Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Google+
Laing in Dresden: Kein Konzert - eine Inszenierung

Laing in Dresden: Kein Konzert - eine Inszenierung

Laing live im Kino? Paul Simangs Mut wurde belohnt, der Dresdner Booker hatte per Sunset Mission den Wunsch des Berliner Damenquartetts nach einem bestuhlten Theaterraum im engen Zeitkorsett einer fünftägigen Konzertwoche fürs neue Album erfüllt und präsentierte ihnen im Fritz-Lang-Saal der Schauburg beim einzigen Osttrip nach dem Start in der Berliner Volksbühne mit schmaler Bühne ein fast ausverkauftes Haus.

Voriger Artikel
"Meisterkonzerte auf Schloss Albrechtsberg" in Dresden beginnen
Nächster Artikel
Nun Düsseldorf statt Dresden? Verbleib von Schauspiel-Intendant Schulz ist offen

Laing gastierten am Dienstagabend in der Schauburg und präsentierten eine perfekt einstudierte Show.

Quelle: dpa, Britta Pedersen

Punkt halb neun abends, just eine halbe Stunde später als angekündigt, waren sie für genau 90 Minuten wach genug, um mit einem perfekt inszenierten Auftritt mit eingespielter Musik plus livehaftigem Schlagzeuger (Milian Vogel) und ausgeklügelter Lichtregie ein Publikum zu begeistern, das mit Musik auf Scheiben oder gar Bändern nichts mehr anfangen kann. Genausowenig wie Laing mit Rockmusik auf alten Instrumenten. Sie sind Performerinnen, die auf Stimme, Geist und Körper setzen und fast nichts dem Zufall oder der Improvisation überlassen.

Und auf fesche Provokation der Männerwelt setzen: Mit "Zeig Deine Muskeln" steigen sie - je zur Hälfte auf Deutsch und Latein - in ein kompaktes Programm ein, das alle zwölf neuen Titel plus drei vom 2013er "Paradies naiv" darzubieten, darunter "Morgens bin ich immer müde", mit dem sie Sachsen vor zwei Jahren auf Platz 2 beim Bundesvision Songcontest überraschend hievten, als erste Zugabe.

Eine gewisse Nervosität scheint sich beim fünften Konzert in den Zwischenmoderationen anzudeuten, doch das ist alles nur Spiel. Das zeigt sich schon vorm zweiten Beitrag, der mühselig mit diversen Lichtstimmungen in an-geblichem Dialog mit dem Leucht- pulthelden eingeleitet wird. Denn dann folgt mit "Wechselt die Beleuchtung" eine durchaus witzig-ambivalente Liebeserklärung, die optisch beeindruckend umgesetzt wird, schon der Titelsong.

Die Schauburg ist nun auch kein Theater, sondern als Kino nicht sonderlich gut schallisoliert, so dass Kino- wie Konzertbesucher am Rande jeweils Nebengeräusche hatten, was bei der dramaturgisch streng durchkomponierten Vorstellung natürlich auffiel - vor allem bei Nicola Rosts Solo am klanglich auf Harmonium getrimmten Keyboard als Hommage auf ihren einst abgebrochenen Klavierunterricht. Hier wird die Showchefin, die gegenüber den Sängerinnen Johanna Marshall und Larissa Pesch als Leadsängerin firmiert, fast persönlich und steigert sich eine fiktive Selbstaufgabe in "Dein - Deiner - am Deinsten".

Überhaupt zeigt die große Blondine mit der emanzipiert-kräftigen Stimme, zu der man nur "Jawoll" sagen kann, wenn sie auffordert, sie gefälligst bei der Frage nach dem Feuerzeug zu siezen ("Sagen Sie Sie"), keinerlei Lust, den TV-showerprobten Kreischern oder Klatschern im Publikum Futter zu bieten. Für quasi-hymnischen Mitgesang sind die Nummern sowieso zu raffiniert und temporeich arrangiert. So störte dann leider auch das gemeinschaftlich-monotone Fingerschnippsen beim a cappella und unplugged vorgetragenen Schlusssong "Das letzte Lied".

Man darf auf den Weg des Damenquartetts mit Trommelmann gespannt sein. Bislang ist es ein ambitioniertes Elektropop-Projekt mit eigenwilligen Tanzeinlagen von Marisa Akeny, die als Choreografin gute Arbeit leistet. Ein Projekt, das in guten Momenten durchaus an Kraftwerk erinnert. Von der Talent- zur Kultband bedarf es nun neben Fleiß vor allem Geduld. - Und beim nächsten Mal, so ergab die Publikumsfrage bei allen fünf bisherigen Konzerten, geht es wieder ohne Plüschsessel.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 23.10.2014

Andreas Herrmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Kultur News

Entwirren Sie mit schnellem Auge und flinkem Geist den Buchstabensalat des Rätselspiels! Hier kostenlos im Spieleportal von DNN.de spielen! mehr

  • Semperopernball
    Semperopernball

    Alle Infos, alle Highlights, die schönsten Bilder - der Semperopernball in Dresden. mehr

  • 13. Februar

    Ob Gedenken, Täterspuren oder Menschenkette: Alle Infos finden sie in unserem Special zum 13. Februar in Dresden mehr

  • Onlineabo

    "DNN-Exklusiv" heißt das Online-Premiumangebot der Dresdner Neuesten Nachrichten, dass Sie überall und rund um die Uhr nutzen können - zu... mehr

  • E-Paper
    E-Paper

    Mit unserem E-Paper-Abo können Sie die DNN in digitaler Form täglich im Original-Layout im Web oder auf Ihrem Tablet lesen. mehr

  • Magicpaper
    Magicpaper

    Wenn Sie an Beiträgen in der gedruckten DNN das Handy-Symbol entdecken, stehen ab sofort mithilfe der Magicpaper App zusätzliche digitale Inhalte f... mehr