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Landesamt für Denkmalpflege Sachsen zeigt in Dresden ausgewählte Förderprojekte

Landesamt für Denkmalpflege Sachsen zeigt in Dresden ausgewählte Förderprojekte

Denkmalschutz ist vielerorts zur Privatsache von Willigen geworden, während viel zu viele Ämter als Schutzmacht einen Offenbarungseid ablegen müssen. Am "Tag des offenen Denkmals" statten Millionen Bürger ausgewählten Vorzeigebauwerke einen Besuch ab, aber de facto schwappt - wieder einmal - eine Abrisswelle, die sich gewaschen hat.

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Ziegelei-Ringbrandofen in Beilrode, Ortsteil Großtreben

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege

Farbe, sie mag noch so scheußlich und verfehlt sein, lässt sich auch wieder abwischen - ein niedergerissenes Haus steht nie wieder auf. Görlitz, Zittau und Bautzen haben sich im Zeichen des "Fortschritts" neue Einkaufszentren gegönnt - in der Regel monströse, plumpe Investorenkisten aus Glas, Beton und Stahl, die sich gegenseitig das Wasser abgraben -, dafür aber einige Altstadtperlen geopfert.

Das Noacksche Haus direkt am Markt in Zittau, errichtet 1689 durch den Kaufmann und Zolleinnehmer Andreas Noack, hat es nicht erwischt. Lange stand es leer, war es baulich gefährdet. Dann ermöglichte ein Sonderprogramm von Bund und Land - das in den letzten Jahren schon so manche Sanierung oder Rettung von Denkmalen auf den Weg brauchte, für die bisher kaum Förderinstrumente zur Verfügung standen - die Rettung. Gedacht ist diese Programm insbesondere für "dicke Bretter", für Kulturdenkmale, deren immenser Sanierungsbedarf für die Eigentümer und Bauherren allein schlichtweg nicht zu bewältigen ist.

Die Jahresausstellung des Landesamtes für Denkmalpflege lenkt nun den Blick auf dieses besondere, zum fünften Mal aufgelegte Förderprogramm. Dank eines finanziellen Gesamtvolumens in Höhe von 20 Millionen Euro können nun an 156 Baudenkmälern in Deutschland dringende Substanzsicherungs- und Sanierungsarbeiten durchgeführt werden. Auch Sachsen bekommt seinen Anteil am "Geldregen" ab, rund 1,4 Millionen Euro erhält der Freistaat, die 13 besonders hochwertigen Denkmälern zugute kommen sollen - neben Kirchen beispielsweise dem Spalatinhaus in Torgau, der Klosterruine "Zum heiligen Kreuz" in Meißen, dem Marcolini-Haus in Moritzburg oder auch dem Freigut Eschdorf vor den Toren Dresdens.

Schautafeln im Ständehaus stellen 30 "Problemobjekte" aus den verschiedensten Ecken Sachsens vor, die ohne Fördergeld keine Chance mehr gehabt hätten, wie Sachsens Landeskonservatorin Rosemarie Pohlack gegenüber DNN erklärte. Es werden beileibe nicht nur Kirchen und Schlösser in den Fokus gerückt, auch Bürgerhäuser, eine Parkanlage und zwei technische Denkmale wurden berücksichtigt. Die Ausstellung soll Anerkennung sein, aber, so Pohlack, "auch Mut machen".Allein in den vergangenen fünf Jahren flossen 2,5 bis 3,5 Millionen Euro, beigesteuert vom Bund. Das Sonderprogramm Denkmalpflege, aufgelegt zum ersten Mal im Doppelhaushalt 2013/14, ergänzt das Landesprogramm Denkmalpflege. Für dieses Sonderprogramm wurden seitens des Freistaates Sachsen im Haushaltsjahr jährlich rund fünf Millionen Euro bereitgestellt.

Das spezielle Förderprogramm gebe Totgeglaubtem eine Chance, sagte Pohlack, die weiß, dass es oftmals gerade die kleinen Denkmale sind, die für die Denkmallandschaft Sachsens unverzichtbar sind. Der Freistaat hat mit rund 103 000 Objekten eine sehr hohe Denkmaldichte. Die Masse ist allerdings mitunter auch ein Problem. Man verliert den Überblick, viele Touristen und Tagesausflügler neigen dazu, die üblichen verdächtigen Highlights unter Denkmalsobjekten abzuklappern. Manches Kleinod bleibt links liegen, nicht mal aus Ignoranz, sondern weil man schlichtweg nichts davon weiß.

Die Bilder im Ständehaus dokumentieren neben schon "vorzeigbaren" Ergebnissen explizit einige Denkmale, die gerade erst im Bauprozess oder sogar noch im unsanierten Zustand sind. Am Lotterhof in Geyer, einem der bedeutendsten Zeugnisse bürgerlicher Renaissancebaukunst im Erzgebirge, ist noch viel zu tun, "Wir wollten nicht so tun, als ob alles fertig sei", ließ Landeskonservatorin Pohlack wissen. Es geht nicht zuletzt um die Identität einer Region. In ihrer Einführung zur Begleitheft zur Schau schreibt Pohlack u.a.: "Durch den Verlust eigenständiger Werte und den Verlust einer kulturellen Individualität und Prägung einer Kulturlandschaft wird diese beliebig und unattraktiv, anfangs für Touristen, letztlich auch für ihre Bewohner".

Die erreichten Ergebnisse an der Gamiger Gutskapelle in Dohna oder am Ringofen in Großtreben belegen, dass sich der Mut zur Sanierung auch trotz scheinbarer Abbruchreife - in letzter Minute - sehr lohnen kann. Beim Niederen Kornhaus in Zwickau, das zu den bedeutendsten Speicherbauten Deutschlands zählt, bestand zeitweise "Gefahr für Leib und Leben", wie Pohlack wissen ließ. Der Totalverlust des Dachwerks mit seinen ehemals sechs Böden drohte. Die Notsicherung mit Hilfe einer spektakulären Stahlkonstruktion 2009 sowie die Bauwerkssicherung 2010/11 wären ohne die Förderung aus den Sonderprogrammen von Bund und Land - allein mit städtischen Mitteln - nicht möglich gewesen. Anfangs waren die Zwickauer skeptisch; als dann am 14. September 2014 das Kornhaus als eine der modernsten Bibliotheken Sachsens der Öffentlichkeit übergeben wurde, kamen laut Pohlack am ersten Tag 10 000 Leute, um sich ein Bild zu machen.

Zur als Wanderausstellung konzipierten Schau ist ein Begleitheft mit allen in der Ausstellung vorgestellten Objekten erschienen, die über den Publikationsversand des Freistaats Sachsen kostenfrei erhältlich ist: www.publikationen.sachsen.de

Die Ausstellung ist bis 27. März im Ständehaus am Dresdner Schlossplatz 1, Erdgeschoss, jeweils montags bis donnerstags von 10 bis 17.30 Uhr und freitags von 10 bis 16 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 27.01.2015

Christian Ruf

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