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Kupferstich-Kabinett zeigt „Begegnungen mit Rom“

Druckgrafiken Kupferstich-Kabinett zeigt „Begegnungen mit Rom“

Das Dresdner Kupferstich-Kabinett zeigt „Begegnungen mit Rom. Druckgraphik des 18. Jahrhunderts“


Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Dresden

Deresden. „Rom, Hauptstadt der Welt, der Welt Zierde, goldenes Rom, jetzt stehen nur mehr deine furchtbaren Ruinen.“ Bereits im 8. Jahrhundert beschrieb der Engländer Alkuin in den „Carmina“ die Wechselhaftigkeit menschlichen Lebens, indem er auf die Metapher der antiken Stadt Rom zurückgriff, die während der Völkerwanderungen in Schutt und Asche gelegt worden war. Doch ein Rom folgt auf das andere, wie Goethe 1786 fasziniert schrieb, „nicht allein das neue auf das alte, sondern die verschiedenen Epochen des Alten und Neuen selbst aufeinander.“ Es ist dieses in Rom auch heute allgegenwärtige Neben- und Übereinander von Antike, Neuzeit und Gegenwart, was die Essenz und Wirkung der Stadt ausmacht.

Das Bild Roms als Ort der erlebbaren Geschichte, fortwährenden produktiven Umnutzung und vielfältigen künstlerischen Begegnung wurde insbesondere im 18. Jahrhundert geprägt und verbreitet – nicht mittels Architektur oder Malerei, sondern im Medium der Druckgrafik. Die neue Ausstellung des Dresdner Kupferstich-Kabinett im Residenzschloss zeigt Rom facettenreich als Sehnsuchtsort von Kunstliebhabern, Künstlern und Bildungshungrigen in fast 900 Werken. Diese sind als einzelne Blätter, in konservatorisch wie sammlungsgeschichtlich bedeutsamen Klebebänden, als Reproduktionen sowie via digitaler Bildrecherche präsent. So gelingt es den Macherinnen zu zeigen, wie Rom tatsächlich erst durch die Druckgraphik und seine prominentesten Vertreter, allen voran Givanni Battista Nolli, Giuseppe Vasi und Giovanni Battista Piranesi, zum überragenden urbanen Mythos werden konnte.

Es ist 230 Jahre her, dass Goethe den Fluchtpunkt seiner „Italienischen Reise“ und Sehnsuchtsziel durch die Porta del Popolo einfahrend betrat. Das Motiv des traditionellen Stadtentrées für Besucher aus dem Norden bildet denn auch den Auftakt der Ausstellung. Derart empfangen bietet sich mit dem „Panorama der Stadt Rom, vom Gianicolo aus gesehen“ von Giuseppe Vasi von 1765 ein grandioser, beinahe illusionistischer Blick über das alte und neue Rom mit seinen Monumenten. Vasis Stadtansicht ist beinahe 2,70 Meter lang und wurde von 12 Druckplatten genommen. Der Blick schweift über die Basilika von Sankt Peter, den Tiber entlang, erfasst die rauchende Engelsburg mit der Engelsbrücke, die barocken Brunnen und Kirchenkuppeln. Nur wenige winzige menschliche Figuren beleben die Szenerie; Vasi stellt sich selbst als Zeichner dar und authentifiziert damit das Panorama. Unter dem Bildfeld sind beinahe 400 Sehenswürdigkeiten aufgelistet und durchnummeriert; ihre Besichtigung wird dem Betrachter innerhalb eines acht Tage währenden Intensivaufenthaltes anempfohlen.

Damit verdeutlicht die Riesengrafik zu Beginn der Ausstellung die für die Druckgrafik des 18. Jahrhunderts bestimmenden Interessen: Zwar ist hier wie in anderen Blättern die quasi-wissenschaftliche Absicht deutlich, die Stadt und seine Altertümer in Plänen zu vermessen und maßstabsgetreu wie perspektivisch korrekt ins Bild zu setzen; häufig sind die Stiche von archäologischen Erörterungen begleitet. Andererseits werden die Monumente weniger so gezeigt wie sie tatsächlich waren als so, wie sie sich in der Fantasie der Künstler wiederspiegelten.

Herausragendes Beispiel sind die Arbeiten des aus Venedig stammenden Giovanni Battista Piranesi, der 1740 nach Rom kam, und dessen Werk im Kupferstich-Kabinett hervorragend vertreten ist. Seine großformatigen Ansichten zeigen die antiken Denkmäler beinahe gewaltsam: Der Standpunkt nah an den Betrachter herangerückt, das Bauwerk riesengroß, helle Partien wechseln sich ab mit tiefen Verschattungen, was den Blättern nicht nur eine malerische Wirkung, sondern Dramatik und Unruhe verleiht.

Voraussetzung hierfür waren auch die druckgrafischen Techniken Kupferstich und Radierung, die im 18. Jahrhundert gern in Kombination miteinander zum Einsatz kamen. Sie ermöglichten es den Künstlern, in der Druckgrafik einen erkennbar eigenständigen künstlerischen Ausdruck zu etablieren. Insbesondere in der Radierung konnten bessere „malerische“ Effekte als im Kupferstich erzielt werden, weil man mit der Radiernadel in den Ätzgrund fast ebenso gut zeichnen kann wie mit Bleistift auf Papier, denn es muss nicht in das Metall eingedrungen werden wie bei der spanabhebenden Tätigkeit des ‚Kupferstichelns’.

Die populären Stiche des ausgebildeten Architekten und Kupferstechers Piranesi werden bis heute nachgedruckt und sollten als Vorlagen für die im Spätbarock und Klassizismus besonders beliebten Ruinendarstellungen dienen. Die Wiedergabe von zerfallenen, zum Teil mit Pflanzen bewachsenen Monumenten galten im Barock noch als Vanitas-Symbol, späterhin ganz positiv als ‚schöne’ Verfallsdokumente und Stimmungsträger. Piranesi selbst hat die Darstellung des Ruinösen und dabei zugleich Fantastisch-Verwirrenden auf die Spitze getrieben in der berühmten Folge mit erfundenen Kerker-Darstellungen, den „Invenzioni Capric di Carceri“. Das Kupferstich-Kabinett besitzt sie sowohl im seltenen ersten Zustand von 1750 als auch im von Piranesi überarbeiteten, stärker verbreiteten zweiten Zustand aus dem Jahr 1761. Es ist ein Privileg, die unterschiedlichen Fassungen nun nebeneinander studieren zu können. Was hier noch beinahe gleichmäßig ausgeleuchtet als Raum wahrscheinlich gemacht wird, gerät später in seinem dämonischen Hell-Dunkel zum fast apokalyptischen Nicht-Ort.

„Begegnungen mit Rom. Druckgraphik des 18. Jahrhunderts“, Ausstellung des Kupferstich-Kabinett. Bis 15. Januar 2017 im Schloss.

Von Teresa Ende

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