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Kunstausstellung in Dresden ehrt Kritiker Will Grohmann

Kunstausstellung in Dresden ehrt Kritiker Will Grohmann

Kandinsky, Klee, Feininger, Picasso oder Miró: Das Who’s Who der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts gastiert für mehr als drei Monate in Dresden. „Im Netzwerk der Moderne“ ist eine Hommage der Staatlichen Kunstsammlungen (SKD) an den Kunstkritiker Will Grohmann (1887-1968) zu dessen 125. Geburtstag.

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Eine Frau läuft in der Kunsthalle im Lipsiusbau in Dresden an den Gemälden von A.R. Penck „UR END TR“ aus dem Jahr 1976 (l) und von Sophia Schama „Fenster 5“ aus dem Jahr 1998 (r) vorbei.

Quelle: dpa

Die Auswahl vereint Künstler, mit denen er befreundet war, die er vermittelt oder mit denen er sich beschäftigt hat, sagt Kuratorin Konstanze Rudert. Dafür kehren auf Zeit auch einige berühmte Bilder nach Deutschland und an die Elbe zurück, die seit der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ schmerzlich vermisst werden. „Dresden konnte diese Lücken nie auffüllen, anders als Sammlungen im Westen“, sagte Rudert.

Der aus dem ostsächsischen Bautzen stammende Grohmann knüpfte erst von Dresden, ab 1948 von Berlin aus ein weltweites Netzwerk, mit dessen Hilfe er zahlreiche Künstler förderte. Er war maßgeblich am Aufbau der Dresdner Sammlung zur Klassischen Moderne beteiligt, die dann 1937 fast vollständig verloren ging. Ehemalige Mitglieder der Dresdner Künstlergruppe „Brücke“ zählten zu seinen Freunden, er trat früh für das Bauhaus ein. Durch Mitwirkung an wichtigen Expositionen wie der Internationalen Kunstausstellung 1926 und der Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung 1946, beide in Dresden, der Documenta I, II und III sowie der Biennalen von Venedig, São Paulo und Paris hatte er großen Anteil an der internationalen Vermittlung avantgardistischer Kunst.

Die 1946er Schau wurde von SKD-Wissenschaftlern in Zusammenarbeit mit Medieninformatikern der TU Dresden als virtuell begehbare 3D- Animation rekonstruiert, erläuterte Rudert. „Es war die erste große Gesamtschau nach dem Krieg, die auch die ehemals Verfemten zeigte, und zugleich letzte Präsentation vor der Teilung, mit mehr als 500 über die Zonengrenzen verliehenen Werken.“ Besucher können nun per Mausklick die Räume durchschreiten, die Bilder sehen und Schilder mit Erklärungen lesen, erzählte SKD-Generaldirektor Hartwig Fischer.

Neun Werke aus dieser Ausstellung werden im Original im Lipsiusbau gezeigt.Die Wände in der Kunsthalle füllen sich seit Tagen mit Meisterwerkwerken aus Europa und Amerika: von Gerhard Altenbourg über Otto Dix, Erich Heckel, Ernst Ludwig Kirchner, Piet Mondrian, Max Pechstein, Francis Bacon, George Braque, Emil Nolde, Wilhelm Lehmbruck und Pablo Picasso bis Man Ray, Karl Otto Götz, Rupprecht, Gerhard Richter und Georg Baselitz.

Die Bilder und ihre Geschichte sollen Grohmanns weltweites Netz sichtbar machen, mit dem er später weltberühmte Künstler gefördert und deren Werke vermittelt hat.Vom 27. September 2012 bis 6. Januar 2013 werden insgesamt 206 Werke - Gemälde, Skulpturen, Arbeiten auf Papier, Fotografien und eine Videoarbeit - von dessen mehr als 50-jährigem Wirken zeugen. Rund ein Fünftel der Exponate stammt aus dem Bestand der SKD, die anderen von über 70 Leihgebern - wichtigen Museen und Privatsammlern weltweit.Es ist die in dieser Dimension erste Ausstellung zu dem Kritiker, der 1948 wegen politischer Differenzen in den amerikanischen Sektor von Berlin ging.

Sie erhellt auch Hintergründe und erzählt Bilderschicksale. „Wir zeigen, was hat er gesehen und gefördert, was hat ihn fasziniert“, erzählte Rudert. Sie hat dafür über zwei Jahre in rund 80 000 Dokumenten aus Grohmanns Nachlass in der Stuttgarter Staatsgalerie geforscht. Auf der Basis ihrer Erkenntnisse entstand nicht nur eine Kunstausstellung der Moderne.Eine Doppelpublikation - Katalog und Schriftenband - enthält Kunstkritisches von Grohmann, teils erstmals entschlüsselte Provenienzen und persönliche Geschichten. „Sie leisten einen Beitrag zum Verständnis der Kunst des 20. Jahrhunderts“, sagte Fischer.

„Grohmann hat die deutsche Kunst international und ausländische Künstler in Deutschland bekannt gemacht.“ Die Ausstellung solle zur Wiederentdeckung Grohmanns für Publikum und Fachwelt beitragen.„Grohmann war in seiner Zeit ein viel gelesener und gehörter Fachmann und Kritiker, der bis ins hohe Alter neugierig geblieben ist. Er hat die Rezeption dieser Werke auch für Publikum geprägt, geriet dann aber weitgehend in Vergessenheit.“ Das soll die Dresdner Schau ändern, indem sie das Phänomen Grohmann für ein breites Publikum zugänglich und verständlich macht. Aber auch Fachleuten verspricht Fischer neue Erkenntnisse: „Da werden gute Kenner der Kunst des 20. Jahrhunderts etliche Aha-Erlebnisse haben.“

Von Simona Block, dpa

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