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Lauter Aufruhr am Rande der Stadt: Dresdens Tante JU lud zu rockigen Frischluftklängen

Lauter Aufruhr am Rande der Stadt: Dresdens Tante JU lud zu rockigen Frischluftklängen

Dass die "Schleife rockt", war am Samstagabend ganz gut im ganzen Dresdner Norden zu hören. Denn die gute Tante JU, der gediegene Musikclub am Rande der Stadt, lockte zum zweiten Male auf das Freiluftgelände an der Gleisschleife im ehemaligen Industriegelände, heute in preiswerter Mischnutzung ein gepflegtes Gewerbegebiet - und mangels genervter Anwohner ideal für Frischluftklänge.

Elf Freunde der lauten Musik nutzten dies auf der eigens aufgebauten großen Bühne weidlich und fast ohne Firlefanz und Groupies.

Clubchef Gunther Rehlig hatte sich eigens dafür drei Rockgruppen geladen, die die musikalische Achse des Guten von Dresden über Berlin nach Rostock symbolisieren, die gar zur Verlängerung bis gen Seattle gedacht werden kann, denn die beiden Gründer von Pothead, Bradley Kok und Jeffery Moore zogen bereits vor Kurt Cobains Frühableben nach einer Europa-Tournee gen Berlin und büßten dabei ihren Schlagzeuger ein. Sebastian Meyer aus Olpe sprang 18 Jahre lang bei, seit zwei Jahren ist Nikolaj Gogow, musikalisch vorbelasteter City-Sohn aus Berlin, der treibende Mann mit den Sticks und im Sakko. Davor die beiden Herren im Nadelstreifenanzug, die sich selbst vermarkten und ganz geradlinigen Rock ohne jede Abschweifung spielen, der in Deutschland Ost wie West und auch häufig in Dresden nachgefragt wird. Das geriet solide, ohne Anzeichen von filigranen Ambitionen. Zuvor hatten die vier Lokalmatadoren von Kill me Pussycat den leicht verregneten Auftakt gemeistert.

Doch die meisten der rund eintausend Fans kamen - wie im Vorjahr bei der ersten Auflage des fünfstündigen Minifestivals - wegen der Rostocker Punkrocker von Dritte Wahl an die Schleife gepilgert. Das Rostocker Ex-Trio, dank zahlreicher Vercoverung vielleicht die wichtigste verbliebene Ostpunkband, tritt seit 2010 als Quartett auf und hatte zum Abschluss des Festivals die zwei Stunden vor Mitternacht bei 12 Grad Celsius einzuheizen und taten das mit Kraft wie Charme.

Die beiden Gründungsmitglieder, Gunnar Schröder (Gesang & Gitarre) und Jörn Schröder (Schlagzeug), können dabei aus kurzer DDR- und reichlich westdeutscher Repressionsgeschichte erzählen, die Bassist Stefan Ladwig auch per Wechselgesang ergänzt. Dabei geht nahezu immer um politische Wutthemen, ihre Hits heißen "Macht die Augen auf", "Auge um Auge" oder "Mainzer Straße". Eigentlich untypisch, weil klanglich erstaunlich retro wirkt das Keyboard von Dietmar Staskowiak, in Dresden ausgebildeter Diplom-Konzertpianist, der das Trio seit 2010 verstärkt und ab und an für Sinnlichkeit und Entschleunigung sorgt.

Dass es im Sommer 2015 eine dritte Version der rockenden Schleife geben wird, ist schon klar, versichert Gunter Rehlig, nur an Termin und Besetzung wird noch gefeilt.

www.liveclub-dresden.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 25.08.2014

Andreas Herrmann

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