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"L'elisir d'amore" als Hochschulinszenierung im Konzertsaal der HfM

"L'elisir d'amore" als Hochschulinszenierung im Konzertsaal der HfM

Es ist die alte Geschichte vom jungen, etwas weltfremden Mann, der allerlei Proben bestehen und der eigenen Schüchtern- bzw. Dummheit ein Schnippchen schlagen muss, um am Ende dann doch die Angebetete plus Erbschaft zu erreichen.

Gaetano Donizetti hat diesen Stoff vor langer Zeit (Uraufführung 1832) zum Thema seiner beliebten Buffo-Oper "L'elisir d'amore" gemacht. Die hiesige Musikhochschule und das Theater Freiberg hatten sich auf dieses Werk als Kooperationsobjekt verständigt - freilich in einer sehr, sehr gekürzten und "modern" aufgepeppten Variante, sozusagen Donizetti light. Die Kürzungen betrafen auch den musikalischen Teil, etwa durch die Streichung des Chores. Es ist ein wichtiges und richtiges Ziel, der Oper neue Publikumsschichten zu erschließen. Ob aber dies der Königsweg ist und ob sich Donizettis "Liebestrank" für ein Familienkonzert eignet (als solches war das Ganze angekündigt), sei dahin gestellt.

Die Regiearbeit von Elisabeth Holmer versprach jedenfalls das seltsame Phänomen "Schauspieloper", die auf halbszenische Weise vom Donizetti-Original ein Grundgerüst übrig ließ. Und munter und flott gespielt wurde auch. Adina ist hier keine junge Pächterin, sondern die Besitzerin des Hotels "Villa Adina", bei der der verträumte Pharmaziestudent Nemorino zum wiederholten Mal als Aushilfskellner den Sommer verbringt. Die Hotelangestellte Giannetta ist auch auf der Beauty-Farm zu Gange. Der ungelenke Managertyp Belcore (er ist kein Offizier) und der windige Pharmavertreter Dulcamara vervollständigen das Ensemble. Hinzu kommt eine deutsche Durchschnittsfamilie auf Pauschalurlaubstrip, Typ gelangweiltes Elternpaar (Lisa Dietrich und Nikolaus Nitzsche) und aufmüpfige Kinder (Annina Battgalia und Bojan Heyn). Ihr fiel die Aufgabe des Kommentators des Geschehens zu, was bei der in Originalsprache gesungenen Handlung notwendig war und zumindest teilweise gelang. Und nach etwa fünfundsiebzig Minuten war auch schon alles vorbei.

Zur musikalischen Seite. Mit stimmlicher Leichtigkeit und Schmelz ausgestattet gab Jiheon Lee eine ansprechende Adina, aus der vielleicht einmal ein schillernder Koloratursopran werden könnte. Ihr zur Seite bestach Hyunduk Kim als Nemorino mit ausdrucksvoller Tongebung, auch mit der gewissen "Träne" in der Stimme. Sein hingebungsvoll gesungenes "Una furtiva lagrima" avancierte jedenfalls zu einem Höhepunkt der Aufführung. Beiden Protagonisten ist eine sorgfältige Höhensicherheit zu bestätigen. Bei der quirligen Chrysanthi Chachoulia, die vor allem in den Ensembleszenen gefordert wurde, war die heitere Giannetta gut aufgehoben. Mit geschmeidigem Bariton fügte sich Henrik Marthold als Belcore ein. Augenzwinkernder Spielwitz und markante Stimmkraft zeichneten den Quacksalber Dulcamara von Sergio Lukovic aus. Beide stellten ihr komödiantisches Talent mit Begeisterung und im Rahmen der ihnen zugebilligten, szenischen Möglichkeiten unter Beweis. Als Mafia-Typ war der Notar, hier ein namenloser Gast, Sen Li zu erleben.

Die musikalische Leitung des Ganzen und insbesondere der Mittelsächsischen Philharmonie Freiberg oblag Franz Brochhagen. Von den seitlich aufgestellten Orchesterpulten tönte es geradlinig, klangschön. Ein Mehr an orchestraler Leichtigkeit und klanglicher Differenzierung wäre wünschenswert gewesen. Dass das Sängerensemble einfach immer wieder zugedeckt wurde, mag an den räumlichen Verhältnissen gelegen haben. Das ließ sich aber nicht anders lösen.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 17.03.2015

Mareile Hanns

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