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Leises Island - Myrra Ros und Arstidir kommen am Freitag nach Dresden

Leises Island - Myrra Ros und Arstidir kommen am Freitag nach Dresden

Wer die isländische Musikszene noch immer allein mit Sigur Rós und Björk definiert, ist selbst schuld. Im Netz sowieso, im Plattenladen des Vertrauens (ja, es gibt ihn noch!), vor allem aber auch bei Konzerten in Dresden hätte man sich längst eines Besseren belehren oder sich einfach an der reichen Vielfalt der zeitgenössischen Nordinselmusik erfreuen können.

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Es wird leise werden mit Myrra Ros in der Dreikönigskirche.

Quelle: PR

Islands Pop-, Rock- und Folkszene ist, nicht nur gemessen an der Bevölkerungszahl, üppig besetzt. Nichts, was es nicht gibt, wenngleich sich manchmal die "-ssons" und "dottirs" namentlich kreuzen.

Die Sängerin Myrra Ros aber kommt heute erstmals, Arstidir reisen nach ihrem vorjährigen Debüt wieder in die Stadt. Es wird leise werden. Balladen werden obsiegen. Was ja nie bedeutet, dass es von vorn bis hinten nur in vornehmer Zurückhaltung ertrinkt. Myrra Ros und Arstidir haben sich im weitesten Sinne dem akustischen Folk verschrieben, der ja seit Jahrzehnten schon seine Grauzonen zur Kammerklassik und zum Pop erfolgreich bedient.

Die Ros ist eine junge Frau aus der Hauptstadt Reykjavik, die zur akustischen Gitarre begonnen hat und mit ihr allein auch stark genug ist, um ihre Zuhörer in den Bann zu ziehen. Ein leichter Rauch liegt phasenweise unter ihrer Stimme, die sie ansonsten nüchtern belässt, kaum phrasiert, sondern aus der Klarheit ihre Kraft ziehen lässt. Die neun Songs ihres Debütalbums "Kveldulfur" (Beste! Unterhaltung/Broken Silence) wurden demgemäß arrangiert. Gitarre, Klavier, Cello dominieren, wenn es - isländisch gesungen - ums Naturelle geht, um Mythen und Landschaft, innen wie außen. Aber Myrra Ros kann auch, dann mit Vollband, Pop, singt englisch, zurückhaltend aber auch hier. Die Balance zwischen Fragilität und Struktur gelingt ihr in aller Bescheidenheit.

Die Besetzung von Arstidir klingt üppig, ihre Musik ist es nur in ausgewählten Momenten. Daniel Audunsson (g, voc), G. Mar Jakobsson (g, voc), Ragnar Olafsson (g, voc), H. Jonas Jensson (cel, voc), Jon Elisson (p, voc) und Alfinsteinn Restka (vio, voc) sind ein junges Sextett, das sich ganz dem akustischen Ensembleklang verschrieben hat. Solo- und Satzgesang, variierende Tempi, pure Folklore, ausgereizt bis hin zu den Minimal-Schleifen eines Philip Glass - Arstidirs neue CD "Svefns og vöku skil" (Beste! Unterhaltung/Broken Silence) ist Geheimnis wie Entdeckung, von anmutiger Schönheit getragen und dennoch in vollem Bewusstsein entstanden, dass es für einen Sieg nicht immer der Revolutionen bedarf. Die sechs bedienen sich der reichen musikalischen Traditionen ihrer nordischen Heimat und interpretieren sie gleichzeitig neu, lassen sie mit Bedacht aneinander reiben, wirken dabei sehr gelassen und in sich ruhend. Im englischsprachigen Satzgesang dürfen deshalb sogar Referenzen an Crosby, Stills, Nash & Young durchschimmern. Warum nicht?

Und was gibt es sonst Neues aus Island? Das Frauenquartett amiina hat sein Leuchtturmprojekt abgeschlossen und daraus eine wirklich feine EP gemacht. Die Frauen, die jahrelang eng an die Tourneen von Sigur Rós gebunden waren, haben mit ihren Instrumenten eine Inselfahrt unternommen und in Leuchttürmen gespielt. Wahrscheinlich hatten die Erlebnisse der "Heima"-Tour mit Sigur Rós nachgewirkt. Für die sechs Stücke, darunter das Lee-Hazlewood-Cover "Leather And Lace", haben amiina mit Säge, Akustikgitarre, Akkordeon, Zithern, Glöckchen und Gesang gearbeitet. Klingt diesmal nach Feenbeschwörung. Und für die Kürze der Platte ist "The Lighthouse Project" (Morr) mit 22-seitigem Foto-Booklet ein bibliophiles Glanzstück.

Schließlich gibt es einen weiteren Live-Termin zu verkünden: Snorri Helgasson kommt am 17. Oktober wieder ins Thalia - jener grandios begabte junge "Wintersonne"-Mann, der kleine isländische König Dezember vom vergangenen Jahr an gleicher Stelle.

iMyrra Ros und Arstidir; Freitag 20 Uhr, Dreikönigskirche, Hauptstr. 23, Tickets ab 11 Euro

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.09.2013

Andreas Körner

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