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Lang Lang spielt im Silvesterkonzert der Staatskapelle Dresden

Pianist im DNN-Interview Lang Lang spielt im Silvesterkonzert der Staatskapelle Dresden

Die musikalischen Gäste beim Silvesterkonzert der Sächsischen Staatskapelle in der Semperoper sind der chinesische Pianist Lang Lang sowie die Gesangssolisten Rinat Shaham und Lucas Meachem. Mit Lang Lang führten DNN per E-Mail folgendes Interview.

Lang Lang: Wer Konzertpianist werden will, muss sehr viel üben. Und er braucht auch viel Glück.

Quelle: Wael Hamzeh/dpa

Dresden. Mit Werken von Grieg, Gershwin, Bernstein und Porter beschließen Christian Thielemann und die Sächsische Staatskapelle am 30. und 31. Dezember in der Semperoper das Jahr 2015. Die musikalischen Gäste beim Silvesterkonzert der Staatskapelle sind der chinesische Pianist Lang Lang sowie die Gesangssolisten Rinat Shaham und Lucas Meachem. Mit Lang Lang führten DNN per e-mail folgendes Interview.

Frage: Sie musizieren zum dritten Mal mit der Sächsischen Staatskapelle Dresden. Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre ersten gemeinsamen Auftritte?
Lang Lang: Meinen ersten Auftritt mit der Staatskapelle hatte ich 2005. Wir spielten Chopins Klavierkonzert Nr. 1, und die Chemie stimmte sofort. Ich war hingerissen vom traditionellen deutschen Klang des Orchesters. Dieser Klang ist wirklich einzigartig – tief, reich und warm.

Damals haben Sie Chopin gespielt, in einem Solorecital dann auch noch Bach und Schubert. Dieses Mal stehen Grieg und Gershwin auf dem Programm. Was bedeuten diese beiden Komponisten – ein Nordeuropäer und ein US-Amerikaner – für Sie?
Beide Konzerte spiele ich seit vielen Jahren, sie sind tief verwurzelt in meinem musikalischen Gedächtnis. Das Grieg-Konzert ist eine großes romantisches Meisterwerk und gehört zu den wichtigsten Werken, die für Klavier und Orchester geschrieben worden sind. Ich denke, es wird wunderbar sein, das mit der Staatskapelle zu spielen, mit ihrem reichen, vielfarbigen Klang. Gershwins „Rhapsody in Blue“ ist ein fantastisches Stück für ein Silvesterkonzert. Ich habe sehr viel über das Stück gelernt, als ich es mit meinem großartigen Freund, der Jazz-Legende Herbie Hancock, gespielt habe. Er hat mich mit der Freiheit seines Spiels inspiriert, und ich freue mich, diese Inspiration in diesem Jahr mit dem Dresdner Publikum teilen zu können.

Spielt bei Ihrem Musizieren eine Rolle, für welches Publikum Sie konzertieren? Ob es in einem Haus wie der Semperoper ist, der Großen Halle des Volkes in Peking oder zur Eröffnung einer Fußballweltmeisterschaft? Ob vor Staatsober- und gekrönten Häuptern oder tausenden Menschen in einem Stadion?
Ja, ich bin mir immer sehr bewusst, wo ich spiele. Der Raum und das Publikum machen einen riesigen Unterschied. Gerade die Größe und die Akustik der Spielstätte sind wichtig für einen Auftritt.

Welche Konzertflügel bevorzugen Sie und warum diese, wie würden Sie deren Klang charakterisieren?
Ich bevorzuge von Steinway gebaute Flügel. Sie haben einen brillanten und klaren Klang und bieten gleichzeitig die Möglichkeit für eine breite Palette von Klangfarben. Interessanterweise unterscheiden sich die Steinways selbst erheblich. Jedes Instrument hat seine eigene Persönlichkeit. Grundsätzlich klingen die New York Steinways ganz anders als die Hamburg Steinways, letztere sind brillanter, klar und haben einen europäischen Klang. Die New Yorker Instrumente sind dagegen voller, runder und besitzen einen kräftigen Bass. Wenn ich ins Aufnahmestudio gehe, mache ich mir sehr viel Gedanken über den richtigen Klang für das Repertoire und treffe eine spezielle Auswahl. Manchmal wechsle ich auch zwischen zwei Instrumenten, wenn die Musik es verlangt.

Im Rahmen Ihrer umfangreichen Gasttätigkeit sind Sie im ganzen Jahr ständig unterwegs. Nehmen Sie dennoch die Städte wirklich wahr, in denen Sie konzertieren, und welchen Eindruck haben Sie von Dresden mitgenommen?
Auf jeden Fall! Jede Stadt hat ihre ganz eigene Atmosphäre, ihr eigenes Gefühl. Die entscheidenden Punkte in einer Stadt sind für mich der Klang der Konzerthalle, das Temperament des Publikums, die Architektur einer Stadt und ihre Parkanlagen. Wann immer ich in Dresden bin, spüre ich die Geschichte der Stadt. Ich bewundere die Semperoper und die wundervollen Bauwerke und Museen der Stadt.

