Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / -2 ° Regenschauer

Navigation:
Google+
Laura Graham in William Forsythes "Impressing the Czar"

Laura Graham in William Forsythes "Impressing the Czar"

Wo auch immer man ihr in Gesellschaft begegnet, im Ballettsaal, auf der Bühne oder irgendwo in der Dresdner Neustadt, man wird, man kann sie nicht übersehen. Weil sie stets präsent ist, mit dem kompletten Körper spricht und so die Blicke auf sich zieht.

Voriger Artikel
Doppel-Premiere für Lyrik von Patrick Beck und Volker Sielaff im Stadtmuseum
Nächster Artikel
Rektorenwahl an der Musikhochschule sorgt für Unruhe - DNN befragte Amtsinhaber und Nachfolgerin

Laura Graham

Quelle: Ian Whalen

Laura Graham, Trainingsleiterin und Choreografische Assistentin am Semperoper Ballett, ist eine quicklebendige, sympathische Frau, die Tanz zu ihrer Lebensaufgabe gemacht hat. Und die ganz offensichtlich ebenso jenseits der Bühne intensiv ihre Vitalität zu leben weiß. Womit sie sich auch befasst - sie macht es nie irgendwie oder nur mal so, ist im wahrsten Sinne des Wortes mit Leib und Seele dabei, erkundet und durchlebt Höhen wie Tiefen. Und auch das hat bei ihr eine ganz eigene Bedeutung, ohne dass sich dahinter Enthüllungen verbergen.

Es sind eher Besonderheiten, denen sie sich seit geraumer Zeit widmet, quasi ein abenteuerliches Erfahren von Lebensräumen, verquickt mit ihrem an sich schon abenteuerlichen Beruf. Und zugleich ein Zeichen dafür, wie aufmerksam sie sich und ihre Umwelt wahrzunehmen weiß. Denn immer wieder erhebt sie sich als nun schon versierte Segelfliegerin zu ausgedehnten Streifzügen hoch in die Lüfte und durchforscht andererseits beim Tauchen die so ungemein vielgestaltige Unterwasserwelt. Ein geliebtes Vergnügen, bei dem sie mittlerweile auch schon die Stufe des Rettungstauchers erreicht hat und mehr als 100 Tauchgänge verzeichnen kann. Sie lässt offenbar nichts wieder los, wovon sie einmal fasziniert ist.

Geboren wurde Laura Graham in Philadelphia in den USA, erhielt ihren ersten Tanzunterricht an der Schule der "Mt. Laurel Regional Ballet Company", bevor sie die Ausbildung in New York an der Joffrey Ballet School fortsetzte. Schon bald wurde die hochbegabte junge Tänzerin als Erste Solistin ans Royal Ballet Winnipeg engagiert. Noch heute fühlt sie sich Kanada in besonderer Weise verbunden, liebt dieses wunderbare Land über alles und bewahrt in sich eine große Sehnsucht sowie viele Erinnerungen an jene Zeit, wo sie rasant und mit dem Ehrgeiz jeglicher Ballerinen die Bühne und die Gunst des Publikums eroberte.

Wenn Laura Graham bei unserem Gespräch am Zwingerteich, flankiert von neugierigen Enten, Vögeln und diversen Genießenden der Abendsonne, davon erzählt, wie sie einst mit dem Royal Ballet Winnipeg durch die Lande tourte und ihren gestressten, auf den jeweiligen Bühnen in Höchstform geforderten Körper wie alle anderen auch in die wenig komfortablen Sitze des Reisebusses einpassen musste, bandagiert und mit Nackenstütze, dann ist das in ihrer bewegten Erzählweise fast so, als wäre man selbst mit dabei gewesen. Und kann sich bestens vorstellen, wie aufreibend und abenteuerlich diese Tourneen waren.

Etliche Jahre hatte sie in Kanada Klassisches Repertoire getanzt, war in märchenhaften Rollen zu erleben, von denen andere nur träumen konnten. Aber schließlich wechselte die stets neugierige, Veränderungen suchende Tänzerin ans Frankfurter Ballett zu William Forsythe. Und musste sich auch im neuen Engagement von der Spitze nicht verabschieden, war mit ihrem Können besonders gefragt. Forsythe hatte das Ensemble längst grundlegend verändert, brauchte für seine eigenwilligen Choreografien individuell geprägte Tänzer mit starkem Selbstbewusstsein. Und forcierte deren Entwicklung, forderte Darsteller wie auch das Publikum in jeglicher Weise heraus. Bei ihm tanzte Laura Graham zum Beispiel "In The Middle, Somewhat Elevated" und war auch dabei, als das Ballett Frankfurt 1995 "Impressing the Czar" zum letzten Mal aufführte. Zudem arbeitete sie als Trainingsleiterin und Choreografische Assistentin für Forsythe, studierte seine Arbeiten weltweit ein.

Ihre so unterschiedlichen künstlerischen Erfahrungen waren nicht minder gefragt, als sie als Assistentin der Ballettdirektorin ans Saarländische Staatstheater ging. Was sich aber letztlich als eine eher schmerzhafte Episode ihres Berufslebens erwiesen hat. Danach war sie viel unterwegs, erhielt Einladungen, als Gastdozentin zu arbeiten, beispielsweise am Bolschoi Ballett. Und 2006 kam Laura Graham als Ballettmeisterin nach Dresden zum Semperoper Ballett. Keine Frage - sie und andere haben engagiert dafür gesorgt, dass dieses Ausnahme-Ensemble heute wie kein anderes über ein sich stets erweiterndes Repertoire an Arbeiten von William Forsythe verfügt. Was ja bekanntlich nicht so selbstverständlich ist; Forsythe "vergibt" seine Werke für eine Zeitlang immer nur an eine Bühne, lässt sie auch nur von jenen einstudieren, die damit bestens vertraut sind. Ohne sie in ihren Freiheiten einzuschränken. Er selbst steht ja für die Erfahrung, wie sehr sich eine wieder aufgenommene Choreografie verwandeln kann, wenn sie von anderen Tanzdarstellern übernommen wird. "Sieht er dann das Ergebnis der Einstudierung ", erzählt Laura Graham, "gibt er kein absolutes Urteil ab, sondern hinterfragt vielmehr, erwägt, will wissen, wie sich die Tänzer damit fühlen."

Nun also ist es dem Semperoper Ballett geglückt, das so erfolgreiche Werk von William Forsythe "Impressing the Czar", uraufgeführt 1988 im Frankfurter Opernhaus, auch in Dresden herauszubringen. Ein Stück, das Eva-Elisabeth Fischer vor reichlich einem Jahrzehnt in ihrem launigen "Forsythe-ABC" als "dreiaktiges Handlungsballett ohne Handlung" beschrieben hat. Als eine "irrwitzige Persiflage des klassischen zaristischen Balletts", wie es an den Staats- und Stadttheatern immer noch als Idealbild des Tanzes herumgeistere. Auf die Premiere am Pfingstwochenende darf man gespannt sein. Und wer diese nicht wahrnehmen kann, sollte sich schon bald eine der nachfolgenden Aufführungen vormerken. Schließlich kann man dieses Meisterstück aus "bill's universe" jetzt nur in Dresden erleben.

Premiere morgen, 19 Uhr

www.semperoper.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.05.2015

Gabriele Gorgas

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr