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„Licht aus“ heißt die letzte Uraufführung für Dresdens Kinder- und Jugendtheater in Cotta

Theater Junge Generation „Licht aus“ heißt die letzte Uraufführung für Dresdens Kinder- und Jugendtheater in Cotta

Es war ein berührender Abschied vom Domizil im Dresdner Westen. Mit „Licht aus“ brachte das Theater Junge Generation (tjg) einen reflektierendes Abschluss seiner 67 Jahre im Stadtteil Cotta auf die Bühne. Alles dreht sich in der Inszenierung um die Gedankenwelt junger Theatermacher. Ab Dezember bespielt das tjg das Kraftwerk Mitte – gemeinsam mit der Staatsoperette.

Die Publikumsreihen unter weißem Tuch. Endgültig an diesem Ort.

Quelle: Dorit Günter

Dresden. Die Musik wird am Ende nicht getragen oder pathetisch. Kein streicherverquollenes Arrivederci. Obwohl die Szene etwas Endgültiges, Unverrückbares hat. Zwei Mädchen rennen die Treppen neben den Publikumsreihen hinauf und spannen ein riesiges weißes Tuch über die Sitze. Es legt sich wie ein überdimensionales Segel auf die Polster und signalisiert: Aus und vorbei. Nicht nur für diesen Abend. Dieser Ort im Dresdner Westen hat nach 67 Jahren als Theater ausgedient.

Das mag hart klingen, ist es aber nicht. Mit der Einschränkung, dass natürlich die unmittelbare Nachbarschaft (Cotta und Briesnitz) als auch die daran anschließende wie Gorbitz einen Verlust erleiden. Er sollte jedoch kompensierbar sein, schließlich verschwindet das Theater Junge Generation (tjg), Deutschlands größtes und nach Leipzig zweitältestes Kinder- und Jugendtheater, nicht in der Versenkung. Ab 16. Dezember soll es das Kraftwerk Mitte, Dresdens jüngste Kulturzentrale, als neues, hochmodernes Domizil mit Leben erfüllen.

Wer noch Zweifel hatte, dass die gut 90 Millionen Euro, die in den Umbau des Kraftwerks fließen (wo das tjg die Staatsoperette als Nachbar bekommt), gut angelegtes Geld sind, der dürfte sie bei der letzten Uraufführung „Licht aus“ am Wochenende in Cotta endgültig begraben haben. Rund 50 Minuten lang sorgte eine Bewegungstheater-Performance mit zwölf Protagonisten zwischen 14 und 20 Jahren nicht nur für einen berührenden, jedoch nicht rührseligen Abschied. Sie spiegelte auch die Zugewandtheit des Hauses zu den Jugendlichen, den handelnden Personen dieses Abends. Eine Kernaufgabe, in die schwerlich zu viel investiert werden kann.

Zehn Mädchen (respektive junge Frauen) und zwei Jungen stehen am Schluss auf der tjg-Bühne, nehmen den letzten Applaus entgegen, manche Träne fließt. Zuvor haben sie als Pulk und auch individuell erst den Vorplatz bespielt, dann die Garderoben, das Foyer, schließlich die große Bühne. All das umrahmt und gehalten von einem Soundtrack der Erinnerungen. Via Kopfhörer bekommt das Publikum, das der Vorstellung zu Fuß folgt, die Erfahrungen, Hoffnungen, Zweifel der jungen Schauspieler eingespielt. Wie der Gedanke, damals, beim ersten Besuch, über das Kopfsteinpflaster zum Theater hin gelaufen zu sein. Oder über die freudige Erwartung, mit dem Gang ins Theater gleichzeitig in eine andere Welt einzutreten, ob nun als Zuschauer oder Mitspieler. Denn auch von den Probenerfahrungen erfährt man, von der Stärke dieses Ich-will-Theater-spielen-Vorsatzes, vom Scheitern bei einer Szene, von Schnittverletzungen oder gar einem Kreuzbandriss. Was in dieser Komprimiertheit etwas martialisch klingt, aber auch da lediglich Spiegel der wunderbaren und harten Theaterwelt gleichermaßen ist.

Dazu kommt auf dem Vorplatz eine Szene mit Besonderheitscharakter: Intendantin Felicitas Loewe steht etwas abseits vom Publikum und schaut auf das junge Dutzend, wirkt gleichzeitig gedankenverloren und ergriffen. Vielleicht war das ihr ganz persönlicher Abschiedsmoment.

Die Musik von Katharina Lattke, die die Statements der jungen Schauspieler der tjg-Theaterakademie ummalt, trägt dabei von Beginn an einen Schuss Melancholie, den sich dieses Adieu verdient hat. „Licht aus“ ist aber vor allem eine völlig unprätentiöse Zusammenschau auf das, was dieses Theater ausmacht: Kinder und Jugendliche, auf der Bühne genauso wie als Publikum. Deshalb sind die Gedanken der jungen Leute und ihr bewegtes, bewegendes Spiel (Regie: Karen Becker) so viel passender als jede fulminante Abschlussgala. Ganz persönlich wird es schließlich, als die Schauspieler auf die Zuschauer zugehen, Abschiedsfotos schießen und verschenken, Freundschaftsbändchen um Handgelenke knüpfen, es zu Umarmungen kommt. Das ist Vertrautheit, kein Anbiedern.

All das wünscht man sich auch ab Dezember in der Stadtmitte. Vieles spricht dafür, dass es so kommen wird. Selbst wenn noch so mancher mit dem Cotta-Blick auf die Elbe oder den Pavillon im tjg-Hinterhof den Umzug bedauern mag. Orte werden erst durch Menschen zu Plätzen, denen wir Bedeutung beimessen. Das gilt auch fürs alte, neue tjg. Kein Grund zur Trauer also. Vielleicht aber für eine kleine Traurigkeit.

tjg-Bädertour ab 20.5. mit „Hans im Glück“ in neun Freibädern in und um Dresden

www.tjg-dresden.de

Von Torsten Klaus

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