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Landschaftsmaler in der Dresdner Kunstausstellung Kühl

Landschaftsmaler in der Dresdner Kunstausstellung Kühl

Jubiläums ihrer Gründung knüpft die Kunstausstellung Kühl an ihre reichen Traditionen an und setzt sie mit der Präsentation von jungen, begabten Künstlern fort.

Im Jahr des 90.

Wie ein sich verzweigender Baum wächst die neue Generation auf dem Boden der klassischen Moderne. Diese Metapher soll die Absicht der Galeristin verdeutlichen, Künstler auszustellen, die ihre wesentliche Kraft aus Natur und Landschaft beziehen und sie auf unterschiedliche Art in ihren Kunstwerken anwenden und verarbeiten. Die Kälte und vordergründige Manier etlicher emporstrebender Mainstreamkünstler und Apologeten ist nicht die Sache von Sophia-Therese Schmidt-Kühl. Auch nicht das unendlich erscheinende Kopieren und Nachäffen bereits erschöpfter Handschriften.

Franziska Hesse (geb. 1979 in Crivitz bei Schwerin) studierte von 2000 bis 2009 an der HfBK Dresden bei den Professoren Elke Hopfe, Siegfried Klotz und im Hauptstudium bei Peter Bömmels. Die Aufnahme Dresdner Maltraditionen der Klassischen Moderne, ihre Tiefe und Erdung, sowie ihr farblich nobler Klang, ist auch bei ihr nachweisbar. Inzwischen hat sie sich nach Mecklenburg zurückgezogen, um der freien Landschaft nahe zu sein und nicht im stadtzivilisatorischen Dunst zu ersticken.

Ihr Diplom absolvierte sie mit der Mischtechnik "KGV V" (2009) im Rahmen ihres Kleingartenprojektes, die eine mit den Kuben von Schuppen und Gartenlauben verbaute Landschaft darstellt. Dabei wahrt sie Distanz: Ein malerisch durchgearbeiteter Vordergrund schafft Raum, Abstand und Konzentration. Ihre Arbeitsweise verdeutlicht Franziska Hesse in einem Statement. Das Bild ist bei ihr "ein Versuch, dem wirren Zustand der Erregung beim Anblick der Landschaft, einer Struktur oder Idee, eine Form zu geben - und das mit aller Kraft. Aus dieser Motivation heraus schafft die Künstlerin Bilder, deren Spannung darin besteht, dass die Suche sichtbar bleibt...". Mit verschiedenen Stiften und Kreiden geht sie über die bemalten Flächen hinweg. Ihre Malerei bekommt dadurch eine besondere grafische Dichte und Lebendigkeit. Die Farben werden gemischt und zu einer für sie typischen Tönung getrieben.

In letzter Zeit widmet sich Franziska Hesse meist dem unbebauten Ausschnitt der heimischen Mecklenburger Landschaft und erreicht dort große Erdhaftigkeit und Tiefe. Manche Arbeit aber atmet auch die Klarheit norddeutscher Künstlerhandschriften. Gerade die Grafik zeigt, dass da noch viel Potenzial ist, das zu einer Vervollkommnung ihrer Handschrift führen wird. Vielleicht genügt ihr im Augenblick ein der arkadischen Ruhe verpflichteter Ausschnitt, die intensive Besinnung auf den begrenzten Raum der Bildfläche, den sie mit Spannung und Dichte auflädt und nur durch wenige Dinge (Kühe, Schuppen und Bauernhäuser) und Baumgruppen belebt. Die einstige gegenständlich betonte Nähe zur Natur scheint einer formalisierenden, stoischen, leicht reduzierten Abstraktion zu weichen. Fein schwingen in ihr norddeutsche Weite, Kargheit und Bodenhaftigkeit mit.

Der in Berlin lebende Maler Klaus Schiffermüller (geb. 1982 in Kelheim/Niederbayern) studierte 2004 an der AdbK Nürnberg freie Grafik und Malerei/Objektkunst bei Professor Rolf-Gunter Dienst und von 2008-2011 an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee. Schiffermüller geht regelmäßig in die Natur und skizziert. Seine Zeichnungen haben zwar eigenständigen Charakter, für die Malerei aber dienen sie als eine Art grafisches Gitter, das er mit seinem subjektiven Empfinden ausfüllt. Im Atelier fließen Erinnerungen, Gedanken und Ideen ein, die die in der Zeichnung real angelegte Landschaft verändern und sie zum leicht abstrahierten Ölbild verdichten. Einige von ihnen lassen Kindheitserinnerungen erkennen. Die Titel der Arbeiten dienen der Verstärkung seiner Absichten. Frühe Arbeiten sind einer expressiven Haltung verpflichtet, bei der er manchmal die rei- nen Farben direkt aus der Tube auf die Leinwand bringt, ohne sie zu mischen. Mächtige Farbspuren (Schwarz, Rot, Blau und Gelb) bedecken das Ölbild "Drachen" (2013), das durch eine fast unsichtbare Diagonale auffällt und das Gefühl erzeugt, als explodierte ein Farbsturm aus dunklem, vulkanischem Grund.

Schiffermüller arbeitet in Phasen, die sich auch gegenseitig durchdringen können, mal expressiv, mal impressionistisch. Feiner und sensibler sind einige der jüngsten Arbeiten: Sie nähern sich einer auf den Eindruck bezogenen Sehweise mit im Kreis des Bildes getupften Farben und grau durchlichteten Flächenformen. Ein Triptychon an der Stirnwand des Kabinetts ist wie ein helles, herbstliches Waldstück gestimmt, in dem das Filigrane überwiegt. Bäume und Sträucher stehen da wie in einer fernöstlichen Meditation ("Reise mit dem Optimisten, 2014).

Bis 27. September. Kunstausstellung Kühl, Nordstraße 5. Tel. 0351/8 04 55 88 geöffnet: Di-Do 11-18 Uhr, Fr 11-19 Uhr, Sa 10-14 Uhr; Galerierundgang DCA am Sonnabend, 6. September, 10-14 und 17-21 Uhr

www.kunstausstellung-kuehl.de

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 06.09.2014

Heinz Weißflog

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