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Landesbühnen Sachsen begeistern mit „Momo“ auf der Felsenbühne Rathen

Lebensfreude Landesbühnen Sachsen begeistern mit „Momo“ auf der Felsenbühne Rathen

Michael Ende hat seinen Roman „Momo“ 1973 als metaphorischen Versuch geschrieben, die Menschen den Wert ihrer Lebenszeit erkennen zu lassen. Jeder Mensch sollte sich der Einmaligkeit seines Lebens bewusst sein und sich diese Zeit von nichts und niemandem stehlen lassen.

Sie becirct das Publikum: die tanzende Nina Plantefève-Castryck in der Titelrolle als Momo.

Quelle: Hagen König

Rathen. Michael Ende hat seinen Roman „Momo“ 1973 als metaphorischen Versuch geschrieben, die Menschen den Wert ihrer Lebenszeit erkennen zu lassen. Jeder Mensch sollte sich der Einmaligkeit seines Lebens bewusst sein und sich diese Zeit von nichts und niemandem stehlen lassen. Schon gar nicht durch fremdbestimmte Hektik, die jeden Sinn des Lebens aus den Augen verlieren lässt.

Johannes Schaaf hat dieses Buch kongenial als Film umgesetzt, inzwischen gibt es Adaptionen von „Momo“ als Trickfilm, als Oper und Musical sowie als Ballett. An den Landesbühnen Sachsen kam im vergangenen Herbst eine neue choreografische Uraufführung vom Tänzerpaar Wencke Kriemer de Matos und Carlos Matos heraus, die am Sonnabend in einer Neufassung auf die Felsenbühne Rathen übertragen worden ist. Die Suche nach der gestohlenen Zeit kam zunächst einem Hoffen auf gutes Wetter gleich. Viele potentielle Premierenbesucher ließen sich offensichtlich von diffusen Unwetterwarnungen abhalten. Als hätten da schon die Grauen Männer ihre Finger im Spiel.

Doch zunächst tauchte uns Momo, begleitet von begeisterten „Momo“-Rufen des allerjüngsten Publikums, in eine heile, in eine viel zu verlorene Welt. Das Lächeln und die Leichtigkeit dieses wie aus dem Nichts in einer (laut Vorlage italienischen) Stadt auftauchenden Mädchens (Nina Plantefève-Castryck) haben ansteckend gewirkt. Kindermund: „Die Tänzerin muss viel Lebensfreude haben, sonst könnte sie das nicht so schön spielen.“

Auf der nach einem kurzen Regentröpfeln wahrlich sonnigen Bühne becircte diese Momo die anderen Menschen der Stadt, die hier wie ein Städtchen gewirkt hat, in dem jeder jeden kennt und alle einander gut Freund sind. Liebenswerte Figuren wie Beppo Straßenkehrer (Tomaso Quartani), Momo-Freundin Gigi (Petra Zupancic) oder Friseurin Fusi (Tatiana Urteva) machten das beispielhaft deutlich. Ja, hier hat Lebensfreude gegen die Zeit angetanzt – und das nur ein gutes Dutzend Tänzerinnen und Tänzer umfassende Ensemble bewies, wie ausdrucksstark und vielsagend der menschliche Körper sein kann. Jung und Alt waren gleichsam von dieser wortlosen Sprache fasziniert.

In diese heile „Momo“-Welt brechen bekanntlich die Grauen Männer ein, die Zeit-Räuber, denen Effizienz und Profit geradezu heilig sind. Innere Werte zählen dagegen nichts. Verdammt aktuell, dieser Stoff!

Mit einer eingängigen Körpersprache und der Musik von Michio Woirgardt wurden diese Werte und deren Gefährdungen spannend deutlich gemacht. Gegen eine kalte Welt setzte sich letztlich nur noch die tapfere Momo zur Wehr, sie fand Unterstützung bei Meister Hora, dem Herrscher über die menschliche Lebenszeit (Hugo Rodrigues), und dessen liebenswert verständiger Schildkröte Kassiopeia (Morgan Perez).

Die Entfaltungsmöglichkeiten auf der großen Rathener Bühne sind zugleich Herausforderungen gewesen, denn körperlich haben die Darstellerinnen und Darsteller eine stark personifizierte Erzählkunst bewiesen und dies auch in zahlreichen Rollenwechseln betont. Neben mal witzigen, mal auch genialen choreografischen Einfällen (menschliche „Uhrwerke“ zum Beispiel) hat Ausstatter Stefan Weil sowohl hübsch kontrastierende Kostüme entworfen als auch Hingucker wie einen „dehnbaren“ Pappstuhl geschaffen, auf dem auch mal elf Menschen Platz finden. Wie das geht? Hinfahren nach Rathen, nicht mit Zeitnot herausreden und die Wetterprognosen nicht überbewerten.

Von Michael Ernst

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