Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 2 ° Regenschauer
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland RND

Navigation:
Google+
Leonore Adlers Arbeiten in einer Ausstellung im Blickpunkt in Dresden

Leonore Adlers Arbeiten in einer Ausstellung im Blickpunkt in Dresden

Unbeständig und veränderlich, launisch und wechselhaft - so wurden in der antiken Äneis von Vergil die Frauen beschrieben. In Leonore Adlers Ausstellung kommt man jedoch zu der Erkenntnis, dass diese Charakterisierung auch auf andere Wesen zwischen Himmel und Erde zutrifft.

Voriger Artikel
Jazz-Gitarren-Star Biréli Lagrène setzte dem String Spring Festival die Krone auf
Nächster Artikel
VarioVocale Dresden gab ein Benefizkonzert in der und für die Weinbergskirche

Leonore Adler. Flosofo. 2008. Collage. Repro: Typostudio SchumacherGebler

Besondere Aufmerksamkeit widmet die Dresdner Künstlerin dem Verhältnis von Mensch und Natur. Oberflächlich betrachtet könnte der Eindruck entstehen, ihre Arbeiten zeigten eine geheimnisvoll harmonische Welt, die wir geneigt sind, als "schön" zu bezeichnen. Doch meist sind Überraschungen, Spitzfindigkeiten, schockierende Tatsachen oder leichte Obszönitäten eingeschlossen, wie das Leben sie bereit hält.

Schnell wird beim genauen Hinsehen deutlich, dass sie die Natur keineswegs als pure Idylle und keineswegs als nur "schön" betrachtet: In der Natur herrscht ein ständiger Überlebenskampf, herrschen ständiges Sterben und Werden, ständiges Fressen und Gefressenwerden. Anmutige Formen, leuchtende Farben und lockende Düfte verbergen oft hochgiftige Substanzen. Der Alkohol, der den Blick einer "Bacchantin im Sturm" trübt, so dass sie gar nicht bemerkt, wie um sie herum alles in Stücke geht, ist nur eines der vielen Geheimnisse der Natur.

Ein anderes ist der Bittersüße Nachtschatten. In Leo Adlers "Stillleben in grün" leuchtet er verführerisch zwischen Pfirsichen, Melonen und Erdbeeren hervor. Es ist dieselbe Beerenfrucht, die im Mittelalter gegen Schmerzen und "Nachtschaden" (Alpträume) verabreicht wurde - kurz: ein übel-giftiges Rauschmittel, dessen verderbliche Wirkung man seinem angenehmen Äußeren nicht ansehen kann. Leo Adler platziert eine Dolde davon mit der gleichen Selbstverständlichkeit und Eleganz auf dem gedeckten Tisch der Natur, wie all die anderen bekannten und wohlbekömmlichen Köstlichkeiten.

Andere Stillleben zeigen zarte, detailreiche Pflanzenstudien, bei denen eine Frucht oft, wie zur exakten botanischen Bestimmung, aufgeschnitten dargestellt ist. Man sieht, wie bezaubernd Kerngehäuse eingerichtet sind oder wie der Strunk eines aufgeschnittenen Rotkohls seine Kräfte wie mit ausgestreckten Armen und mit vollen Händen in alle seine Blätterschichten verteilt. Solch ein bewährtes System kann auch von welken Blättern und dornigen Zweigen nicht aus dem Takt gebracht werden.

Man spürt Leonore Adlers Entdeckerfreude in der heiteren, spielerischen Form vieler Arbeiten. "Flosofo", das rätselhafte Motiv, entstand als Mischtechnik aus Collage, Materialdruck und Malerei: Auf Wellpappe als Bildträger collagierte sie werbeträchtig bedruckte Vepackungspapierchen aus Staniol- und Seidenpapier, die sich ihrer Bestimmung gemäß starker Farbeffekte bedienen, wie Goldglanz oder direkter Komplementärkontraste. Auch fotografische Details aus Zeitschriften klebte Leonore Adler auf, ehe sie alles symbolistisch übermalte und mit Abdrücken echter Laubblätter bedruckte. Die sichere Komposition, Überlagerungen und Staffelungen sowie die wiederholte Aufnahme von Grundfarben in alle Elemente fassen das Bildganze zusammen. Spannung bringt ein nicht genau zuzuordnendes Auge ins Bild. Und mit etwas Geduld lassen sich auch die kleinen Dinge links unten identifizieren, beispielsweise aufgeblasene Gummihandschuhe mit rot- und blaulackierten Fingernägeln. Man könnte meinen, es entsteht das Menetekel einer paradiesischen Landschaft, unter deren Oberfläche es brodelt, während sich in ihr letztlich überflüssiges, dekadentes Menschenwerk breit macht.

Leo Adlers Arbeitstechnik variiert, varium et mutabile, sie arbeitet auf Leinwand, Pappe oder Papier, meist in spezifischer Weise mit Acryl-Aquarell auf Bütten. Sie integriert mitunter Salz, Gold- und Silberschimmer, Materialdruck und Collageelemente. Veränderter Lichteinfall, unterschiedliche Betrachterstandorte können die Wirkung ihrer Arbeiten mitunter wesentlich verändern! So wirken sie lebendig, launisch und immer veränderlich.

Leonore Adler hat ihre Ausbildung vor allem im grafischen Bereich absolviert, zunächst als Schriftsetzerin im Leipziger Druckhaus, bei gleichzeitigem Besuch der Abendschule an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, wo sie 1973-78 ein Direktstudium als Diplomgrafikerin anschloss, bei Professoren wie Arno Rink und Rolf Kuhrt. Seit 1979 lebt und arbeitet sie in Dresden. Bekannt wurde sie nicht nur in vielen Ausstellungen und Beteiligungen, sondern auch als Mitbegründerin und aktives Mitglied der Künstlerinnengruppe Sezession 89, als Kreativ-Pädagogin und nicht zuletzt mit ihrer im Jahr 2003 gegründeten Mal- und Zeichenschule LEO.

Bis 4. Mai: Blickpunkt, Forststraße in der Praxisklinik Herz und Gefäße. Forststraße 3. Mo-Do 7.30-19 Uhr, Fr 7.30-14 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 24.04.2012

Jördis Lademann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr