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„Lichter – Die weibliche Perspektive“im Dresdner Rathaus

Ausstellung „Lichter – Die weibliche Perspektive“im Dresdner Rathaus

Unter dem Titel „Lichter – Die weibliche Perspektive“ wird in der Galerie 2. Stock im Rathaus die zweite Ausstellung der Jahresreihe „Verwebungen, Orient .– Okzident“ ausgerichtet. Bei den vier Ausstellungen in diesem Jahr handelt es sich um Künstler/innen, die aus den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens stammen oder die dortigen Länder bereisten.

Aus der Serie „Väter und Töchter“ von Nafise Motlag: Das Bild zeigt Arezoo mit ihrem Vater, der Teppichhändler ist.

Quelle: Nafise Motlag

Dresden. Unter dem Titel „Lichter – Die weibliche Perspektive“ wird in der Galerie 2. Stock im Rathaus die zweite Ausstellung der Jahresreihe „Verwebungen, Orient .– Okzident“ des Dresdner Vereins Freunde des modernen Orients ausgerichtet. Bei den vier Ausstellungen in diesem Jahr handelt es sich um Künstler/innen, die aus den Ländern des Nahen und Mittleren Ostens stammen oder die dortigen Länder bereisten, wie die Dresdner Fotografin Virginia Tutila und die heute in Malaysia lebende iranische Fotografin und Journalistin Nafise Motlaq, die in der aktuellen Ausstellung von ihren Eindrücken und Erfahrungen mit Menschen einer anderen Kultur erzählen. Ihr Medium ist vor allem die Farbfotografie.

Die Dresdnerin Virginia Tutila, die die Ausstellung auch kuratierte, ergänzt ihre hochformatigen Aufnahmen durch eigene Acrylcollagen im gleichen Format, die das architektonische Thema (Basar in Damaskus) aufnehmen, weiterentwickeln und kommentieren. Neben den beiden Frauenbildern (im Profil und angeschnitten) vertieft die Künstlerin architektonische Details von Moscheen in ihrer iranischen Ausprägung, vor allem die islamische Bogenarchitektur mit Arkaden und Riwaqs. Das Wahrzeichen des Islam und Ort gemeinschaftlicher Verehrung Gottes (auch als Ort sozialer und kultureller Kommunikation) wird hier menschenleer und puristisch, fast karg in ein verhaltenes Licht gerückt. Dabei spielt die Künstlerin auch mit den schmucklosen, konstruktiven Formen der Spitzbögen in wechselnder natürlicher Beleuchtung.

Unter dem Titel „Väter und Töchter“ reihen sich zwei Dutzend Farbfotografien in einer Serie von Nafise Motlaq aneinander: Die einfühlsamen Familienporträts (immer im einheitlichen quadratischen Format) sprechen von einer ganz eigenen Welt. Ihnen sind jeweils Statements der Töchter in Deutsch und Englisch beigegeben, die ihr Verhältnis zum Vater und ihr Vaterverständnis klarstellen. Es wird einem warm ums Herz, wie hingebungsvoll manche Tochter ihren Vater bewundert und wertschätzt, aber auch den Abstand zu ihm markiert und ihn durchschaut. Die Porträts erfassen Menschen quer durch die iranische Gesellschaft, darunter Landarbeiter, Betriebsleiter, Schriftsteller, Schäfer, Bibliothekare, Händler, Jäger, Ingenieure, Professoren, Beamte und Musiker. Meist in der für sie gewohnten Umgebung des Zuhauses aufgenommen, offenbaren die Fotografien intime Momente, wie Atefah und ihr Vater, von dem die Tochter sagt: „Wir sind völlig anderer Ansichten. Aber er liebt mich und das weiß ich. Deshalb streite ich mich nicht mehr mit ihm. Er hat ein großes Herz“.

Die Fotos und ihre subtilen Kommentare aus weiblicher Sicht erschließen dem Betrachter einen Teil der iranischen Gesellschaft, die gar nicht so weit von unserer entfernt ist. Indirekt erschließt sich mit ihrer Hilfe ein Frauenbild, das von Selbstlosigkeit, Hingabe und Aufopferung, aber auch von einem zunehmenden Selbstbewusstsein gekennzeichnet ist. Es scheint, als hielten die Frauen die Gesellschaft zusammen und bildeten ihren kulturellen Hintergrund. Schließlich handelt es sich um ein Land mit 7000-jähriger Geschichte und hoher Zivilisation. Das vergessen manche vielleicht. Dieser Spiegel, den uns Motlaq vorhält, verweist uns auf das Fremde in uns, das Bestandteil unseres Selbst ist. So entstehen durch die von den Fotos vermittelte Nähe Sympathie und Verständnis für das islamische Land, eine Verwandtheit, die quer durch die Gesellschaft hier und dort geht und sich über kulturelle, religiöse und mentale Unterschiede hinwegsetzt.

bis 15. April. Galerie 2. Stock, Rathaus Dresden, Dr.-Külz-Ring 19, Dresden, Tel.: 0351/ 488 23 90, www.dresden.de täglich geöffnet von 7-20 Uhr.

Von Heinz Weißflog

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