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LaBrassBanda haben die Musikwelt erobert - Am Samstag kommen sie in den Alten Schlachthof

LaBrassBanda haben die Musikwelt erobert - Am Samstag kommen sie in den Alten Schlachthof

LaBrassBanda fallen aus jedem Rahmen. Das Quintett um Sänger und Trompeter Stefan Dettl rührt eine Mischung aus Blasmusik, Jazz, Funk, Reggae und Balkan-Beats zusammen, zu hören auf "Europa".

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LaBrassBanda mit Stefan Dettl, Trompete und Gesang, in der Mitte.

Quelle: Gerald von Foris

Mit ihm sprach Olaf Neumann. Morgen sind LaBrassBanda in Dresdens Altem Schlachthof zu hören.

Frage: Auf Ihrem neuen Album "Europa" widmen Sie Holland, Frankreich, Russland, Schweden und Griechenland jeweils ein Lied. Wieso gibt es keins für Deutschland?

Stefan Dettl: Unsere ersten Konzerte außerhalb von Bayern haben wir im europäischen Ausland gemacht. Es waren wunderschöne Erfahrungen. Insofern ist das Album ein Dankeschön an Europa. Wenn wir eine politische Botschaft haben, dann diese: "Jeder soll sich seine eigenen Gedanken machen, die Welt anschauen und mit den Leuten reden. Und auf keinen Fall andere ausgrenzen". Ich fände es schön, wenn Europa noch weniger Grenzen hätte.

Wie kam es, dass Sie zuerst im Ausland bekannt wurden?

In Bayern und in Restdeutschland sagte man uns anfangs, Lederhosen und auf Bayerisch zu singen, mache keinen Sinn. Da würde das Publikum sofort weglaufen. Dann sind wir halt nach England gegangen. Dort sind die Leute vorurteilsfreier. Zuerst spielten wir in einem kleinen Londoner Jazzclub vor lauter Schwarzen. Sie haben zu unserer Musik total schön gefeiert. Das hat uns Selbstvertrauen gegeben.

Ihre Texte sind für Nicht-Bayern nicht immer verständlich. Kann bei Ihnen auch der Sound für sich alleine stehen, bar jeder Interpretation?

Das ist okay für uns, wir sind Musiker. Ich finde es spannend, Wörter mit einer musikalischen Phrase zu verbinden. Wenn man den Text nicht versteht, schaut man halt mehr auf die Gesten und die Gesichter. Eine Liveband macht aus, dass sie auf der Bühne machen kann, worauf sie Lust hat. Unsere Texte sind selbst für Bayern nicht immer verständlich. Ich kann aber nur Dialekt. Auf Englisch oder auf Hochdeutsch zu singen, würde mich unheimlich nervös machen, weil ich manchmal nicht weiß, wie ich ein Wort aussprechen soll. Bayerisch fühlt sich für mich sehr natürlich an, da kann ich Gefühle ganz anders ausdrücken. Es ist die Sprache, in der ich lebe.

Warum haben Sie sich als Knabe ausgerechnet Blasmusik ausgesucht?

In Bayern ist das nichts Ungewöhnliches. Ich habe Hippieeltern. Als ich 14 war, sagten sie zu mir: "Junge, du musst dein Leben jetzt selber leben!" Das hat mir gut gefallen. Mein Vater ist Tubaspieler und mein Opa Trompeter. Bei uns auf dem Land gibt es in jeder Ortschaft eine Blasmusik. Dort kannst du mit 13, 14 schon mitspielen. Du bist in einem sozialen Gefüge drin, was total Spaß macht.

Und wann hatten Sie Ihr Aha-Erlebnis mit dem Jazz?

Ein Lehrer von unserer Musikschule stammte aus dem Rheinland. Er meinte, wir könnten nicht immer nur Blasmusik machen, wir sollten auch mal Jazz, klassische Musik oder Tanzmusik spielen. Ich bin aber auch ein großer Rockfan. Bei Chiemsee Rocks durfte ich Dave Grohl kennenlernen, als ich Anheizer für die Foo Fighters war. Eine Wahnsinnsgeschichte. Dave Grohl war total entspannt. Er ist für mich ein Vorbild.

Was kann eine Trompete, Tuba oder Posaune, was eine Gitarre nicht kann?

Wenn du auf der Gitarre einen Akkord anschlägst, klingen sofort alle Saiten an. Bei uns ist es aber so, dass jeder von uns nur einen Ton machen kann. Dieser Ton ist total flexibel, er kann länger sein, aber auch kürzer. Er kann warm klingen oder hart. Bei uns kommt es sehr auf das Miteinander an. Für den Rhythmus ist es super, wenn sich mehrere Leute zusammenraufen und einen gemeinsamen Nenner finden.

Es heißt, Rock'n'Roll sei purer Sex und die Gitarre das erotischste Instrument überhaupt. Und was ist dann die Tuba?

Mit Erotik hat eine Tuba nicht so viel am Hut. Das Erotische bei unseren Konzerten ist, dass sich die Leute hemmungslos bewegen dürfen.

Welche Rolle spielt die bayerische Volksmusik bei dem Sound, den Sie heute mit LaBrassBanda machen?

Sie ist unser Ursprung. Ich finde es immer noch wahnsinnig toll, an einem schönen Tag eine Blaskapelle auf einem Obstanger zu erleben. Dazu könnte ich mir keine Rockmusik vorstellen. Die bayerische Mentalität zeichnet sich durch eine gewisse Renitenz aus. Das auf alle Fälle. Die Bauern in Bayern sind zum Beispiel ganz anarchisch eingestellt. Sie sagen: "Vorschriften hin oder her - ich mache es seit hundert Jahren so wie ich Lust habe." Diese Mentalität der Bayern gefällt mir sehr gut.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 15.11.2013

Olaf Neumann

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Von Redakteur Olaf Neumann

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