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Leidenschaft, die Flügel verleiht: Anthony Bachelier tanzt von der Palucca-Hochschule direkt ins Ballett der Semperoper Dresden

Leidenschaft, die Flügel verleiht: Anthony Bachelier tanzt von der Palucca-Hochschule direkt ins Ballett der Semperoper Dresden

Zielstrebig und aufgeschlossen. Das sind die zwei Adjektive, die den jungen Tänzer Anthony Bachelier auf den ersten Blick am treffendsten beschreiben. Beide Eigenschaften sind wohl auch wichtige Voraussetzungen dafür, dass sich der erst 21-Jährige nach nur fünf Jahren Ausbildung ins feste Ensemble des Semperoper Balletts tanzen konnte.

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Anthony Bachelier

Quelle: Marc Haegeman

Ein außerordentlicher Karrieresprung.

"Meine Mutter sagt, ich habe getanzt, noch bevor ich laufen konnte", erzählt Anthony Bachelier. Schon wenn er das Wort "tanzen" nur ausspricht, merkt man die Leidenschaft. Als er im nächsten Atemzug erwähnt, dass seine Mutter ihn dennoch lange Zeit lieber beim Fußball und anderen typischen Männersportarten gesehen hätte, muss der gebürtige Franzose selbst lachen. Mit fünf Jahren begann er dennoch, der Mutter zuliebe, zunächst mit Schwimmtraining. Sein Talent fürs Tanzen erkannten in früher Jugend eher die Männer im Haus: die Großväter und sein Vater, der ihn mit 16 Jahren endlich zum Tanzunterricht in seiner Heimatstadt Marseille anmeldete. "Mein Lehrer sagte sofort, ich müsse zum Ballett gehen", erinnert sich Anthony Bachelier.

Nur zwei Jahre nach seiner ersten Tanzstunde bewarb er sich also an der Royal Ballett School in Antwerpen/Belgien und bei der Béjart Ballett-Schule in Lausanne/Schweiz. Doch erst die Audition der Palucca Hochschule für Tanz in Mailand führte ihn zum Wunschstudium - und damit nach Dresden. "Ich wusste bis zu diesem Moment gar nicht, dass es Dresden gibt. Als ich hier zum ersten Mal in der Semperoper eine Ballett-Aufführung sah, war ich sofort hingerissen von dem wunderbaren Haus und dem fantastischen Ensemble", erzählt er. Schon in diesem Moment sei ihm durch den Kopf gegangen, dass er gern selbst einmal auf der Opernbühne tanzen wolle.

Dass dieser Traum ungewöhnlich schnell wahr werden würde, konnte damals aber noch niemand ahnen. Noch immer könne er selbst kaum glauben, dass er ab Herbst tatsächlich ein Mitglied des Semperoper Balletts sein wird, sagt Anthony Bachelier. Ein wirklich außerordentlicher Erfolg, der nicht nur ihn, sondern auch seine Professoren mit großem Stolz erfüllt. Denn normalerweise müssen Palucca-Absolventen das Elevenprogramm absolvieren, bevor sie überhaupt in das Ballett aufgenommen werden können. Diese Kooperation zwischen der Palucca Hochschule für Tanz und der Semperoper existiert seit 2006 und führte dazu, dass mittlerweile 14 Palucca-Absolventen in der Compagnie tanzen.

"Als unser Rektor, Jason Beechey, mir sagte, dass der Ballettdirektor Aaron S. Watkin mich sehen will, war ich sehr happy. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als sie mir dann sagten, dass ich den Vertrag bekomme", berichtet der junge Tänzer. Er quittiert diese freudige Nachricht auch im Interview noch mit einem Freudenjauchzer. Das Semperoper Ballett war sein großes Wunsch-Ziel. Und dennoch hatte Anthony Bachelier natürlich einen Plan B im Ärmel: "Wenn es hier nicht geklappt hätte, hätte ich mich in Oslo oder Stockholm oder London beworben", erzählt er in einem Tonfall, der nicht den leisesten Zweifel zulässt.

Ebenso so souverän und ohne den geringsten Anflug von Bedauern erklärt er, was er tun will, wenn seine Zeit als Profitänzer einmal abgelaufen sein wird: "Dann will ich Ballett-Master oder Choreograf sein, vielleicht auch Lehrer in einer großen Ballett-Schule. Es muss eine Schule mit hohem Level sein, ich hätte auch Lust, meine eigene Schule zu eröffnen", sagt er in fließendem Englisch. Es scheint, als habe er auch dieses Ziel schon so klar vor Augen, als sei es längst in Stein gegossen.

Im Moment freut Anthony Bachelier sich aber erst einmal auf seine Bachelorprüfung an der Palucca Hochschule. Riesig sogar. Als er ein bisschen mehr über die Choreografie erzählen soll, die er am 12. Mai im Festspielhaus Hellerau tanzen wird, wird der junge Mann jedoch plötzlich still. Es ist eine sehr persönliche Choreografie. Deshalb fällt es Anthony Bachelier sichtlich schwer, darüber zu reden. "Vor fünf Jahren ist mein erster Großvater gestorben, vor zwei Jahren der zweite. Mein Opa hat immer zu meiner Mutter gesagt: Das Kind gehört auf die Bühne. Ich werde in diesem Tanz den Schmerz über seinen Tod teilen", erzählt er dann.

Seine Abschlussarbeit "Death can dance" sei eine siebenminütige Reise in sein Leben. Der junge Tänzer präsentiert sie zusammen mit Anne Manavella, einer guten Freundin. So wohnt dem Abschluss an der Hochschule auch ein doppelter Abschied inne - dem bald darauf schon ein freudiger Neubeginn an der Semperoper Dresden folgen wird.

Abschlussprüfung Bachelor Tanz "Can you see what I see?", am 12. Mai, 19 Uhr sowie am 13. Mai, 19 Uhr, und am 14. Mai, 14 und 19 Uhr, im Europäischen Zentrum der Künste in Hellerau, Tickets 14 Euro/9 Euro www.hellerau.org und www.palucca.eu

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 11.05.2015

Nicole Czerwinka

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