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Längst ausgebrummt, aber nicht vergessen - vor 20 Jahren starb der "Brummers"-Gründer

Längst ausgebrummt, aber nicht vergessen - vor 20 Jahren starb der "Brummers"-Gründer

Auf dem Feld von Comedy, Klamauk, Satire tummeln sich heute viele. Richtig gut sind sie längst nicht alle, aber der Liebhaber humorvoller Bissigkeit hat ja die Wahl - und die Um- oder Ausschalttaste am Fernseher.

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Dresdens beliebteste Gesangsparodisten Eberhard Keyn, Wolfgang Roeder, Johannes Frenzel und Erich Weber (v.l.).

Quelle: Archiv/V. Billeb (100 Dresdner des Jahrhunderts)

Speziell dem musikalischen Entertainment hatten sich einst "Die vier Brummers" verschrieben, vier singende Herren aus Dresden, wovon drei zusätzlich Akkordeon, Kontrabass und Gitarre einsetzten. Das ist lange her und trotzdem zaubert die Erinnerung an das parodistische Vokalquartett noch manches Lächeln ins Gesicht.

Nachdem die kabarettistischen Auftritte der Vier auf Privatfeiern ungeheuren Anklang fanden, rief Wolfgang Roeder 1951 die Gründung des neuen musikalischen Quartetts aus. Bis zum letzten gemeinsamen Auftritt 1977 leitete er die Truppe und schrieb den "Brummers" die satirischen Liedtexte auf den Leib, die - soweit man sich vorwagen konnte - den DDR-Alltag mit Stromsperre, Kellnermangel und weiteren Miseren oft in Coverversionen bekannter Schlager aufs Korn nahmen. Am Heiligabend vor 20 Jahren ist "Brummer"-Chef Roeder in Stahnsdorf bei Berlin mit 67 Jahren verstorben.

Er war nicht der erste "Brummer", der sich von der Welt verabschieden musste. Kollege Eberhard Keyn war nur 46 Jahre alt geworden, als er 1977 dem Krebs erlag. Sein Tod hatte den Ausschlag für das Ende des erfolgreichen, liebenswürdig-humorvollen Quartetts gegeben, denn wie die Musketiere hatten sie sich geschworen: alle oder keiner. 1992 folgte Johannes Frenzel und im Jahr darauf dann Roeder. Nur Erich Weber ist noch am Leben.

Das einstige Glückskleeblatt kannte sich vom Engagement an der Staatsoperette Dresden und tourte zunächst noch nebenbei. Ab 1955 setzten die vier Herren im korrekten Anzug, inklusive kariertem Jackett, ganz auf Eigenständigkeit. Bald waren sie die populärsten Gesangsparodisten im Osten Deutschlands, galten als die Comedian Harmonists der DDR. Sie traten mit der Jodlerin Susi Schuster oder der Komikerin Leni Statz auf, wirkten in den Unterhaltungsfilmen "Geliebte weiße Maus" oder "Nelken in Aspik" mit. Bis zu seiner Auflösung brachte es das Quartett auf rund 7000 Bühnen- und 120 Fernsehauftritte.

Der Name "Die vier Brummers" soll übrigens auf Wolfgang Roeders Frau zurückgehen. Sie habe in einem freundschaftlichen Rüffel die Männer "ihr Brummer" genannt und eigentlich "ihr Brummochsen" gemeint. Roeder, der Eleganteste der vier, hatte als Bühnenarbeiter begonnen. Er nahm Schauspiel- und Gesangsunterricht und trat auch solistisch auf. Das Texten und die Chefrolle waren dem Dresdner wohl in die Wiege gelegt. 1977, als Dynamo Dresden noch Meisterehren erringen konnte, schrieb Fan Roeder die Fußballhymne "Dynamo, Dynamo wird niemals untergehn". Auch nach der Wende stand er noch auf der Bühne und witzelte mit Biss, so unter anderem bei einer Live-Veranstaltung des Berliner Rundfunks.

Zufall oder nicht: Der letzte gemeinsame Auftritt der "Vier Brummers" fand am 24. Juni 1977 in der Dresdner Freilichtbühne "Junge Garde" statt. Am gleichen Tag erfolgte die Grundsteinlegung für den Wiederaufbau der Semperoper.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 21.12.2013

Genia Bleier

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