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Landesbühnen Sachsen bekommen neue transportable Orgel

Frischer musikalischer Farbtupfer Landesbühnen Sachsen bekommen neue transportable Orgel

Für gewöhnlich werden neu angeschaffte Instrumente an einem Theater kaum mit solcher Aufmerksamkeit bedacht, dass für deren ersten „Auftritt“ gleich ein Konzert ansetzt wird. Am Sonntag haben die Landesbühnen Sachsen ihre neue Orgel vorgestellt, die speziell der Musik aus Renaissance und Barock dienen.

Am Sonntag wurde an den Landesbühnen die neue Orgel eingeweiht.

Quelle: Landesbühnen Sachsen

Radebeul. Für gewöhnlich werden neu angeschaffte Instrumente an einem Theater kaum mit solcher Aufmerksamkeit bedacht, dass für deren ersten „Auftritt“ gleich ein Konzert ansetzt wird. Nur bei der neuen Orgel durfte das etwas anders sein, zumal sie speziell der Musik aus Renaissance und Barock dienen wird, die an Theatern wie den Landesbühnen Sachsen nicht zum gängigsten Repertoire gehört. Doch Operndirektor Jan Michael Horstmann, der ein ausgeprägtes Faible für Älteres mitbrachte, hat in seinen gut drei Jahren am Haus gezeigt, dass die Musik vor den großen klassischen und romantischen Opern in einem „normalen“ Theater keineswegs ausgespart bleiben muss.

Bisher fehlte es noch an einer transportablen Orgel, die neben dem Cembalo und den übrigen Bassinstrumenten im Continuo für den Reichtum an Farben sorgt. Ein Leichtes wäre es gewesen, solch ein Positiv, wie es sie schon dutzendweise gibt, quasi von der Stange zu kaufen und damit dann wieder nur mäßig zufrieden zu sein. Man entschied anders und ließ vom Dresdner Orgelbauer Marcus Stahl ein Instrument „maßschneidern“, das in sich vereint, was für die Musik etwa von Monteverdi nötig ist: Ein Regal (ein kräftiges Zungenregister) in tiefer Lage sowie ein zartes und zugleich tragfähiges Gedackt: „Regalgedackt“ nennt Stahl (der als Spezialist für den Bau der vom 16. bis zum 18. Jahrhundert beliebten Regale gelten darf) dieses Instrument mit zwei Manualen, das Ideen französischer Orgelbauer des Spätbarock aufgreift und doch eine eigenständige Entwicklung ist.

In einem nicht eben kurzen, dennoch kurzweiligen Konzert gab es die aus schönstem Eichenholz gebaute Orgel am Sonntagabend im Glashaus des Radebeuler Theaters erstmals im Konzert zu hören, zu dem sich das von Horstmann geleitete „Ensemble Charpentier“ mit den Sängern des Hauses und Gästen zusammengetan hatte. Barocke Instrumente sind hier inzwischen also ebenso Usus, wie bei Musikfestivals in Reichweite, die barocken Gesangstechniken schienen den Sängerinnen und Sängern gelegentlich noch etwas ungewohnt zu sein. Die üppige Auswahl aus den Madrigalbüchern Monteverdis (darunter „Combattimento di Tancredi e Clorinda“) und aus Werken der Zeitgenossen Castello, Merula, Uccellini und Landi versammelte letztlich die schönste Musik dieser Zeit, die das Ensemble mit ordentlicher Spielfreude ausführte und bei der auch Dirigent und Tastenspieler Jan Michael Horstmann seinen Enthusiasmus nicht verbergen mochte. Das Feine im Klang und Genaue im Zusammenspiel unterlagen dabei mitunter, doch kostete Horstmann die wechselnden Farben von Orgel und Cembalo ordentlich aus und moderierte dazu noch eloquent zwischen den Stücken. Ob die reiche Instrumentenbesetzung (Violinen, Bratsche, Flöten, Zink, Gambe, Theorbe, Gitarre) nicht ohne Schlagwerk auch stilistisch treffender gewesen wäre, sei dahingestellt. Die Sänger hatten einen sehr variablen Klang hinter sich, auf dem sich oft schön gestalten (Miriam Sabba, Patrizia Häusermann, Samir Bouadjadja, Christian Lutz, Bojan Heyn) oder auch ein differenziertes Parlando (Kazuhisa Kurumada) nicht so recht treffen ließ. Fast italienische Gelöstheit verbreitete der Schluss mit Landis „Passacaglia della vita“, in der die Instrumentalisten frisch von der Leber weg mitsingen durften. Die Landesbühnen setzten mit diesem Abend einen frischen musikalischen Farbtupfer in die Landschaft, nun unterstützt von einer interessanten kleinen Orgel.

Von Hartmut Schütz

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