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Kurzurlaub im Schneidersitz: Sound of Bronkow in Dresden

Kurzurlaub im Schneidersitz: Sound of Bronkow in Dresden

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Robert Gwisdek ist Käptn Peng und macht auf jedem Fall gute Musik.

Quelle: Dietrich Flechtner

Auf den vier Bühnen im und um das Societaetstheater wurde deshalb die Lautstärke gemessen beim 4. Sound of Bronkow-Festival. Auf dem Gerät gab es aber sicher nicht allzu viele Ausschläge. Denn "Schön leise hier!" ist so etwas wie ein Running-Gag in diesem Haus. Auch das aktuelle Publikum hörte konzentriert und ohne viel Gegröle zu, während auf der Bühne "Folk, Indie und Singer/Songwriter"-Musik summte und brummte, die sich im Verlauf des Wochenendes auch mal in Spoken Word, Rock'n'Roll oder Experimentelles verwandeln sollte, was einem Festival, an dem man bis zu zwölf Stunden Musik pro Tag angeboten bekommt, ein paar tiefere Erinnerungsrillen verpasst.

Der Eröffnungsabend brachte die amerikanischen Folk-Männer von Frontier Ruckus, deren Banjo-Spieler intern möglicherweise einen Preis für die beste Trucker-Jeans verliehen bekommt, das dänische Jungpopwunder Schultz & Forever und seine genauso junge Band, die niederländischen Naturschwelger von I am Oak und auch Petula, die deutsche "Ein-Mann-Supergroup" zwischen Folk und Elektronik. Zuhörmusik. Menschen sitzen, Menschen träumen, Menschen machen Seifenblasen. Das Tanzen fand dann in der GrooveStation statt, wo die erste Nacht ausklang.

Am Sonnabend stellte sich die Musik dann breiter auf. Sie begann noch ganz ruhig mit Kaffee und Kuchen im Apfelgarten und krabbelnden Kleinkindern. Die etwas größeren tanzten ein bisschen vor der Bühne, auf der die Art des Singer/Songwritertums durchdekliniert wurde. Doch spätestens mit Jeffrey Lewis And The Rain ging es nicht nur ins Innere des Theaters, sondern auch ans Eingemachte. Mit seiner in bunten Stickern ertrinkenden Gitarre spielte Lewis seine Mischung aus Anti-Folk, Garagenrock und Comicbuchvertonung. Gut, war aber auch schon mal noch sperriger gewesen. Vielleicht, weil Jeffrey zwar wieder einen halben Roman, aber keinen anarchischen Gegenspieler wie seinen Bruder Jack dabei hatte. Die Iren O Emperor lieferten so etwas wie das harmonische Gegenstück, mit ihrem Indie- und zuweilen psychedelischen Rock, bei dem sie auch mal zu viert sangen. "Die neuen Beatles", wie jemand im Publikum bemerkte.

Eine echte Abwechslung war der Auftritt von der Berlinerin namens Tellavision. Die kleine Musikerin mit der großen Haartolle loopte sich ihre Musik wagemutig zusammen und schnalzte gern ins Mikro, dass einem manchmal die Ohren schmerzten. Mädchenmusik in cool. Publikumsspalter. Einige verließen fluchtartig den Saal, die blieben, klatschten begeistert.

Danach zog ein Magnet nahezu das gesamte Publikum in den oberen Saal. Gut 300 Menschen waren am Ende drin. Warum? "Sein Name sei Peng". Robert Gwisdek is Käptn Peng und stielt mittlerweile Musikern wie Efterklang die Show auf großen deutschen Festivals. Was Peng, sein Bruder Shaban und die Band Die Tentakel von Delphi machen, ist halt auch gut. Kein Rap, auch wenn Peng im Soci das Hosenbein hochkrempelte und einmal "Yo" sagte. Nur weil er schneller spricht als normale Singer-Songwriter, wird das Ergebnis gern mit Hip Hop identifiziert, sagt er. Dabei ist es eher Philosophie, auf jeden Fall näher am Spoken Word als am Battle. Es lohnte sich auch in dieser abgespeckten Version, in der nur Peng und seine Gitarre und am Ende noch zwei Bandmusiker auf der Bühne standen. Hinter Kreismusik, dem Label, auf dem Käptn und Tentakel über die sieben Wortmeere schippern, steckt Sound of Bronkow-Organisator Mario Cetti, der mit dem großen Erfolg des Musikers noch ein paar Stunden weniger schlafen dürfte.

Passend zum gesprochenen Wort in der Musik schlossen sich die Amis von Listener an, die den Saal mit ihrer ebenfalls sehr textstarken Interpretation von Rock'n'Roll auswischten.

Sonntag dann wieder Apfelgartenmusik, zum Beispiel mit Allie, dem jungen, in Berlin lebenden, Songwriter, dessen Lieder fast nur aus seiner flüsternden Stimme, seiner Gitarre und elektronischem Knirschen zu bestehen scheinen. Und natürlich am Abend die große Kirchennummer, wenn schon mal eine direkt neben dem Theater steht. In diesem Jahr sollte es ein Heimspiel fürs Kumpels&Friends-Kollektiv Garda werden. Was das Besondere an ihrem Auftritt war, das im Programmheft versprochen wurde, konnte beim Schreiben dieser Rezension noch nicht abgesehen werden. Aber allein die Verbindung von Kirchenhall und knarzender Folk-Ballade dürfte ziemlich gut funktioniert haben. Vielleicht waren ja auch die Ordnungsämtler mit dem Zähler da und machte sich eine schöne Zeit.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 02.09.2013

Juliane Hanka

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