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Kurt Vile debütiert im Beatpol

Kurt Vile debütiert im Beatpol

Hoch interessanter junger Mann mit gesundem Haarwuchs, dieser Kurt Vile aus Philadelphia. 33 ist er, da darf man das so sagen. Interessant ist er hierzulande weniger durch sein smartes Äußeres als durch sein letztes Album geworden, das "Wakin On A Pretty Daze" heißt und vieles will.

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Fällt durch mehr auf als nur sein üppiges Haupthaar: Kurt Vile.

Quelle: PR

Es ist das insgesamt fünfte seit 2008, das dritte fürs anerkannte Label Matador (Belle And Sebastian, Cat Power, Yo La Tengo). "Still und leise", sagt man dort, "wurde Vile einer der ganz großen US-amerikanischen Songwriter und Gitarristen." Dann kommt noch etwas wirklich Hübsches, und es stimmt sehr wohl: "Das neue Album ist zeitlos. Es hätte vor 30 Jahren schon großartig geklungen, so groß wie heute, und in 30 Jahren wird es immer noch so sein."

Das allein beschreibt Kurt Viles Ansinnen. Er schert sich nicht um die Erfindung eines neuen Sounds oder gar Stils, er negiert schlichtweg Innovation, sondern verlegt sich mit aller Kraft, Entspanntheit und dem nötigen Abstand auf eine Melange, die Retro sein könnte, wenn er kopieren würde, die aber aktuell wird durch die Art, wie Vile die Sache angeht. Natürlich suppen hier förmlich die 1960er und -70er durch jede akustische Ritze, die leicht schwitzigen Psychedelics und Fitschel-Sounds der Keyboards, die entfernte Orgel, das verzerrte Ringen mit den akustischen und elektrischen Saiten, die Harmonien, der Gesang, der mit lässig noch zahm beschrieben scheint, all die Verweigerung, in nur vier Minuten auf den Punkt kommen zu wollen oder zu müssen. So ist das Titel gebende Stück gleich das erste und mit knapp zehn Minuten schon ein Wagnis. Nicht für Kurt Vile, der zudem mit Jonathan Demme einen renommierten Filmregisseur gewinnen konnte. Demme ("Philadelphia", "Stop Making Sense") liebt Musik wie diese abgöttisch. Im Kurzfilm dokumentiert er - was für eine großartige Idee! - die Entstehung des CD-Covers von "Wakin On A Pretty Daze". Straßenkünstler Steve Powers bemalte hierfür eine Wand in Philadelphia, so dass noch vor dem Einlegen der Platte auf Inliegendes verwiesen wird: bunt, schlagwortartig, ein Hingucker, der einfach Lust aufs Hinhören macht.

Vile selbst setzt die Umrisse eines folkigen Singer/Songwriters konsequent in den Rockkontext, und es kann trotzdem nach Nick Drake klingen. Auch bei ihm darf es mäandern, sollten erzählte Straßen enge Kurven haben, Schlaglöcher, Absperrungen. Der Umweg ist das Ziel. Hat vielleicht damit zu tun, dass Vile mal Gabelstapler und Trucks gefahren ist, dass er zeitig lernen musste, sich als eines von zehn Kindern der Eltern (sein Vater ist selbst Musiker in Sachen Bluegrass/Country) einzurichten, Freiräume zu suchen, sie im Schlafzimmer zu finden, wo er das Komponieren zum Banjo begann und sich mehr und mehr abzugrenzen versuchte, mehr und intensiver suchte als andere. Könnte aber auch nur eine Interpretation sein. Wie singt er in "Peeping Tomboy", einem früheren Song: "Ich will mich nicht verändern, derselbe aber will ich auch nicht bleiben."

Seine erste Band waren die War On Drugs, die sich lauter gaben, ruppiger und mit denen so etwas wie Durchbruch nicht gelingen wollte. Sicher war Kurt Vile auch zu sehr auf sein eigenes künstlerisches Potenzial bedacht und nicht in der Lage, wirklich zu teilen.

Zu seinem Dresden-Debüt kommt Kurt Vile mit den Violators, also Mike Zanghi (Drums), Adam Granduciel (Gitarre, Mellotron, Percussion) und Jesse Trbovich (Gitarren). Sonic Youth jedenfalls, für die Kurt Vile schon eröffnen durfte, waren voll des Lobes...

Kurt Vile & The Violators, Vorprogramm: Sam Kulik, Mittwoch, 21 Uhr, Beatpol

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 04.06.2013

Andreas Körner

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