Sie geben 120 Konzerte pro Jahr, wie schaffen Sie es, sich bei dieser immensen Anzahl immer wieder neu zu motivieren?
Musik wird mir niemals zu viel – lediglich das, was damit verbunden ist, das Reisen und all die anderen nicht-musikalischen Aspekte meiner Karriere sind manchmal ermüdend. Deshalb habe ich in den Sommermonaten eine lange Pause gemacht. Ich habe die meiste Zeit zu Hause in China verbracht, habe Freunde getroffen, bin am Strand gewesen oder habe neue Musik einstudiert.

Könnten Sie sich auch eine Zeit ganz ohne Musik vorstellen? Und was würden Sie dann am liebsten tun?
Nur während des Urlaubs. Ich könnte mir ein Leben ohne Musik nicht vorstellen.

Wen und was möchten Sie mit Ihrer Musik erreichen?
Ich möchte die Schönheit und die Gefühle klassischer Musik mit so vielen Menschen teilen wie möglich.

Wie bereiten Sie sich auf ein solches Konzert wie in Dresden vor?
Wie schon gesagt, ich kenne die Werke von Grieg und Gershwin sehr gut, und dieses Wissen ist die Basis dafür, mich für neue Sichtweisen, neue Gedanken zu öffnen, die mich erreichen, wenn ich mit Maestro Thielemann und der Staatskapelle probe und konzertiere. Ich freue mich wirklich sehr darauf.

Und wie stellen Sie sich auf den Klang des jeweiligen Orchesters ein?
Ich höre aufmerksam zu. Während der Proben habe ich die Möglichkeit, den Klang harmonisch mit dem Orchester zu vereinen.

Haben Sie ein Ritual vor Ihren Konzertauftritten?
Ich mache gern einen Spaziergang durch einen Park und ein kleines Schläfchen.

Auf welche Reaktionen hoffen Sie bei Ihrem Publikum?
Ich hoffe auf ein neugieriges und aufgeschlossenes Publikum.

Glauben Sie, dass die sogenannte Klassik bei jüngerem Publikum mehr Chancen hat, wenn die üblichen Konzertformen aufgebrochen werden?
Natürlich ist es schön, von Zeit zu Zeit über neue Formate nachzudenken und zu experimentieren. Es ist aber auch wichtig, dass wir gute Botschafter unseres Genres sind und uns bemühen, junge Menschen zu erreichen. Unter diesem Blickwinkel bieten die neuen Medien wunderbare Möglichkeiten.

Sie haben einen von hohen und strengen Anforderungen gezeichneten Weg absolviert, um Konzertpianist zu werden. Heute sind Sie auf der ganzen Welt bekannt. Wo aber ist Ihr Zuhause, Ihr Zentrum, um Kraft zu tanken und neue Impulse zu finden?
Ich habe zwei Zuhause: eins in Peking und eins in New York. Am besten kann ich bei meiner Familie und bei Freunden auftanken.

Was würden Sie einem Jungen sagen, wenn er wie Sie Konzertpianist werden will? Müsste er durch eine ähnlich harte Schule gehen wie Sie?
Wenn du ein Konzertpianist werden willst, musst du sehr viel üben. Daran führt kein Weg vorbei. Außerdem musst du die richtigen Lehrer finden, die richtigen Mentoren und Partner. Du musst die Zähigkeit und Fähigkeit haben, mit Enttäuschungen umzugehen. Und schließlich brauchst du auch viel Glück.

Kann Kunst die Welt zum Besseren wandeln?
Ja, ich denke die Kunst kann die Welt zu einem besseren Ort machen. Sie bietet Anregungen, Zuspruch, neue Gedanken und Sichtweisen. Musik kann uns als Sprache dienen, um ohne Worte zu kommunizieren.

Wie werden Sie in Dresden den Jahreswechsel feiern? Was bedeutet für Sie der Beginn eines neuen Jahres?
Ich werde den Jahreswechsel mit meiner Mutter und einigen Freunden feiern. Für mich ist das Chinesische Neue Jahr noch wichtiger. Wir feiern es im Februar, 2016 wird das Jahr des Affen sein, es sollte ein gutes werden!

Und welche Erwartungen haben Sie an das Jahr 2016?
Ich möchte gern fortsetzen, was ich bisher getan habe: Konzerte geben, für meine Stiftung arbeiten, durch die Welt reisen und wunderbare Menschen treffen.

Interview: Kerstin Leiße (Aus dem Englischen übertragen)
30. Dezember, 20 Uhr; 31. Dezember 2015,
17 Uhr, Semperoper Dresden. Das Konzert wird vom ZDF aufgezeichnet – und am Silvestertag ab 17.25 Uhr gesendet.

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