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Laboratorium oder Luftgebäude: Diskussion um ein Literaturhaus für Dresden

Laboratorium oder Luftgebäude: Diskussion um ein Literaturhaus für Dresden

Braucht Dresden ein Literaturhaus? Ja, sagt eine Initiative aus Verlegern, Autoren, Veranstaltern. Nicht unbedingt, meinen hingegen Vertreter jener Einrichtungen, die seit Jahren Literaturveranstaltungen organisieren.

Jetzt haben Befürworter und Nicht-Befürworter zum ersten Mal öffentlich darüber diskutiert, im Kulturrathaus, auf Initiative der Grünen im Dresdner Stadtrat. Knapp 40 Zuhörer waren erschienen, beteiligten sich auch an der Diskussion.

Lesungen in Dresden würden zu wenig wahrgenommen, meinte der Dichter Volker Sielaff, der zu den Initiatoren für ein Literaturhaus gehört. "Ich habe das Gefühl, dass ein Ort fehlt, wo etwas Richtiges losgeht", sagte er. Große Autoren machten auf ihren Lesetouren einen Bogen um Dresden. Auch für aufwändige Wanderausstellungen zur Literatur brauche man einen zentralen Ort, der allen bekannt ist. Ein "Laboratorium", wünscht er sich, darin auch "schräge, verrückte Angebote", um mehr jüngere Literaturinteressierte zu gewinnen.

Verleger Helge Pfannenschmidt, Leiter der kleinen Edition Azur, denkt in die Zukunft: "Wir müssen überlegen, wie wir das Format Lesung weiterentwickeln." Dafür könne ein Literaturhaus eine "integrierende Instanz" sein. Das Dresdner Literaturbüro jedenfalls könne das derzeit nicht leisten. Dessen Veranstaltungen, die "Bardinale" zum Beispiel, seien in Dresden kaum bekannt, der Kreis der Besucher klein.

Andrea O'Brien sieht das ganz anders. Sie leitet gemeinsam mit ihrem Mann Ruairi O'Brien Literaturbüro und Kästner-Museum, beides unter dem Dach der Villa Augustin, die sich seit Juni "Literaturhaus" nennt. Die einzige Einrichtung für Literatur, die von der Stadt institutionelle Förderung bekommt. Nun mit neuem Veranstaltungsraum in der 1. Etage.

"Wir rechnen damit, dass wir in den nächsten zehn Jahren vielleicht das ganze Haus zur Verfügung haben." Das sollte genutzt und Neues entwickelt werden, meinte sie. "Wir sind da. Unser Haus steht allen offen. Wer das nicht nutzt, muss sagen, warum." Auch sie weiß, dass man neue Wege gehen muss, um nicht den Faden zu jüngeren Literaturinteressierten zu verlieren. "Für sachliche Kritik sind wir offen."

Dresdens Kulturbürgermeister Ralf Lunau (parteilos) zeigte sich als deutlichster Skeptiker gegenüber einem Literaturhaus. Viele unterschiedliche, über die Stadt verteilte Angebote halte er für besser. Zumal beispielsweise Hygienemuseum, Festspielhaus Hellerau oder das Schauspielhaus seit einigen Jahren verstärkt Literaturveranstaltungen organisieren. Zusätzliche Lesungen hält er für möglich, wenn die auf Resonanz stoßen. "Aber wir werden nicht mit einem Haus anfangen und erst hinterher schauen, ob das nötige Quantum an Besuchern kommt."

"Warum nicht mal eine gemeinsame Veranstaltung?", meinte Susanne Dagen vom Buchhaus Loschwitz. In ihrem Kulturhaus Loschwitz organisiert sie seit Jahren - ausschließlich privat finanziert - Lesungen, aber auch Vorträge, Konzerte und Ausstellungen. Sie bezweifelt, dass Dresden noch einen weiteren Veranstaltungsort verträgt.

Nicht nur der Schriftsteller Michael G. Fritz, Mitarbeiter der Stadtbibliothek, vermisste bei den Literaturhaus-Initiatoren konkretere Vorstellungen, auch mehrere Zuhörer bemängelten das. Dichterin Jayne-Ann Igel brachte die Position der Literaturhaus-Skeptiker auf den Punkt: "Wir sollten mit den vorhandenen Strukturen weiterarbeiten. Das ist dringlicher, als Luftgebäude zu errichten."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 12.10.2011

Tomas Gärtner

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