Bereits 2012 war er mit seiner Idee einer Lichtinstallation für das Kraftwerk Mitte an die Kunstkommission der Landeshauptstadt Dresden herangetreten - zu einer Zeit also, als die Zukunft des Kulturkraftwerks noch längst nicht klar war. Die Kommission entscheidet über Kunstprojekte im öffentlichen Raum und war von Elsners Werk, das auf so eindrückliche Weise die Tradition des ehemaligen Zentrums für Energieversorgung mit dem zukünftigen Kulturtransfer verbindet, schnell eingenommen.

"Kunst muss sich auch an nichtmusealen Orten zeigen", erklärt der Kunstkommissionsvorsitzende und HfBK-Professor Olaf Lauströer in seiner Laudatio. Schließlich werde Dresden gerne als Gesamtkunstwerk bezeichnet. Dabei lassen sich Künstler, die Kunst für den öffentlichen Raum schaffen, auf etwas ein, das hoch zu würdigen ist, liefern sie ihre Werke doch nicht nur dem Wetter und den urbanen Gegebenheiten schutzlos aus, sondern auch einer ständigen Öffentlichkeit, die nicht immer nur wohlwollend ist.

Doch genau das ist es, was Paul Elsner seit Beginn seines Kunstschaffens immer wieder dazu drängt, Installationen zu entwickeln, die jeden erreichen, im wahrsten Sinne im öffentlichen Raum stehen. Vor allem in Dresden hatte der aufmerksame Passant schon mehrfach die Gelegenheit, Elsners Kunst im Vorbeigehen zu erblicken. 2007 flimmerten im Rahmen des übergreifenden Kulturprojekts "Dresdner Totentanz" Gedichtfragmente über die Fassade des Georgentores am Dresdner Schloss. 2008 versah er - gemeinsam mit der Künstlergruppe Lumopol - die neue Konzerthalle der Musikhochschule mit einer Lichtinstallation. "Es geht um das Unvermittelte, Unverhoffte und die unerwartete Poesie, mit der der Passant konfrontiert wird." Elsner möchte dem zunehmend "durchkommerzialisierten Stadtraum" eine gewissermaßen "zweckfreie Kunst" entgegensetzen, die dennoch die Möglichkeit bietet, etwas bewusst zu machen. Im Falle seiner neuesten Installation am Kraftwerk Mitte, die den passenden Titel "Restzeichen" trägt, wollte er ein temporäres Denkmal schaffen, das für die Umkodierung des Ortes von industrieller in kulturelle Produktion steht. Gleichzeitig stehen die zumeist sinnfreien Strichformationen, die irgendwie ein wenig an die grünen Zeichenkaskaden aus dem Film "Matrix" erinnern, für einen Umbruch in den heutigen Kommunikationsbeziehungen, in denen die Schrift als primäres Verarbeitungssystem zunehmend an Bedeutung verliert.

Ein Wermutstropfen bleibt: Dass von der Ideenvorstellung bis zur Umsetzung seiner jüngsten Installation über zwei Jahre ins Land gingen, lag vor allem an der schwierigen Finanzierung. Zwar wurde das Werk mit insgesamt 58 000 Euro durch die Kunstkommission der Landeshauptstadt Dresden für Kunst im öffentlichen Raum, die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, die Alfix GmbH und die DREWAG gefördert. Dennoch blieben einige Tausend Euro und unzählige unbezahlte Arbeitsstunden an Paul Elsner selbst hängen. "Wenn ich gewusst hätte, dass es finanziell so schwierig wird, hätte ich es wohl nicht gemacht", resümiert er. Da die "Restzeichen" nun aber glücklicherweise da sind und zu bewusst unkalkulierbaren Zeiten über das Riesendisplay flimmern werden, lohnt sich in den kommenden 16 Monaten der Blick auf das Reaktanzenhaus am Kraftwerk Mitte. Und manchmal, mit etwas Glück, erwischt man einen Moment, in dem sich aus den undefinierbaren Zeichen plötzlich lesbare Wörter und Zahlen formen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.11.2014

Susanne Magister

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr