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Leoni Wirths Entwürfe im Dresdner Kunsthaus

Ausstellung Leoni Wirths Entwürfe im Dresdner Kunsthaus

Leoni Wirth ist in Dresden kein geläufiger Name mehr. Dabei war sie es, die mit Entwürfen für die Innenstadt versuchte, Maßstäbe zu setzen. Nicht nur mit dem, gemessen am Original, mittlerweile nur noch in Teilen auf der Prager Straße zu erlebenden Pusteblumen-Springbrunnen.

Blick in die Ausstellung.

Quelle: David Brandt

Dresden.  Wer in Dresden kann heute noch etwas mit dem Namen Leoni Wirth anfangen? Vermutlich nur wenige, speziell an der stadträumlichen Gestaltung Interessierte. Schon in den Jahren ihrer großen kreativen Verwirklichung, trat die Person eigentlich hinter dem Geschaffenen zurück. Ab 1969 kannte wohl beinahe jeder Dresdner die Pusteblumen auf der Prager Straße. Dass die stacheligen Sprühköpfe des beliebten Brunnens das Werk der Dresdner Künstlerin waren, realisiert mit dem Kunstschmied Karl Bergmann, wussten schon weit weniger. Heute existiert auf der längst umgestalteten Prager Straße nur noch ein Relikt des Originals. Wirths hoher Schalenbrunnen, der an flache Blütenkelche erinnerte, ist völlig verschwunden und eingelagert.

Bevor die Vergesslichkeit ganze Arbeit leisten kann, hat die Städtische Galerie Kunsthaus Dresden der Bildhauerin, Raumplanerin und Architektin (dieses Studium hatte sie abgebrochen) eine Ausstellung gewidmet. Leoni Wirth – 2012 verstorben – wäre jetzt 80 Jahre alt, aber nicht einmal bei ihrem Vornamen herrscht Einigkeit. In vielen Publikationen ist sie „Leonie“; hier soll die Schreibweise des Kunsthauses beibehalten werden.

Unter Mithilfe des Sohnes der Künstlerin, Dr. Hans Wirth, konnte die erste Ausstellung einiger ihrer Arbeiten überhaupt realisiert werden, zumindest ist eine weitere nicht bekannt. Die auf drei großen Tischen präsentierten Modelle und Entwürfe aus verschiedensten Materialien, die Zeichnungen und anderen Arbeiten auf Papier sollten wohl nie die Umgebung des Ateliers verlassen. Leoni Wirth verwirklichte sich im Stadtraum. Dort schuf sie Blickfänge mit Verweilqualität, bezogen auf die jeweils umgebende städtebauliche Gestaltung. Ihr bevorzugtes Sujet waren Wasserspiele, die Materialien Metall und insbesondere Glas im Wechsel des Lichts. Unter den gezeigten Werkstatt-Exponaten finden sich Entwürfe, die man gern umgesetzt gesehen hätte. Technische Machbarkeit vorausgesetzt, die Wirth in diesem frühen Stadium auch mal mit einem Fragezeichen versehen hat.

Ihre Phantasie schöpfte aus floralen Elementen, aus Naturhaftem, Vegetativem. Daraus entwickelte sie geschwungene Formen, Durchbrüche, grafische Muster, die sich in Zeiten des sozialistischen Realismus deutlich einer Abstraktion näherten. Einige Blätter wie die Fadenarbeiten besitzen ganz eigenständige Kraft. Dass diese Auswahl überhaupt getroffen werden konnte, ist auch dem Kunstfonds des Freistaates Sachsen zu danken, der einen Teil von Wirths Arbeiten verwahrte, nachdem sie ihr Atelier altersbedingt verlassen musste. Das Atelier-Haus in Rochwitz hatte sie in den frühen 1960er Jahren selbst entworfen. Jetzt vermitteln die über einen Monitor laufenden Fotografien von Holger Goehler noch einen letzten Eindruck.

Leoni Wirth, Foto aus ihrer Studentenakte

Leoni Wirth, Foto aus ihrer Studentenakte.

Quelle: HfBK Dresden, Archiv

Auch die Brunnen auf der Prager Straße des Nachkriegs, eine der ersten Fußgängerzonen in Deutschland, entfalten ihre originäre Wirkung nur auf dem Bildschirm. Die Raumgliederung der Nachkriegsmoderne ist heutigem Zeitgeschmack und günstigeren Shopping-Bedingungen gewichen. Von Leoni Wirths Pusteblumen wurden nur die drei kleineren in ein neues Becken integriert, wo sie eher kümmerlich wirken. Die Künstlerin hatte seinerzeit vergeblich versucht, ihr Urheberrecht durchzusetzen (und sich zunehmend nur noch dem Schutz von Tieren verschrieben). Mit dem Architekten Wolfgang Hänsch sollte sich später der Streit um das Urheberrecht im Städtebau fortsetzen, ganz zu schweigen vom Verschwinden vieler künstlerischer Innenraumlösungen.

Leoni Wirths kompletter Pusteblumen-Brunnen versprüht sein Wasser seit 2009 mit drei neu gefertigten Teilen nun in Prohlis. Dort konnte sie 1986 auch eine Windplastik mit farbigem Glas realisieren. Im Stadtzentrum, aber eher ein Randdasein am Robotron-Gelände fristend, existiert noch der Glasbrunnen „Hyazinthen“ mit seinen drei abstrahierenden Blütenstämmen. Eine Sanierung des Umfeldes wäre dringend geboten.

Die Kuratoren Torsten Birne und Christiane Mennicke-Schwarz haben Wirths Nachlass durch Arbeiten von sechs internationalen zeitgenössischen Künstlern ergänzt. Diese entstammen anderen Kulturkreisen, haben globale Erfahrungen und sind höchstens halb so alt, wie Leoni Wirth heute wäre. So spannt die Schau geschickt einen Bogen von der Kunstentfaltung in Zeiten enger äußerer Grenzen hin zu Positionen gegenwärtiger Weite. Dadurch gewinnen einerseits Wirths Arbeiten an Raum, beweisen den Blick über den Horizont und zeigen andererseits die ausgewählten aktuellen Werke durchaus verwandte Tendenzen: Pflanzenformen und Geometrie bei Rimma Arslanov aus Tadschikistan, Ornamentales in Susan Hefunas „Ägyptischem Traum“, Glasscherben bei Ali Kaaf aus Algerien. Auch Le Corbusier fehlt nicht, in Farbfotografien der Thüringerin Margret Hoppe, die dessen sakrale Architektur in ungewöhnlichen Perspektiven zeigt. Le Corbusier stand nicht zuletzt Pate für die lange Wohnzeile an der Prager/St. Petersburger Straße. So schließt sich erneut ein Kreis.

Ausstellung: „Ortstermin mit Leoni Wirth“ bis 6. März, Kunsthaus Dresden, Rähnitzgasse

Begleitprogramm:

7. Februar, 11 Uhr: Stadtspaziergang zu architekturbezogener Kunst, Treffpunkt: Pusteblumen-Brunnen, Prager Straße

24. Februar, 18 Uhr: Vortrag der ausstellenden Künstlerinnen Margret Hoppe und Su-Ran Sichling

28. Februar, 11 Uhr: Stadtspaziergang zu Leoni Wirth, Treffpunkt Albert-Wolf-Platz in Prohlis

Von Genia Bleier

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