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Leidenschaft für Wagner und Strauss: Der Dirigent Wolfgang Sawallisch starb mit 89 Jahren

Leidenschaft für Wagner und Strauss: Der Dirigent Wolfgang Sawallisch starb mit 89 Jahren

Es war still geworden in den letzten Jahren um Wolfgang Sawallisch. Der große Operndirigent mied die Öffentlichkeit und lebte zurückgezogen im oberbayerischen Grassau nahe dem Chiemsee.

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Wolfgang Sawallisch bei einer Probe mit der Staatskapelle, 1973.

Quelle: Erwin Döring

Am Freitag starb er dort in seinem Haus im Alter von 89 Jahren. Seine letzte Oper hatte Sawallisch vor mehr als 20 Jahren dirigiert. Dennoch sind seine Interpretationen der Bühnenwerke etwa von Richard Wagner oder Richard Strauss bei Musikliebhabern präsent wie eh und je.

Sawallisch, der sich später auch als Pianist einen Namen machte, begann seine Laufbahn 1947 als Kapellmeister am Augsburger Stadttheater. Er war Dirigent in Salzburg, dann Generalmusikdirektor in Aachen. Als er mit gerade einmal 30 Jahren am Pult der Berliner Philharmoniker stand, wurde er zum ersten Mal international wahrgenommen. Von da an ging seine Karriere noch steiler bergauf. Er wirkte bei den Bayreuther Festspielen, am Hessischen Staatstheater, am Philharmonischen Staatsorchester in Hamburg und leitete die Wiener Symphoniker. In Köln hatte er eine Professur für Dirigieren inne. 1971 holte ihn die Bayerische Staatsoper als Chef nach München. Das bayerische Publikum schätzte Sawallisch vor allem für seine Interpretationen der Bühnenwerke von Wagner. Bei den Festspielen 1988 dirigierte er sämtliche Opern von Strauss. Sawallisch zählte anfangs zu den Vorreitern der gemäßigten Moderne, bekannte sich dann aber als Opernchef eher zur Tradition des deutschen Ensemble- und Repertoire-Theaters. Allzu moderne Inszenierungen sind ihm zuwider, sagte er in einem Interview der Nachrichtenagentur dpa anlässlich seines 85. Geburtstags.

Mit 70 nahm Sawallisch noch einmal eine neue Herausforderung an und wurde Musikdirektor des Philadelphia Orchestra in den USA. Er erfüllte sich damit den Wunsch, nach so viel Oper auch noch alle großen sinfonischen Werke aufzuführen. Über seine Musiker in Philadelphia schwärmte er: "Es ist eines der hinreißendsten Orchester. Es erfüllt im Hinblick auf die klangliche Qualität, die Werkauffassung und die Schnelligkeit des musikalischen Verstehens die höchsten Ansprüche." Das New Yorker Publikum feierte den in Deutschland oft als konservativ bezeichneten Dirigenten. US-Medien bezeichneten Sawallisch vielfach als Bereicherung der amerikanischen Musiklandschaft.

Auch bei der Staatskapelle hinterließ Sawallisch Spuren. 1965 war er mit dem Orchester in Salzburg zu Gast. In Dresden stand er bei drei Sinfoniekonzerten in den sechziger und siebziger Jahren am Pult. Das Konzert 1969 wurde von Radio DDR übertragen. Gestern äußerte sich Christian Thielemann, jetziger Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden, zum Tod des Dirigenten. "Der Tod von Wolfgang Sawallisch macht mich sehr traurig. Mit ihm ist ein Dirigent von uns gegangen, der wie kaum ein anderer die klassischen Kapellmeistertugenden verkörperte, die auch ich so sehr schätze. Für mich war er immer einer der ganz Großen", ließ er auf Anfrage mitteilen.

Jan Nast, Orchesterdirektor der Staatskapelle Dresden, bedauerte, Sawallisch nicht mehr persönlich kennengelernt zu haben. "Ich weiß aber von ehemaligen Mitgliedern der Staatskapelle, dass sie die Zusammenarbeit mit Sawallisch immer als besonders beglückend empfunden haben." Ab den späten 1960er Jahren hätten die Staatskapelle und Sawallisch zyklisch sämtliche Symphonien von Schubert und Schumann sowie die späten Schubert-Messen aufgenommen. Diese Aufnahmen würden bis heute Bestand und Referenzstatus haben, fügte Nast an. Sawallischs Tod sei "für die Musikwelt ein großer Verlust".

Nach jahrelanger Abwesenheit war Sawallisch 1998 zu den Osterfestspielen für ein Symphoniekonzert an das Pult seines ehemaligen Orchesters der Bayerischen Staatsoper zurück. Zuvor war er bereits im Juli 1997 als Star des Klassik-Open-Air-Konzerts auf dem Münchner Königsplatz aufgetreten. 2003 trat er als musikalischer Leiter des Philadelphia Orchestra zurück. Nach seinem Rückzug aus der internationalen Öffentlichkeit gründete Sawallisch eine Stiftung, die nach eigenen Angaben das Ziel hat, "möglichst viele Kinder an den Umgang mit der Musik, an das gemeinsame Musizieren, Musikhören und -erleben heranzuführen".

Sawallischs Beerdigung soll im engsten Kreis und unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Zu einem späteren Zeitpunkt ist ein Requiem in der Münchner Heilig-Geist-Kirche geplant.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.02.2013

dpa, DNN

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