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Labiles Gefüge: Ausstellung des Dresdner Malers Bert Müller in der Loschwitzer galerie am blauen wunder

Labiles Gefüge: Ausstellung des Dresdner Malers Bert Müller in der Loschwitzer galerie am blauen wunder

Eine Ausstellung von Bert Müller fand in dieser Galerie am Ende des Jahres 2008 statt, an dessen Anfang eine Ausstellung seines wichtigsten Künstler-Freundes und Lehrers Wilhelm Müller stand.

Nun ist es ungewöhnlich, dass die galerie am blauen wunder im Abstand von knapp vier Jahren einem Künstler eine zweite Ausstellung einrichtet. Dafür gibt es drei wesentliche Gründe. Der davon wichtigste ist wohl die Tatsache, dass er im vergangenen Januar seinen fünfzigsten Geburtstag feiern konnte. Darüber hinaus ist der Restaurator, der als bildender Künstler Autodidakt ist, seit letztem Jahr Mitglied im Künstlerbund Dresden und damit im Sächsischen Künstlerbund und im BBK. Außerdem hat er zu Beginn diesen Jahres ein Atelier im Loschwitzer Künstlerhaus bezogen.

Sein Vater malte und photographierte im Ausgleich zum technischen Beruf, so dass der Sohn frühzeitig mit Bildkünstlerischem konfrontiert war. Durch seine Mutter begegnete der sechzehnjährige Bert Müller dem Dresdner Kinderarzt und Maler Wolfgang Lehmann alias Dottore, durch den er wiederum andere Künstler und Kunstvermittler kennenlernte, deren wichtigste Hermann Glöckner, Klaus Dennhardt, Rudolf Mayer und eben Wilhelm Müller waren. Aber auch Werner Schmidt, den Direktor des Dresdner Kupferstich-Kabinetts - bis in die neunziger Jahre hinein einziger wesentlicher Ort für internationale Gegenwartskunst in dieser Stadt - schätzte er von Jugend an.

Ein zunächst begonnenes Maschinenbau-Studium an der TU Dresden scheiterte nach reichlich zwei Jahren - und freie Kunst konnte man in Dresden mit solchen frühen Prägungen, wie eben erwähnt, auch in den achtziger Jahren noch nicht studieren, so dass er bis 1988 in Potsdam Restaurierung von Architekturfassungen bis zum Diplom absolvierte. Dies ist bis heute sein Existenz-Beruf, in dem er auch einige gleichgesinnte Freunde wie Martin Wolf fand, die neben dem Job von freier bildnerischer Tätigkeit fasziniert sind.

Die frühesten bildnerischen Arbeiten von Bert Müller bis 1984 sind unter dem nachhaltigen Einfluss von Hermann Glöckner ausschließlich konstruktivistischer Natur. Während des Restaurierungs-Studiums entstehen im Eindruck der "Brücke"-Künstler auch expressiv-gegenständliche Bilder, die ihn aber nicht so dauerhaft fesseln wie das nichtgegenständliche freie Spiel mit Farbe und Form. In der Folge entdeckt er unter dem Einfluss von Wilhelm Müller das Faszinosum des Amorphen, das er bis heute paart mit den Abdrucken banaler realistischer Gegenstände. Diese wiederum gemahnen an die ready-mades eines der Urväter der Moderne Marcel Duchamp. Da trifft es sich gut, dass heute eine auf dem "Schweigen des Marcel Duchamp" basierende Kunstrichtung, der Fluxus von George Brecht bis Ben Vautier und Emmet Williams, ebenso alt wird wie Bert Müller - nämlich fünfzig. Und der auch im Fluxus verankerte John Cage wäre zwei Tage vor Eröffnung dieser Ausstellung hundert geworden, ebenso alt wie Duchamps Abkehr von der Malerei.

Die ready-mades von Bert Müller sind bienenwabengleiche Industriegitter, Sägeblätter aller Art, platt geklopfte Kabelschutzschläuche, Maschendraht, Schleusendeckel, Ofenrohr-Rosetten, Kohleherdplatten-Rückseiten und einige andere skurrile Fundobjekte. Aber er stellt sie nicht in natura aus wie Duchamp oder verfremdet sie picassoid wie Willy Wolff; er druckt sie ab und integriert sie ins amorphe Chaos seiner Malerei. Wie Joseph Beuys mit dem Titel "Das Schweigen des Marcel Duchamp wird überbewertet" provoziert, wird Bert Müllers mit Nähe vermischte Abkehr von Duchamp zu großartiger, unverwechselbarer Malerei.

Diese ist in der Ausstellung mit Tafelbildern und Arbeiten auf Papier von 2010 bis 2012 versammelt und reicht von "Labilen Gefügen", wie auch die Gleichgewichte seiner "ready-mades" labil sind, bis zur Symbolik modernster Astrophysik, wie 2010 "Verdoppelter Kosmos" oder 2011 "Parallelwelten". Aber im Amorphen lauert auch das Morbide prähistorischer "Erinnerungsarchitekturen", wie es Volkmar Billig 2007 in seinem Katalogtext treffend formuliert. Die vier großen Bilder "Abwärtsbewegung" von 2011, "Im Laufe der Zeit 1" und "-2" sowie "Überhang" aus diesem Jahr prägen den großen Raum der Galerie.

Ausstellung in der galerie am blauen wunder, Pillnitzer Landstraße 2, bis 10. November. Do-Sa 14-18 Uhr

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 19.10.2012

Gunter Ziller

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